26. Sep 2025
Am Westrand der Dolomiten, gleich gegenüber des Rosengartens, erhebt sich das Latemargebirge. Das Panorama seiner steil abfallenden Türme hinter dem smaragdgrün schimmernden Karersee gehört zu den berühmtesten Postkarten-Ansichten der Dolomiten. Entsprechend groß ist der Parkplatz in dessen Nähe. Direkt am Fuß der Wände führt ein abenteuerlicher Steig durch ein urzeitliches Felssturzgebiet, das "Geplänk", um das sich allerlei Sagen ranken. Wir nähern uns ihm vom Karerpass aus.
Schon am Vorabend hatten wir am Karersee, dem Lago di Carezza, vorbeigeschaut. Unsere Unterkunft, das Hotel Rechenmachers Rosengarten, lag nah genug, dass wir da kurz die Staatsstraße 241 von Welschnofen ein paar Serpentinen rauffahren konnten, um zu checken, ob es rund um den See genauso wolkenverhangen wäre wie im restlichen Eggental. Leider ja. Trotzdem waren wir auf dem Spazierweg um den See nicht allein unterwegs. Allerdings lohnt der Karersee zu dieser Jahreszeit nun wirklich keinen Umweg. Zu niedrig ist der Wasserstand.
Am nächsten Morgen sind auf der Anfahrt immerhin einige Bergspitzen zu sehen und auch das Rosengartenmassiv ist nicht ganz so unsichtbar wie am Tag zuvor. Allerdings klebt an allen Gipfeln eine dicke Watteschicht. Gut lässt sich erkennen, dass es bis auf 2.100 Meter herunter geschneit hat – die vom Paolinalift abgehenden, uns von vorherigen Touren bekannten Wanderwege sind noch in der weißen Zone.
Das Wetter ist nicht gerade einladend
Angesichts der Wettersituation legen wir die Idee ad acta, über die Kleine Latemarscharte in das Felsenlabyrinth zu wandern. Dabei würde wir in Höhen über 2.500 Meter kommen, also fast in die Gipfelregionen des Latemars, dessen höchste Spitze der Diamantiditurm (2.842 m) ist. Das muss heute nun wirklich nicht sein, zumal garantiert keine schöne Aussicht auf uns warten würde. Stattdessen wandern wir vom Parkplatz am Karerpass (1.750 m) ganz gemächlich ansteigend über Skipisten und Almen, die Latemarwiesen, bis wir am Rande einer Schlucht auf den von der Scharte herunterkommenden Weg Nummer 18 stoßen (1.950 m). Von dem geht es bald links ab auf den Labyrinthsteig.
Welche Sage hätten's gern?
Der Steig ist der bekannteste Wanderweg der Gegend, deshalb sind wir auf diesem auch nicht allein unterwegs. Einer Sage nach war das von unzähligen durcheinander- und übereinanderliegenden Felsbrocken übersäte Gebiet einst eine fruchtbare Alm, die als Strafe für die Sünden der dort lebenden Hirten verwüstet wurde. In einer anderen Geschichte waren durch Gold- und Silberfunde am Latemar reich gewordene Knappen die Übeltäter, die das Bergvolk verführten und dafür bestraft gehörten. Außerdem soll in den Felstürmen darüber der "Geplänkmaurer“ hausen, dessen Mauer ständig wieder einstürzt und Steinschläge Richtung Karersee schickt. Irgendwie mischte auch König Laurin mit, soll es Geröllhexen geben und ganz oben auf dem Latemar Stein gewordene Puppen. Was wahr ist: Das Gestein hier ist viel brüchiger als drüben im Rosengartenmassiv, weshalb sich das Latemar nicht so gut zum Klettern eignet und weniger für den Bergsport erschlossen ist als die meisten anderen Ecken der Dolomiten.
2018 wütete ein Jahrhundertsturm
Was auch wahr ist: In der Nacht vom 29. auf den 30 Oktober 2018 brachte das Sturmtief Vaia Orkanböen nach Südtirol, die Millionen Bäume wie Streichhölzer umknickten oder gleich samt Wurzeln aus dem Boden rissen. Zwischen Welschnofen und dem Karerpass blieben ganze Hügelketten entwaldet zurück, das war mir letzten Sommer schon aufgefallen. Von einer früheren Reise hatte ich die Gegend noch mit dichtem Wald im Gedächtnis.
Die Aufräumarbeiten sind freilich längst abgeschlossen, 500.000 Kubikmeter Wurfholz von den Sägewerken verarbeitet. An den Bergflanken wächst frisches Grün und der Artenvielfalt dürfte der Kahlschlag der Fichtenwälder mittelfristig eher genutzt als geschadet haben. Es wird allerdings noch an die 150 Jahre dauern, bis das Eggental wieder so ähnlich aussieht wie vor der Katastrophe - dann wohl mit mehr Laubbäumen als vorher.
Ein bisschen Wald ist noch übrig
Der Bergwald in direkter Nachbarschaft des Felsenmeers ist damals einigermaßen ungeschoren davongekommen. Durch ihn geht es nach dem Steig zurück Richtung Karerpass. Nur gegen Ende führt der Wanderweg durch Abschnitte, in denen Holzarbeiten zugange und die Wege arg matschig sind, oder über langweilige, nach dem Sturm angelegte breite Forstwege. Nach drei Stunden sind wir zurück am Auto. Genug mit dem Wandern für heute, das Wetter wird einfach nicht besser.
Den Nachmittag verbringen wir am Hotelpool und fahren dann gegen Abend runter nach Bozen. Im schönen Restaurant Nussbaumer gibt es lecker Pizza und Pasta.
Blick von der Paolinahütte am Rosengartenmassiv auf Karerpass, Latemar und den Ort Karersee. Gut lassen sich die kahlen Flächen mit den Sturmschäden infolge des Orkans Vaia ausmachen.
Nützliche Links
outdooractive.com - Details und Karten zur Wanderung
eggental.com - Tourismuswebsite der Ferienregion zwischen Rosengarten und Latemar
suedtirolerland.it - die verschiedenen Regionen der südtiroler Dolomiten im Überblick
Südtirol Mobil - Fahrplansuche für Bus und Bahn