
Do, 17. Juli 25
Verpeilhütte (2.015 m) - Madatschkopf (2.783 m)
Wir setzen die Tour heute nicht fort, sondern bleiben auf der Verpeilhütte, nutzen das unverhofft schöne Wetter aber dann doch für einen Gipfel. Das Ziel, der Madatschkopf, ist in Sichtweite.
Der erste Blick aus dem Fenster fällt auf graue Wolken am Himmel, allerdings über wie mit Puderzucker gesprenkelten Bergspitzen. Offenbar ist die Schneefallgrenze über Nacht auf um die 3.000 Meter gesunken. Sonnenkogel, Schwabenkopf und wie die Berge um die Verpeilhütte alle heißen, sie tragen weiße Hauben. Als zum Frühstück der Himmel aufreißt, ist das Panorama reif für einen Bildband. SO haben wir uns das hier vorgestellt!
Wir geben Hüttenchefin Agnes Bescheid, dass wir verlängern. Dass wir das Doppelzimmer behalten könnten, hatten wir gestern Abend schon geklärt. Nun muss ich nur noch eine der Übernachtungen auf der Kaunergrathütte stornieren. An der Herz-Jesu-Kapelle in der Nähe der Hütte hat das Handy einen Hauch von Netz. Für ein Stoßgebet mag das reichen, aber für eine stabile Verbindung muss ich ein bisschen die Fahrstraße entlang Richtung Tal laufen. Kurz hinter einem Steg über eine Furt klappt es dann mit dem Anruf und ich habe Martina, die Wirtin der Kaunergrathütte, am Telefon.
Rausgeschmissenes Geld
Wegen der Kurzfristigkeit der Absage müssten wir eine Stornogebühr von 45 Euro bezahlen. Kein Problem, das ist uns der Gedanke, erst morgen in alter Frische über das Madatschjoch zu steigen, allemal wert. Wobei wir uns heute schon wieder gut erholt fühlen. Ein bisschen zieht’s in den Waden, aber halb so wild. Immer wieder erstaunlich, wie gut der Körper sich über Nacht regeneriert.
Entspannt abhängen
Was noch nicht ganz regeneriert ist, sind meine Wanderschuhe. Die bekommen jetzt einen Platz an der Sonne zum Trocknen. Auch einige Klamotten waschen wir und hängen sie auf einen Ständer vor der Hütte. Wir erinnern uns an den letzten Besuch der Verpeilhütte, als einige aus unserer Gruppe ihre verschwitzte Kleidung über den Zaun hängten und eine Bandage im Maul einer Kuh verschwand. Die Gefahr bestünde aktuell nicht: Die Tiere sind weiter oben im Wald unterwegs, nicht in unmittelbarer Nähe.
Wir genießen die Morgensonne in einem Polsterstuhl mit Blick Richtung Verpeiljoch. Dahin brechen die meisten Gäste heute auf. Wir faulenzen und lesen, bis es uns so um 11 Uhr dann doch langsam juckt: Es wäre ja wirklich Zeitverschwendung, dieses fantastische Wetter NICHT für eine kleine Bergtour zu nutzen. Aus südwestlicher Richtung winkt ein Gipfelkreuz. Ich bin mir nicht sicher, ob das zum Mooskopf oder zum Madatschkopf gehört, aber machbar sieht der Höhenunterschied allemal aus.
Eine Bergtour geht schon
Wir packen ganz leichtes Gepäck und schlüpfen in die Stiefel. Mittlerweile sind sogar meine wieder trocken. Den Anstieg aus dem Hochtal, in dem die Verpeilhütte liegt, kennen wir schon. Es ist der Weg zu den Madatschtürmen und zum Madatschjoch. Kurz nach einem ersten steilen Stück geht es rechts ab Richtung Moos- und Madatschkopf. Turns out: Das Kreuz, das man von der Hütte sieht, gehört zum 250 Meter höheren Madatschkopf (2.783 m). Dann also rauf da! Was die Schafe können, kriegen wir auch hin!
Nach zwei Stunden sind wir oben und genießen eine sagenhafte Aussicht: vor uns wie Zipfelmützen aufgereiht die dunklen Madatschtürme, dahinter die Schneeflächen des Madatschferners am Fuße der eingezuckerten Watzespitze, daneben das gezackte Madatschjoch und links davon der Schwabenkopf. Allein für diesen Blick hat sich der Aufstieg gelohnt. Wir können uns kaum sattsehen und verbringen eine halbe Stunde auf dem Gipfelplateau des Madatschkopfs.
Um halb vier sind wir zurück an der Verpeilhütte. Zeit für einen Kaiserschmarrn! Anschließend setzen wir das Entspannungsprogramm fort. Wenn es so weitergeht, könnte ich tatsächlich mal ein ganzes Buch auf einer Wanderreise schaffen. Ich habe “The Wedding People” im Gepäck. Leichte Kost, ziemlich originell. Und es spielt in New England. Da lasse ich mich gerne hinbeamen.
Der perfekte Abschluss
Um 18 Uhr gibt es Abendessen auf der Verpeilhütte. Wir hatten gar nicht bedacht, dass wir dann ja nicht mehr à la Carte bestellen könnten und auch keine Halbpension gebucht. Wobei uns ein komplettes Menü jetzt auch ein bisschen viel wäre. Mein Magen hat den Kaiserschmarrn von vorhin ja noch nicht einmal ganz verdaut. Die nette Bedienung meint aber, die Küche hätte sicher zwei Portionen vom Hauptgericht übrig für uns. Als wir hören, dass es sich dabei um Bratwurst mit Bratkartoffeln handelt, freuen wir uns wie Schneekönige. Dirk bekommt sogar noch einen Salat dazu. Perfekt!
Nachdem die Sonne untergegangen ist, wird es zu kalt, um draußen sitzen zu bleiben. Wir zocken noch ein paar Runden Kniffel in der Stube und gehen nicht allzu spät ins Bett, sehr zufrieden mit diesem überraschend schönen Tag.
Unterkunft: Verpeilhütte - 28 EUR
Wegstrecke: 7 km
Höhenmeter: +/- 760
Nützliche Links
pitztal.com - Infos vom Tourismusverband Pitztal
kaunertal.com - Infos vom Tourismusverband Tiroler Oberland
Kaunergrat-Runde - die klassische 5-Tages-Tour
DAV Mainz - die Sektion kümmert sich um einige Wege und eine Hütte im Pitztal