2006 Southwest USA 05
Tunnel View ins Yosemite Valley

Sa, Sep 9, 2006

WANDERN WIE IM HEIDI-LAND

Heute beginnt das Wanderprogramm. Als Ziel haben wir uns den einsam gelegenen Ostrander Lake vorgenommen. Bevor wir die Stiefel schnüren, unternehmen wir aber noch einen Abstecher ins Yosemite Valley. 

Etwa 20 Minuten Fahrt sind es von Yosemite West ins Tal. Dafür wird man jedes Mal mit dem Tunnel View belohnt. Die Morgenstimmung dort ist einmalig und weit und breit kein Reisebus mit fotografierenden Japanern in Sicht. Aber frisch ist es. 46 Grad Fahrenheit zeigt das Thermometer, etwa sieben Grad. Das hält mich aber nicht davon ab, an einigen schönen Stellen entlang des Merced River ein paar Fotostopps einzulegen.

Über uns kreisen Drachenflieger, die vom Glacier Point losgesegelt sind und auf den Wiesen im Tal landen. Die Aussicht bei dem kurzen Flug muss unglaublich sein. Aber auch hier unten ist der frühe Morgen ein Erlebnis. Ein Granitriese nach dem anderen wird von der Sonne angestrahlt und spiegelt sich im Wasser der ruhigen Seitenarme des Merced.


Hallo, Wildnis!


Wir besuchen kurz den Shop im Yosemite Village. Hier fragen wir uns, warum wir eigentlich Lebensmittel quer durch Kalifornien gefahren haben – es gibt ALLES in dem Supermarkt! Bei der Weiterfahrt muss ich abrupt bremsen: zwei Kojoten kommen seelenruhig die Straße entlanggetrabt. Wildnis, wir sind da!

Um 11 Uhr beginnen wir die Wanderung zum Ostrander Lake. Der Trailhead ist an der Glacier Point Road und wem der Besucherrummel im Tal too much ist und wer Yosemite in seiner ganzen Einsamkeit erleben will, ohne sich tagelang durchs Unterholz schlagen zu müssen, für den ist diese Wanderung genau richtig.


Wir folgen dem Bridalveil Creek


Der Weg geht zunächst entlang des Bridalveil Creek, dem verzweigten Zulauf der gleichnamigen Wasserfälle, die allerdings jetzt im September eher ein Rinnsal abgeben (aber immerhin mehr Wasser führen, als die Yosemite Falls, die bei unserem Besuch komplett versiegt sind). So kriegt man kaum mit, dass man eigentlich einem Bachlauf folgt, nur ein paar Tümpel sind zu sehen. Der Weg ist etwas sandig, aber sehr angenehm zu laufen.

An sich spenden die Lodgepole-Kiefern Schatten, es geht aber durch einige Gebiete mit Waldbrandschäden, bizarr verkohlten Baumstämmen, aber auch jungem Grün. Wer verschiedene Entwicklungsstufen sehen will, wie sich so ein Wald regeneriert, wird den Weg sehr interessant finden. Wir stöhnen eher über die gnadenlos brennende Sonne an diesen Passagen. Nach gut drei Meilen steigt der Trail dann immer mehr an und führt öfter über freies Gelände. Für den erhöhten Schweißfluss werden wir mit herrlichen Aussichten etwa auf den Half Dome belohnt.


Wo bleibt denn der See?


Und als wir uns langsam beginnen zu fragen, wann denn jetzt endlich dieser blöde See kommt, schimmert es auf einmal blau zwischen den Bäumen: der Ostrander Lake ist erreicht, ein Bergsee wie aus dem Heidi-Land. Wir suchen uns ein sonniges Plätzchen am Ufer, futtern Kekse und ich halte meine Füße in das eiskalte und unglaublich klare Wasser. Im Winter wird die kleine Hütte am See als Skistation genutzt, das Badger Pass Skigebiet ist nicht weit.

Nachdem wir lang genug gerastet haben, geht es auf dem gleichen Weg zurück. Nach sechs Stunden haben wir dann immerhin 21 Kilometer absolviert. Nicht schlecht für den ersten Tag! Die 500 Höhenmeter sind gut zu bewältigen, da die Anstiege nie besonders steil sind. Und wir sind genau zehn anderen Menschen begegnet. Wie gesagt: es ist einsam dort oben.

Abendstimmung in Yosemite West

Sind wir fit genug für den Half Dome?


Unterschätzt haben wir aber die Auswirkung der Höhe auf den Kreislauf: wir sind hier immerhin auf über 2.000 Metern - und das einen Tag, nachdem wir vom Pazifik losgefahren sind. Das Herz pumpt da ganz ordentlich, um in der dünnen Luft die Muskeln mit Sauerstoff zu versorgen. Der Gedanke, am nächsten Tag die Tour zum Half Dome zu bewältigen, erscheint uns an diesem Abend doch einigermaßen gewagt...

Gefahren: 90 Meilen / 145 Kilometer

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