27. Sep 2025
Schon zwei Mal war ich mit dem Paolinalift ins Rosengartenmassiv gegondelt: Vor Jahren hatte ich mit Conny die schönen Höhenwege zwischen Rotwand- und Kölner Hütte erwandert, im Sommer 2024 war der Weg über das Zigolade-Joch und die Vajolethütte zum Santner Pass die erste Etappe einer Hüttentour durch die Dolomiten. Die Rundwanderung durch den südlichen Rosengarten, ein absoluter Klassiker unter den Bergtouren in den Dolomiten, stand im Herbst '25 ganz oben auf dem Wunschzettel. Mit gar so schwierigen Bedingungen hatten wir allerdings nicht gerechnet...
Als hunderte Meter steile Felswände ragen die südwestlichen Pfeiler des Rosengartens aus der grünen Hügellandschaft des Eggentals hervor. Rotwand, Teufelswand, Fensterlturm, Tscherer oder Tschager Spitze – allesamt berühmte Kletterberge. Eigentlich wollten wir auf dieser Reise gerne mal den relativ einfachen Rotwand-Klettersteig in Angriff nehmen, aber da sich die Gipfel in den letzten Tagen ein Schneekleid angelegt haben, verwerfen wir das Vorhaben. Es bleibt beim Wandern. Davon zumindest wollen wir uns nicht abbringen lassen und werden morgens von blauem Himmel ermutigt.
Wir wandern gegen den Uhrzeigersinn
Auf der Fahrt mit dem Sessellift weht allerdings schon ein eisiger Wind. Wir beschließen, die Runde Richtung Rotwandhütte und damit Richtung Sonne zu beginnen. Ich wäre zur Abwechslung eigentlich gerne mal im Uhrzeigersinn gelaufen, aber die Aussicht auf Sonne im Gesicht ist zu verlockend nachdem wir sie die letzten Tage allzu selten gesehen haben. Um 10:45 Uhr setzt uns der Lift neben der Paolinahütte (2.125 m) ab.
Vorbei am Christomannos-Denkmal öffnet sich der Blick über das Val di Fassa. Schneebedeckte Gipfel im Sonnenschein – schöner geht's nicht. Gegen halb zwölf kommen wir an der Rotwandhütte (2.283 m) vorbei. Dahinter geht es in einer lange Kehre zu Füßen der Mugoni-Spitze zum Anstieg auf den Passo Jouf de la Zigolade (2.552 m). Ich weiß, dass die Serpentinen da rauf an sich sehr gut zu gehen sind – allerdings wird jetzt auch klar, dass wir dabei durch Schnee stapfen werden.
Das war's mit dem schönen Wetter
Tatsächlich liegt der Schnee dann vor allem neben dem Pfad. Erst auf den letzten Metern zur Passhöhe verschwindet auch der Weg unter dem Weiß, das aber locker aufliegt und nicht rutschig ist. Über das Joch fegt ein stürmischer Wind. Ich warte auf Conny, die sich die Serpentinen heraufkämpft, noch etwas geschwächt von einer Erkältung. Der Blick voraus geht über das Ciampedie-Plateau zur Vajelothütte, auf die ein einsamer Sonnenstrahl fällt.
Ich habe den Abstieg vom Passo Zigolade als ziemlich steil und unwegsam im Kopf. Woran ich mich gar nicht erinnern kann, ist ein Klettersteig mit einer hohen Leiter. Ist die Wegführung hier neu oder habe ich diese Stelle einfach vergessen? Wir kommen jedenfalls sicher drüber. Conny flucht, als sie erfährt, dass wir noch so einen steilen, wenn nicht sogar steileren Anstieg vor uns haben. Schließlich müssen wir wieder auf die andere Seite des Massivs kommen. Denselben Weg zurück will sie auf keinen Fall nehmen und der alternative Abstieg ins Fassatal wäre ein irrer Umweg. Also weiter.
Der Tschagerpass bringt uns an die Grenzen
An einer Wegkreuzung biegen wir ab Richtung Kölner Hütte. Es sind nur 200 Höhenmeter bis zum Tschagerjoch, dem Passo Coronele (2.633 m), aber die geht es über eine geschlossene Schneedecke. Zum Glück ist die Wegfindung kein Problem. Vor uns haben schon andere eine Spur gezogen. Außerdem sind die Markierungen an den Felsen gut auszumachen. Die Kraxelstellen haben es nun aber natürlich in sich und zwingen zu absoluter Konzentration. Ich bereue, nur ein Paar Grödel im Rucksack zu haben. Conny will keine Schneeketten, also kommen die über meine Stiefel.
Oben am Joch empfängt uns eine fast schon bizarre Winterlandschaft mit Eiszapfen und sicher zwanzig Zentimeter Schnee. Aussicht: keine. Wir sind mitten in den Wolken. Der Abstieg ist eher noch anspruchsvoller. Ein gesicherter Steig mit hölzernen Stufen führt hinab – nur dass die halt unter Schnee verschwinden. Dank der Grödel finde ich hier aber sicheren Tritt und gehe voraus. Es dauert auch nicht allzu lange, ehe der Weg abflacht, der Schnee weniger wird und wir aus den Wolken kommen. Wir sind erleichtert, es unter diesen Umständen unversehrt über den Tschagerpass geschafft zu haben.
Noch ein Klettersteig!
Die Hütte ist schon in Sichtweite, da geht der Weg noch einmal in einen Klettersteig. Griffe und Felsen sind natürlich richtig schön nass hier.
Ich kann mich erinnern, dass letztes Jahr auf der Santnerpasshütte jemand erzählte, dass dieser Abschnitt anspruchsvoller wäre, als die eigentliche Via Ferrata zum Santner Pass. Und wir müssen da nun noch drüber, wo wir doch dachten, der anstrengendste Teil wäre hinter uns. Na Mahlzeit. Augen auf beim Kartenlesen!
Stärkung auf der Hütte
Um 15 Uhr haben wir es schließlich geschafft und dürfen uns in der Kölner Hütte (2.337 m), dem Rifugio A Fronza alle Coronele, wie das seit 1920 von der C.A.I.-Sektion Verona betriebene Haus offiziell heißt, aufwärmen. Ich habe Conny noch nie so schnell eine Portion Bratkartoffeln mit Speck verputzen sehen. 45 Minuten später sind wir bereit für das letzte Stück des Weges über den Hirzelsteig. Der zieht sich noch etwas, ist aber – von der Querung einiger kleiner Wasserfälle abgesehen – eher ein lockeres Auslaufen nach unserer doch sehr anspruchsvollen Bergtour. Um 16:45 Uhr sind wir zurück am Paolinalift und fahren im nun pünktlich einsetzenden Nieselregen hinab zum Parkplatz.
Nützliche Links
outdooractive.com - Details und Karten zur Wanderung
eggental.com - Tourismuswebsite der Ferienregion zwischen Rosengarten und Latemar
suedtirolerland.it - die verschiedenen Regionen der südtiroler Dolomiten im Überblick
Südtirol Mobil - Fahrplansuche für Bus und Bahn