2012 Heartland US Day 13
Kanonen auf Manhattan

Mi, Sep 12, 2012

KANONEN AUF MANHATTAN

Man kann noch so oft nach New York reisen, es gibt einfach immer wieder etwas, was man noch nicht kennt. So besuchen wir heute Governors Island mit seinen alten Festungen - und einem spektakulären Blick auf Downtown Manhattan.

Heute ist der Tag mit dem schlechtesten Frühstück. Ever! Gut, der South Street Seaport ist eine Touristenfalle. Aber das Essen am Tisch auf Papptellern zu servieren, Plastikbesteck dazuzulegen und dann noch das Trinkgeld direkt auf die Rechnung zu setzen - das sind mehrere No-Gos auf einmal. Wir runden dann mal ab...



Auf dem Plan: Ein Besuch von Governors Island. Das ist die kleine Insel zwischen Manhattan und Staten Island, die Jahrzehnte lang nur von Mitgliedern und Angehörigen der dort stationierten Küstenwache betreten werden konnte. Davor diente die Insel schon als Festung, als Gefängnis und als Kriegsgefangenenlager. Erst seit ein paar Jahren ist sie der Öffentlichkeit zugänglich - zumindest am Wochenende. Unter der Woche kommt man nur auf geführten Touren hin (abgesehen von den Schülern der High School auf der Insel). Die Tickets gibt es kostenlos beim National Park Service im Battery Maritime Building gleich neben dem Gebäude der Staten Island Ferry. Wir holen uns zwei ab und setzen uns dann noch mit einem Kaffee in den mittlerweile sehr schön gestalteten Battery Park.


Zwei alte Festungen wachen über Manhattan


Um 12:15 Uhr geht die Fähre. Die Überfahrt dauert fünf Minuten. Am Anleger werden wir von einer jungen Rangerin namens April empfangen. Mit uns ist nur noch ein Paar aus Brooklyn dabei, mit dem wir bald ins Gespräch kommen. Die Tour führt zunächst ins Castle Williams, eine von ehemals vier Festungen im New Yorker Hafen, die Anfang des 19. Jahrhunderts in Erwartung eines britischen Angriffs errichtet wurden. Im Krieg von 1812 landeten die Briten allerdings nicht in New York, sondern in Maryland und brannten die US Haupstadt Washington nieder. Dumm gelaufen.


Die zweite Festung auf Governors Island ist Fort Jay, das etwas älter ist als Castle Williams, aber ebenfalls hervorragend erhalten. Lustig auch, dass sämtliche alten Kanonen auf die Stadt zielen. Wenn das Homeland Security erfährt, ist was los! Neben den Militäranlagen stehen auch noch einige historische Offiziershäuser auf der Insel. Die Wohngebäude der Coast Guard aus dem letzten Jahrhundert sind allerdings fast alle bereits abgerissen. Das waren aber auch ganz schnöde Blocks.


Nach eineinhalb Stunden sind wir zurück am Fähranleger. War wirklich eine sehr interessante Tour. Die wenigsten New Yorker dürften die Geschichte von Governors Island kennen, ein echter Insider-Tipp also. Gratis obendrauf gibt es einen fantastischen Blick auf Downtown. Ganz groß! Wir unterhalten uns auf der Rückfahrt noch sehr nett mit der Frau des anderen Paares, die selbst Touristen durch die Stadt führt, nämlich auf den Spuren der jüdischen Bevölkerung in Brooklyn. Ich stecke mir ihre Karte ein. Vielleicht sieht man sich ja mal wieder.


Zurück zum South Street Seaport


Durch den Financial District geht es dann noch einmal zurück zum South Street Seaport. Wenn schon in New York, müssen wir doch auch bei Abercrombie & Fitch reinschauen, und die Filiale hier unten ist deutlich weniger überlaufen als die auf der Fifth Avenue. Leider passt nichts, aber wirklich gar nichts. Schätze, dass ich so 15 Kilo über der aktuellen A&F Passform bin. Immerhin: Im Yankees-Shop nebenan erstehe ich eine wie angegossen sitzende Baseball-Cap.



Wir stärken uns noch mit einem kleinen Lunch (Chowder und Bier), genießen eine Weile den Blick auf Brooklyn und sind gegen 17 Uhr im Hotel zurück, um uns ausgehfein zu machen. Es ist  ja noch eine Rechnung offen in Sachen Hochzeitstag-Dinner. Also haben wir für den letzten Urlaubsabend einen Tisch im Keens Steakhouse reserviert.


Das perfekte Steak gibt's bei Keens


Pünktlich um 20:15 Uhr stehen wir dort auf der Matte, schieben uns an all den Wartenden ohne Reservierung vorbei und werden an einen sehr schön platzierten Tisch im ersten Stock geführt. Der Laden an sich ist schon toll. Holzgetäfelte Wände und überall Pfeifen an den Decken. Früher waren die wohl zu zerbrechlich für beschwerliche Reisen, also hatte der Gentleman von Welt in jedem Inn seine Pfeife. Heute ist ja Rauchen in Restaurants verboten.


Wir denken lange darüber nach, ein Aged Porterhouse Steak for 2 zu bestellen, entscheiden uns dann aber doch für Lammkoteletts für Conny und ein Filet für mich. Das Porterhouse hätte wohl zum größten Teil ich essen müssen, hätte das auch garantiert geschafft und wäre dann geplatzt. So ein 10-unziges Filet sollte noch etwas Luft im Magen lassen. Das Steak ist dann so ziemlich das beste Stück Fleisch, das ich in meinem Leben gegessen habe. Unfassbar zart! Auch der Wein bei Keens kann was, vom Key Lime Pie zum Nachtisch ganz zu schweigen. Wenn das kein perfektes Hochzeitstag-Dinner ist, dann weiß ich auch nicht. Danke, Conny.



Das Steakhouse ist nur ein paar Straßen vom Times Square entfernt, da wollen wir jetzt nochmal vorbeischauen. Beim letzten New York-Besuch haben wir den ausgelassen. Den Trubel dort muss man sich auch wirklich nicht all zu oft geben. Dagegen ist der Las Vegas Strip fast ein Kurpark. Furchtbar - aber doch faszinierend. Am Rockefeller Center steigen wir wieder in die Metro.


Hotel: Wyndham Garden Long Island City - 133 EUR via booking.com