2006 Southwest USA 20
Kaskaden im Zion Nationalpark

So, Sep 24, 2006

PLEASE MIND THE GAP

Heute wird’s ein potenziell einsamer Tag, denn es geht zur Subway und die Permits für die Wanderung an diesen ebenso abgelegenen wie wundersamen Ort gibt es nur in limitierter Auflage.

Das Tsunami Café neben dem Hotel macht sonntags leider erst später auf, so halten wir auf dem Weg kurz am Pioneer Lodge Café und nehmen dort das Frühstück ein. Auch sehr lecker.


Wir fahren aus Springdale raus und bis zum Örtchen Virgin. Dort biegt rechts die Kolob Terrace Road ab, die am North Creek und einigen Farmen entlang in den westlichen Teil des Zion Parks führt. Am leicht zu findenden Left Fork Trailhead stehen schon ein paar Autos. Mit uns machen sich gegen 9 Uhr aber nur zwei weitere Wanderer auf den Weg: einer geht mit Riesen-Foto-Ausrüstung voran, der andere (Deutsche) verabschiedet sich noch von seiner Frau, die ihn nachmittags wieder abholen will.


Abstieg in die Schlucht


Nach einem Sandweg erreichen wir den etwa 120 Meter hohen Canyonrand. Hier führt der Trail in rutschigen Serpentinen runter zum Fluss. Sehr steil das und wir „freuen“ uns jetzt schon auf den Aufstieg am Nachmittag. Eine halbe Stunde dauert allein dieser Abstieg und wir sind bereits eine knappe Stunde unterwegs, als wir das Ufer erreichen. Diese Stelle sollten wir uns gut merken, hatte uns der Ranger am Vortag gesagt, hier seien schon einige vorbeigelaufen. Uns ist nicht ganz klar, wie man das schafft, denn es gibt sogar zwei Wegweiser, aber Conny schreibt zur Sicherheit T-R-A-I-L in den Sand. Dann machen wir uns auf den Weg flussaufwärts.

Wobei „Weg“ ein relativer Begriff ist. Es gibt zwar rechts und links des Ufers jeweils Trampelpfade, die verlieren sich aber immer wieder zwischen Felsen, Erdrutschen und Unterholz. Wenn ich vor der Wahl stünde, nochmal ein Stativ auf den Rucksack zu schnallen oder lieber eine Machete mitzunehmen, ich würde Letzteres vorziehen. Immer wieder zerren Zweige am Rucksack und man sollte auf keinen Fall mehr als ein 30-Liter-Modell für diese Wanderung aufhaben. Auch sind Wanderstöcke unerlässlich und wir sind froh, welche dabei zu haben, auch wenn wir die sonst immer müde belächelt haben. Conny rennt trotzdem mit der Stirn gegen einen dicken Ast. Das gibt eine fette Beule! 


Fehltritte bleiben ohne Folgen


Allerdings ist es ein Mythos, dass der Weg vor allem durch den Fluss führt. Man muss zwar einige Male das Ufer wechseln, das geht aber über Steine und Baumstämme ohne Probleme. Außerdem ist das hier ja kein flaches, sandiges Flussbett, sondern ein Wildbach mit Wasserfällen und unzähligen Felsen. Wenn man unbedingt durchs Wasser will, dann eher auf dem Rückweg. Hin kommt Conny jedenfalls sogar komplett trockenen Fußes. Ich leiste mir ein, zwei Fehltritte, wobei das Wasser bei den leichten Wanderschuhen auch nicht weiter stört und der Fuß schnell wieder trocknet.

Höhepunkte am Weg sind die versteinerten Fußabdrücke einer Dinosaurierherde an einer Felswand am rechten Ufer und Kaskaden, die hübsch glitzern, wo die Sonne schon den Canyongrund erreicht. Ansonsten liegt das Tal noch im Schatten.


Nach drei Stunden nähern wir uns dem Ziel


Den Eingang zur Subway bilden breite Stufen. Hier gibt es an beiden Uferseiten Halfpipe-förmige Auswaschungen. Das Wasser fließt sehr flach über die breiten Terrassen aus braunem, glattpoliertem Gestein. Man muss gut aufpassen, um nicht auszurutschen. Wir entdecken auch die gut hundert Meter lange Spalte, durch die Wasser schießt und von der wir schon tolle Fotos gesehen haben. Nach einer weiteren Biegung stehen wir dann vor der eigentlichen Subway.

Der Anblick entschädigt für die Quälerei der vorherigen Stunden. Vorsichtig gehen wir in die Röhre hinein. Eine Wasseramsel scheint hier ihr Revier zu haben und begrüßt uns mit ihrem Gesang. Besonders gut gefallen uns die blau-grün schimmernden Pools voll kristallklaren Wassers.


Sozusagen am Hinterausgang der Subway folgt ein Corkscrew-Canyon. Hier gab es mal ein Seil, an dem man die Felswand hinaufklettern konnte, um an den Wasserfall zu kommen, den wir rauschen hören. Das Seil ist aber nicht mehr da und so führt der einzige Weg durch das tiefe Wasser hinter der Subway. Conny versucht es, steht aber sofort bis zur Hüfte drin. Zum Wasserfall ginge es nur schwimmend, darauf haben wir keine Lust.

Nun erreichen auch der andere Deutsche und der Fotograf die Subway, kurz darauf folgt ein fluchender Amerikaner, der erzählt, dass er fast nicht mehr dran geglaubt hätte, den Weg zu schaffen. Wir räumen die Röhre und setzen uns am Eingang zur Mittagspause in die Sonne. Gegen halb zwei machen wir uns auf den Rückweg, wobei wir noch eine ganze Weile auf den nun im Sonnenschein liegenden Kaskaden verbringen. Dort stoßen wir auf eine große Jugendgruppe, die begeistert auf dem Hosenboden die Wasserfälle hinabrutscht. So kann man’s auch machen. Von einem weiteren Pärchen abgesehen war’s das mit Besuchern für heute.


Im Tal ist das Leben erwacht


Der Canyon liegt jetzt in schönstem Sonnenschein. Überall sausen Libellen übers Wasser, Schmetterlinge flattern von Blüte zu Blüte und auch einige kleine Schlangen laufen uns über den Weg. Am coolsten sind aber die winzigen Frösche, die sich auf den Felsen in der Sonne wärmen. Die Tiere tarnen sich jeweils in der Farbe der Felsen – sitzen sie auf einem roten Stein, schimmert die Haut bronzefarben, auf grauen Felsen nehmen sie eine silberne Farbe an. Lustig.

Wegen der ganzen Tierchen trödeln wir ziemlich herum auf dem Rückweg. Das kalte Wasser macht uns jetzt, wo die Sonne scheint, auch nichts mehr aus. Allerdings merken wir nun doch, dass unsere Kräfte nach den ganzen Touren der letzten Wochen langsam zu Ende gehen. Nachdem ich einige Mal böse abgerutscht und jeweils kurz daran vorbeigeschrammt bin, mir richtig weh zu tun, ist es dahin mit der Trittsicherheit und ich gehe übervorsichtig weiter. Spaß macht das nicht und wir werden mit einigen Kratzern und blauen Flecken für die Subway bezahlen. Diese Wanderung ist unterm Strich die Anstrengendste des ganzen Urlaubs und man muss schon einigen Outdoor-Enthusiasmus voraussetzen, um die Tour weiterzuempfehlen.

Die Krönung ist dann der Ausstieg aus der Schlucht. Dieser bröckelige Weg kommt mir jetzt fast lebensgefährlich vor. Warum tun wir uns das eigentlich an? Und war es bis zum Parkplatz wirklich so weit? Schließlich hören wir aber Autos auf der Straße fahren, wir sind also richtig. Um 16:30 Uhr erreichen wir völlig erledigt den Parkplatz. Mit uns kommt der genauso fertige Amerikaner an, der nur meint, er sei zu alt für so was. Wir auch! Noch nie hat eine eiskalte Cola so gut getan...

Check-In im Luxor


Zwei Stunden Autofahrt nach Vegas


In Hurricane stärken wir uns kurz bei Burger King, dann geht es auf die Interstate 15, diesmal Richtung Süden. Zum Glück kann man hier ziemlich zügig fahren und so erhebt sich bald die berühmte Silhouette der Casinos aus der Wüste. Immer wieder großartig dieser Anblick.


Da ja Sonntag ist, hält sich der Verkehr einigermaßen in Grenzen und um 19:30 Uhr (Zeitverschiebung!) fahren wir auf das Parkdeck des Luxor Hotels. Hier wollen wir es uns die nächsten Tage gutgehen lassen.


Wir sind drauf vorbereitet, sonst würde uns das Gebimmel der Spielautomaten beim Betreten der Hotellobby sofort wahnsinnig werden lassen. Da muss man halt durch, wenn man nach Las Vegas kommt. Am Airport-mäßigen Check-In läuft alles glatt, nur den Weg zum richtigen Aufzug finden wir nicht gleich.

Zimmer mit Whirlpool im Luxor

Luxus zum Abschluss der (Hochzeits-) Reise


Unser Zimmer ist erwartungsgemäß riesig. Wir haben uns für eine Suite mit Whirlpool entschieden. Das musste einfach sein! Dazu hat die Hütte ein eigenes Wohnzimmer mit einem zweiten Fernseher. Auch den können wir immer gebrauchen. Nur die Aussicht ist nicht ganz standesgemäß: wir sind im vierten Stock der Pyramide und schauen genau auf einen der seitlichen Türme. Na ja.


Zurück zum Parkdeck müssen wir gottlob nicht durch das ganze Hotel, der Aufzug setzt uns in der Nähe des hinteren Eingangs ab. Wir bringen unser Gepäck aufs Zimmer und dann nix wie ab in die Wanne!


Gefahren: 284 Meilen / 457 Kilometer

Hotel:  Luxor, Las Vegas - 212 EUR via Expedia