2006 Southwest USA 15
Einfahrt in den Canyonlands Nationalpark

Di, Sep 19, 2006

TRAUMPFADE

In Moab stehen wir vor der Wahl zwischen zwei Nationalparks: Arches oder Canyonlands. Wir entscheiden uns für Letzteren und dort für die Needles Section, denn ich habe keinen Bock mehr auf das ständige Ansteuern von View points. Ich will mal wieder zu Fuß gehen.


Unsere Frühstückskurve zeigt jetzt wieder steil bergauf. Nix mehr Continental breakfast. Was David vom Cali Cochitta jeden Morgen zaubert, ist vom Feinsten. Um 8 Uhr werden alle an den großen Esstisch gebeten und es ist schön, in Gemeinschaft zu frühstücken. Mit uns ist ein weiteres deutsches Paar im B&B, dazu sitzen drei amerikanische Couples aus Colorado, Wisconsin und Tennessee am Tisch. Wir unterhalten uns prächtig und quatschen uns auch etwas fest - es ist nach 9 Uhr, als wir aufbrechen.


In die Canyonlands führt eine der schönsten Straßen, die wir je gefahren sind


Newspaper Rock

Bis in den Park ist es ein ganz schöner Tampen. Etwa 40 Meilen südlich von Moab zweigt erst die 211 von der 191 Richtung Nationalpark. Diese Straße gehört dann aber sicher zu den schönsten Strecken, die wir je gefahren sind. Es geht durch das grüne Tal des Indian Creek, Rinder grasen am Ufer unter den riesigen Bäumen und rechts und links ragen steil die Felsen empor. Dieses Tal muss den Vergleich mit dem des Virgin River im Zion Park nicht scheuen. Dabei kommt man auch am berühmten Newspaper Rock voller Petroglyphen vorbei. Toll.


Das Tal wird dann immer breiter, die Straße verlässt das Flussufer und gibt den Blick frei auf die Six Shooter und andere Felsformationen im Süden des

Parks. Irgendwann erreicht man dann auch den eigentlichen Eingang, von da sind es immer noch fast 10 Meilen bis zum Trailhead am Elephant Hill, wobei das letzte Stück über eine enge Dirt Road führt. Ist aber kein Problem für unser Auto.

Newspaper Rock


Erst lange nach 11 Uhr erreichen wir den Parkplatz, eigentlich schon fast zu spät für die Tour zum Chesler Park. Aber wir haben schon festgestellt, dass wir schneller laufen, als in den Zeitangaben der einschlägigen Wanderführer steht. Also los. Es geht direkt steil bergan – da ist der Körper doch gleich auf Touren. Nicht dass man sich heute warm machen müsste – es ist der heißeste Tag seit langem.


Auf abwechslungsreichen Wegen geht es in die Needles

Der Trail verläuft über Plateaus, durch Felsspalten und Canyons. Man muss

nur aufpassen, keines der Steinmännchen zu verpassen, zumal hier abseits des Trails die sogenannte „kryptobiotische Kruste“ den Boden bedeckt. Das sind kleine Organismen, die Wasser und Nährstoffe speichern und an die dann wurzelnden Pflanzen abgeben. Ohne diese Organismen, die eine schwarze Schicht bilden und als kleinen Türmchen aufragen, wäre hier nichts als Sand, der vom Wind über die Felsen geweht würde. Don’t Bust the Crust ist das Motto, also immer schön auf dem Weg bleiben. Wenn man ihn denn findet...


Ein Rundweg führt durch über das Plateau Chesler Park


Nach zwei Meilen kommt ein weiterer steiler Anstieg, jetzt geht es zwischen den Needles auf ein von Felstürmen umgebenes Hochplateau – Chesler Park. Die Aussicht ist grandios! Ein Rundweg führt in einem großen Bogen um das Plateau, wobei es durch Steppe, Sand und über Felsen geht.


Ziemlich anstrengend ist die Strecke über eine Sand Road in der prallen Mittagssonne. Entschädigt werden wir aber durch die enge Felsspalte, durch die wir uns auf dem Joint Trail quetschen. Mehr als einen halben Meter ist die Spalte an manchen Stellen nicht breit und einige Seitencanyons sind noch enger. Lustig. Nach gut zehn Meilen zurück am Auto sind wir dann allerdings ziemlich erledigt. Sechs Stunden haben wir benötigt, inklusive einiger Pausen. Hat Spaß gemacht!


Träumen beim Fahren verboten!


Der Rückweg in der Nachmittagssonne ist Fahrvergnügen pur, die Landschaft lässt einen einfach nur staunen. Wenn da nicht das ganze Viehzeug wäre, das uns auf der Straße entgegen kommt. Die Open Ranch-Schilder sollte man wörtlich nehmen und gleich Hirsche und Truthähne mit einschließen.


Großartigerweise verfügt das Cali Cochitta über einen Whirlpool im Garten. Der kommt nach der langen Wanderung natürlich gerade recht. Zum Abendessen lasse ich mich von Conny zu einem Besuch beim Italiener überreden. Pasta Jay’s auf der Main Street von Moab ist denn auch eine gute Wahl. Auch hier kann man schön draußen sitzen, das Knoblauchbrot ist wie in der Pizzeria daheim, die Pasta frisch gemacht und der Rotwein lecker. Außerdem amüsieren wir uns über die beiden Österreicher am Nebentisch, die es gar nicht lustig finden, von der Bedienung in Verbindung mit der deutschen Reisegruppe drinnen gebracht zu werden...


Gefahren: 162 Meilen / 261 Kilometer

Hotel: Bed & Breakfast Cali Cochitta, Moab - 140 USD