Poperasee

RUND UM SEXTEN

30. Sep 2025

AM ENDE DES VALGRANDE

(7,5 km / ↑↓ 625 m)


Am Nordostrand der Sextner Dolomiten, sozusagen auf der “Rückseite” von Neuner, Rotwand und Elferkofel, liegt ein idyllischer kleiner Karstsee versteckt, der Poperasee. Wir nähern uns ihm vom Talschluss des Valgrande – und begegnen unterwegs kaum einer Menschenseele.


Tief hängen an diesem Septembermorgen die Wolken zwischen den Gipfeln. Die Wetter-Apps haben aber immerhin keine ausgiebigen Regenfälle in der Vorhersage. Allzu lang oder anspruchsvoll sollte die Wanderung zum See eigentlich auch nicht sein – also fahren wir vom Caravan Park Sexten aus über den Kreuzbergpass rüber nach Venetien. 


Luxus auf dem Campingplatz


Ja, wir sind auf einem Campingplatz untergekommen – aber nicht im Zelt oder Wohnwagen, keine Angst. Unser Sextner Lieblingshotel Monika hatte diesen Sommer wegen eines größeren Umbaus geschlossen. Auf der Suche nach einer Alternative waren wir auf das Mountain Resort Patzenfeld gestoßen, das sich auf dem Gelände des Caravan Parks befindet, kurz hinter Moos an der Staatsstraße 52 gelegen. Das Hotel stellte sich als absoluter Glücksgriff heraus: ein geschmackvoll eingerichtetes Zimmer im historischen (oder historisierenden?) Haupthaus, nette Restaurants mit fantastischem Frühstück, ein Lebensmittelmarkt gleich gegenüber und der tollste Spa-Bereich, den wir je gesehen haben. Der Aufenthalt dort ist allein schon ein Erlebnis. Aber wir sind, wie immer, vor allem zum Wandern nach Sexten gekommen – also los!


Alce Rossa Hotel, Valgrande
Valgrande
Rifugio Italo Lunelli, Valgrande

Ein Tal im Dornröschenschlaf


Ins Valgrande biegt man bei erster Gelegenheit nach dem Pass rechts ab. Hier scheint die Zeit angehalten zu haben. Ein Thermalbad steht ebenso verlassen in der Gegend herum wie ein großes altes Hotel, das wohl aber immerhin noch als Gruppenunterkunft gebucht werden kann. Einige Villen, ehemalige Pensionen, sind komplett dem Verfall preisgegeben.


Umso überraschender dann, dass am Ende der Straße ein riesiger, neu angelegter Parkplatz mit Schranke auf uns wartet. Der befindet sich in unmittelbarer Nähe zum Rifugio Italo Lunelli (1.560 m) – offenbar ein wahnsinnig beliebter Ausflugsort. Die Sommersaison hier ist allerdings letztes Wochenende zu Ende gegangen.


Hinter der Lunellihütte führt der breite Wanderweg 101 Richtung Rifugio A. Berti (1.950 m) in den Wald. Die Hütte können wir schon oberhalb einer Felswand ausmachen. Ab dem Talschluss geht es in Serpentinen und immer wieder kleine Wasserfälle querend zu ihr hinauf.


Einsame Bergwelt


Oben angekommen staunen wir nicht schlecht über das Panorama der Gipfel, das sich nun im Halbkreis vor uns auftut, wobei die zerklüfteten Spitzen nur ab und an für einen kurzen Moment von den Wolken freigegeben werden. Bei Sonnenschein muss diese Landschaft traumhaft schön sein.


Ein schmaler Pfad windet sich zwischen Wiesen und Felsen hindurch und bringt uns schließlich zum in einer Senke liegenden, türkis-grün schimmernden See – zum Laghetto Popera (2.150 m). Dieses hübsche Fleckchen Erde gehört uns ganz allein. Seit der Lunellihütte haben wir keinen Menschen mehr gesehen.


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So langsam lichten sich die Wolken etwas. Faszinierend, wie sich die Aussicht immer wieder von einer Sekunde auf die andere ändert. Schließlich kehren wir dem See den Rücken, gehen aber nicht denselben Weg zurück zum Rifugio Berti, sondern folgen der Beschilderung zum ehemaligen Rifugio Sala. Das hatten wir vorhin schon weiter oberhalb am Hang gesehen. Sieht ziemlich lost aus, muss also von Conny erkundet werden.


Familie Reh auf Bergtour


Auf einem Hügel gegenüber des Weges erkenne ich einen braunen Fleck im Gras. Ob das eine Gams ist? So richtig können wir nicht ausmachen, was es ist, nur DASS es ein Tier ist. Heranzoomen hilft - es ist ein Reh. Und es hat sogar zwei Kitze an seiner Seite. Offenbar genießt die kleine Familie die Ruhe hier oben genauso wie wir. Als wir über einen Felskamm kommen, haben wir dann aber doch noch eine Begegnung mit Menschen, ein Paar beim Picknick. Die beiden haben sich definitiv mehr vor uns erschrocken als das Reh.


Auf dem zur Rifugio Sala
Rifugio Sala
Rifugio Sala
 Rifugio A. Berti im Winterschlaf
Blick das Valgrande hinunter

Beim Rifugio Sala handelt es sich um den Vorgänger der Bertihütte. 1924 wurde sie in einer Kriegsbaracke eingerichtet und erhielt 1930 als Erinnerung an einen italienischen General aus dem Ersten Weltkrieg den Namen Rifugio Olivo Sala al Popera.


Anfang der 1960er Jahre errichtete die CAI-Sektion Padua die großzügigere neue Hütte und benannte sie nach dem Bergsteiger Antonio Berti. Friedlichere Zeiten waren eingezogen. 


Das alte Rifugio Sala sieht ganz schön ramponiert aus. Anscheinend hat es auch mal gebrannt. Immerhin: Das Dach ist ziemlich neu und drinnen ist eine kleine Bilderausstellung zu sehen.


Hilfe, die Schranke streikt!


Für den Abstieg benötigen wir dann keine Stunde und sind gegen 14:45 Uhr wieder am Parkplatz an der Lunellihütte. Leider will der Scanner am Kassenautomaten den Barcode auf unserem Ticket nicht lesen und ohne Bezahlen öffnet sich die Schranke nicht. Wir drücken den Notrufknopf und machen dem Mann am anderen Ende der Leitung unser Problem derart überzeugend verständlich, dass er die Schranke einfach so für uns öffnet. Grazie Mille!


Conny will dann unbedingt noch in die verlassenen Villen schauen. Ich studiere währenddessen unauffällig die Informationstafeln über die Freizeitmöglichkeiten im Valgrande. Neben Wandern und Klettern sind das vor allem Radfahren und Skilanglauf im Winter.


Weil es hier schwefelhaltige Quellen gibt, wurde das Tal Ende des 19. Jahrhunderts zum Kurzentrum. 2003 entstand die Terme delle Dolomiti mit Innen- und Außenbecken, Sauna und Wellness - und schloss 2012 schon wieder ihre Türen. Eigentlich würde es sich ja anbieten, hier einen zweiten Caravan Park anzulegen. Es gibt Platz, es gibt Wasser, es gibt Straßen, es gibt generell viel zu wenig Raum für all die Wohnmobile in den Dolomiten... Aber das Tal wird wohl noch eine Weile im Dornröschenschlaf bleiben. 


Auf dem Rückweg nach Moos halten wir noch kurz am Pissandolo-Wasserfall, der ziemlich spektakulär direkt neben der Straße den Berg herunter kommt. Und auch die nächsten Stunden bleiben wir beim Thema Wasser. Die verbringen wir nämlich im Spa.


Cascada del Pissandolo

Nützliche Links

outdooractive.com - Details und Karten zur Wanderung

drei-zinnen.info - Website des Tourismusvereins Sexten

suedtirolerland.it - die verschiedenen Regionen der südtiroler Dolomiten im Überblick

Südtirol Mobil - Fahrplansuche für Bus und Bahn