2023 Schweiz Tag 9
Oeschinensee, Kandersteg, Berner Oberland

Mo, 9. Oktober 2023

WO DIE SCHWEIZ AM INSTAGRAMIGSTEN IST

Das Wochenende ist vorbei, da können wir den Oeschinensee oberhalb von Kandersteg in Angriff nehmen, zu dem in den letzten Tagen ganze Völkerwanderungen zogen. Zermatt läuft uns schließlich nicht davon.


Ein türkisblauer See, eingerahmt von senkrecht aufsteigenden Felswänden, die von gletscherbedeckten Gipfeln gekrönt sind – irgendwann begegnete mir dieses Idealbild eines Bergsees auf Instagram, der Oeschinensee. Um ihn zu erreichen, muss man nicht stundenlang durchs Gebirge wandern. Man kann einfach von Kandersteg mit der Seilbahn fahren und dann etwa 20 Minuten einem breiten, leicht abfallenden Schotterweg folgen, schon steht man an seinem Ufer. Dementsprechend beliebt ist der See als Ausflugsziel. Im Sommer kann man sogar in ihm baden. Es gibt aber auch eine schöne Wanderung, die einen Blick aus 400 Metern Höhe auf den See bietet, bevor man sich ihm nähert. Genau die wollen wir heute Morgen angehen.


Nur die Lichtverhältnisse sind nicht ideal


Nach einem sehr guten Frühstück (in der Schweiz lohnt es sich sehr, das im Hotelpreis inbegriffen zu haben) und dem Zusammenpacken unserer Sachen verstauen wir das Gepäck noch für ein paar Stunden in einem Hinterzimmer des Hotels. Um halb zehn sitzen wir in der Seilbahn, die uns in wenigen Minuten von 1.180 auf 1.680 Meter Höhe bringt. Der höchste Punkt der Wanderung ist noch 300 Meter höher und der Anstieg dorthin durchaus knackig. Mehr als entschädigt werden wir unterwegs von der Aussicht auf den See. Well worth the hype! Einziger Makel: Die Sonne steht genau gegenüber, was fototechnisch natürlich suboptimal ist. 


Beeindruckend ist auch der Blick auf die gewaltigen Eismassen des Blüemlisalpletschers. Am Berghaus Oberbärgli zweigt der Via Alpina zur Blüemlisalphütte ab. Die sieht man schon von weitem auf einem Grat thronen. An ihr wären wir herausgekommen, wenn wir statt mit dem Zug  zu Fuß von Mürren nach Kandersteg gereist wären. Ich werde mir diese Hüttentour mal im Hinterkopf behalten…


Das Oberbärgli hat leider die Saison bereits beendet, ansonsten wäre das der perfekte Ort für eine Jause. Das scheinen auch viele der Wandernden zu denken, die uns beim Abstieg Richtung See teils schwer keuchend entgegenkommen. Ihre Mühen werden nicht belohnt werden. Ein paar Leuten überbringe ich auf Nachfrage schonmal die schlechte Nachricht.


Oeschinensee
Oeschinensee
Oeschinensee
Oeschinensee
Oeschinensee
Oeschinensee
Oeschinensee
Oeschinensee
Oeschinensee
Oeschinensee
Oeschinensee

Für unsere Rast steuern wir einen Absatz hoch über dem See an. Von der Unterbärgli-Alm zweigt ein schmaler Pfad vom Hauptweg ab, der später in einen Klettersteig übergeht und an der Fründenhütte endet. Vorher finden wir ein einsames Plätzchen mit sagenhafter Aussicht und lassen uns ein paar Kekse schmecken.


Buntes Treiben am Strand


Komplett umrunden lässt sich der Oeschinensee nicht. Nicht mehr. Seit drei Jahren ist das Südufer wegen eines drohenden Felsabbruchs gesperrt. Von der Seite hört man auch immer wieder kleinere Felsstürze abgehen.


Der Wanderweg auf der Nordseite fällt dann sanft ab bis zu einem Sandstrand. Hier herrscht ein buntes Treiben: Familien, Sonnenanbetende und Touristen auf der Suche nach dem perfekten Selfie-Spot. Auch der Ruderbootverleih hat gut zu tun. Und noch immer strömen Besucher aus Richtung Seilbahn an das Ufer des Sees. Für uns ist’s an der Zeit weiterzuziehen.


An der Seilbahnstation genehmigen wir uns noch eine Runde kühler Getränke, dann gondeln wir hinab nach Kandersteg, holen unser Gepäck ab und sind pünktlich für den Regionalexpress nach Brig um 14:40 Uhr am Bahnhof.


+++ Breaking: Ein Zug hat Verspätung +++


Zwischen Kandersteg und Brig passiert etwas, wovon man in Deutschland denkt, dass es in der Schweiz nie vorkommt: Der Zug verspätet sich. Eine vorausfahrende Bahn ist im Lötschbergtunnel liegen geblieben und hält den ganzen Betrieb auf, sodass wir unseren Anschluss nach Zermatt verpassen. Der nette Schaffner hat mir aber eine Alternative empfohlen, die mir die SBB-App seltsamerweise vorenthält, nämlich von Brig nach Visp zu fahren, wo der Regio 249 nach Zermatt startet. Ein bisschen kurios ist, dass die Bahn nach Visp nicht im Bahnhof, sondern auf dem Bahnhofsvorplatz von Brig abfährt. Sie sieht auch eher aus wie eine Straßenbahn, bringt uns aber pünktlich und zuverlässig in gut zehn Minuten in den Nachbarort. Eine Viertelstunde später sitzen wir im Zug nach Zermatt. Klappt doch alles wie am Schnürchen!


Stalden, St. Niklaus, Randa, Täsch - die Namen der Halteorte im Mattertal sind mir alle vertraut. Meinem Vater schicke ich ein Foto von Grächen, das von einem sonnenbeschienen Plateau hoch über St. Niklaus aus grüßt. Hier waren wir früher ein paar Mal mit der Familie im Urlaub und auch Conny und ich haben den herrlich gelegenen Ort schon zweimal besucht. Diesmal haben wir uns aber für Zermatt entschieden, das ich bisher nur von Tagesausflügen kenne.


St Niklaus, Mattertal, Wallis

Um 17:08 Uhr kommen wir in Zermatt an. Über der Stadt leuchtet das Matterhorn im Licht der Nachmittagssonne – genau so haben wir uns das vorgestellt.


Matterhorn, Zermatt

Das Hotel liegt etwas oberhalb des Ortszentrums. In einer Review bei Tripadvisor hatte ich was von einem Aufzug neben der Talstation der Sunnegga-Bahn gelesen. Es gibt hier aber weit und breit keinen Aufzug zu unserem Hotel. Also müssen wir unsere Taschen den Berg raufziehen. Das ist ziemlich mühsam und ich ärgere mich ein bisschen über mich selbst, dass ich nicht das Angebot des Hotels genutzt habe, uns mit einem Elektrowagen vom Bahnhof abholten zu lassen. Die Dinger flitzen überall in Zermatt herum und kommen uns direkt gemeingefährlich für zu Fuß Gehende vor.


Zimmer mit Aussicht


Einigermaßen außer Atem erreichen wir das Hotel, werden sehr freundlich begrüßt und in einer Familien-Suite untergebracht. Haben wir zwar nicht gebucht, aber man kann ja nie zu viel Platz haben. Praktisch auch, dass wir nun zwei Badezimmer haben, die beide größer sind als das im letzten Hotel. Wir haben auch Zugang zu einer Dachterrasse mit grandioser Aussicht auf das Matterhorn. Das verfärbt sich langsam rosa. Fast unwirklich schön.


Seit den Keksen heute Mittag haben wir nichts mehr gegessen, da ist ein schönes Abendessen allemal verdient. 


An Restaurants herrscht in Zermatt kein Mangel, eher die Qual der Wahl. Uns ist’s nach Italienisch. Beim überall top bewerteten Da Nico erntet schon das Paar, das vor uns nach einem Tisch fragt, ein bedauerndes Kopfschütteln. Also weiter zu Grampi’s.


Das Restaurant liegt mitten in der Altstadt und scheint brechend voll zu sein. Aber wir haben Glück und bekommen noch einen Tisch. Der Laden ist sehr witzig mit an die Decke geschraubten Bildern dekoriert, der Service aufmerksam und fix, das Essen einfach nur fantastisch. Ich habe noch nie eine Pizza mit kohleschwarzem Teig gegessen. Die “La Carbonella” bekommt von mir eine 10 von 10. Nach gut einer Woche in der Schweiz kommt es mir auch schon fast nicht mehr übertrieben vor, dass diese Pizza 28 Franken kostet. Was gibt’s zum Nachtisch?


Unterkunft: Hotel Alpenroyal, Zermatt

Wanderung: 9 km / Höhenmeter: +/- 500


Nützliche Links:

Kandersteg - offizielle Tourismus-Website 

Zermatt - Zermatt Tourismus Website

SBB - Homepage der Schweizerischen Bundesbahn

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