Im Sommer 2025 ist meine Alpenüberquerung auf dem E5 von Oberstdorf nach Bozen genau 10 Jahre her. Seitdem bin ich jedes Jahr in den Alpen unterwegs gewesen, von einer Ausnahme abgesehen stets von Hütte zu Hütte und meistens mit meinem alten Freund Dirk. Zur Feier des Jubiläums nahmen wir uns vor, dem Kaunergrat in den Ötztaler Alpen mal wieder einen Besuch abzustatten. Der Gebirgszug zwischen Kauner- und Pitztal bildete damals den Mittelpunkt unserer E5-Tour mit dem Alpenverein. Mal schauen, was sich dort alles verändert hat.
14. Juli 2025
ERSTMAL NUR BIS WENNS
Man kann mit Bus und Bahn von Mainz ins Pitztal reisen und direkt am Ankunftstag zu einer Hütte aufsteigen. Oder man macht’s wie wir ganz entspannt und verbringt die erste Nacht im Tal.
15. Juli 2025
ALMENWEG: GESPERRT
Entlang des Kaunergrats schlängelt sich der Pitztaler Almenweg durch den Bergwald. Wir wollen von Trenkwald zu ihm aufsteigen und bis zur Tiefentalalm wandern, der einzigen Übernachtungsmöglichkeit auf diesem Weg. Eine Sperrung macht den Plan zunichte.
16. Juli 2025
TOUR DE FORCE ZUR VERPEILHÜTTE
Der Weg übers Wallfahrtsjöchl ist nicht die höchste oder technisch schwierigste Option, den Kaunergrat zu überschreiten – aber die einsamste. Die Verlängerung der Wanderung bis zur Verpeilhütte sollte uns an unsere Grenzen bringen.
17. Juli 2025
RUHETAG? TRAUMTAG!
Wir setzen die Tour heute nicht fort, sondern bleiben auf der Verpeilhütte, nutzen das unverhofft schöne Wetter aber dann doch für einen Gipfel. Das Ziel, der Madatschkopf, ist in Sichtweite.
18. Juli 2025
NEUER STEIG AM MADATSCHJOCH
Nach dem langen Teilstück übers Wallfahrtsjöchl ist es vielleicht nicht mehr so ganz passend, den Gang zur Kaunergrathütte als “Königsetappe” zu bezeichnen – aber die Querung des Madatschjochs in über 3.000 Metern Höhe ist einfach der alpine Höhepunkt jeder Kaunergrat-Runde.
19. Juli 2025
COTTBUSER HÖHENWEG: GESPERRT
Über den Cottbuser und den Fuldaer Höhenweg lässt sich die Kaunergrat-Runde bis ans Talende zum Taschachhaus ausdehnen. Zumindest die halbe Strecke bis zum Rifflsee wollen wir heute noch absolvieren.
20. Juli 2025
TOURISTS DOING TOURIST THINGS
Nach fünf Tagen Wandern steht uns der Sinn danach, die Beine zu schonen und die Fortbewegung überwiegend Bussen und Seilbahnen zu überlassen. Wo wir nun eine Pitztal Sommer Card haben, wäre es ja dumm, die nicht für ein bisschen touristisches Pflichtprogramm auszureizen.
FAZIT
Fiel unsere Dolomiten-Tour im Jahr davor eher in die Kategorie "Genusswandern", hat uns der Kaunergrat wieder gefordert. Mit der zweiten Etappe über das Wallfahrtsjöchl haben wir uns sogar richtig verhoben, hätten auf die schlechten Bedingungen reagieren und besser ein Alternativziel ansteuern sollen. Andererseits kamen wir so zu einem Extratag auf der Verpeilhütte, den ich im Nachhinein nicht missen möchte. Für die zukünftige Tourenplanung werde ich aber meine Lehren ziehen.
In einem Juli, in dem es in Tirol etwa 50 Prozent mehr als üblich geregnet und die Sonne eher wenig geschienen hat, hatten wir mit dem Wetter noch einigermaßen Glück – von Sturzfluten, Murenabgängen und anderen in Zeiten der Klimakrise immer häufiger werdenden Katastrophen ganz abgesehen. Sie ereigneten sich anderswo in den Alpen.
Generell ist der Kaunergrat ein ziemlich wildes Gebirge mit steilen Hängen und anspruchsvollen Übergängen. Dass man auf den Hütten kulinarisch bestens versorgt wird, entschädigt für die Anstrengungen unterwegs.
Mit dem Mainzer Höhenweg, dem Gletschersteig, dem Taschachtal und dem Übergang zum Gepatschhaus im Kaunertal liegt die Route für die nächste herausforderne Tour im Pitzal quasi schon in der Schublade.
ZAHLENSPIELE
Wanderstrecke: 52,5 km
Höhenmeter: +5.400 / -4.600