2019 MHW 4
Pfossental


Fr, 28.6.19

DAS TRAUMHAFTE PFOSSENTAL

Montferthof (1.480m) - Eishof (2.071m) - Mitterkaser Alm (1.959m)


Keinen halben Tag und damit quasi nur einen Katzensprung entfernt ist unsere nächste Unterkunft, die Mitterkaser Alm. Da bietet es sich an, die Wanderung zumindest noch bis zum Eishof zu verlängern, ist das Pfossental doch in Sachen Schönheit der Landschaft wohl der Höhepunkt der ganzen Woche und sollte daher ausgiebig genossen werden.


Der Nachwuch ist schon früh aktiv

Unsere Mitbewohner im Montferthof entpuppten sich nachts als eifrige Schnarcher. Berichtet zumindest Dirk. Ich habe dank Ohropax davon nichts mitbekommen. 


Siggi ist auch schon wieder in aller Frühe auf den Beinen und fährt das Frühstück in der Stube auf. Ich frage ihn, ob wir da auch was von dem hier gebackenen Brot bekommen würden. Die Gelegenheit zu einem längeren Vortrag über Wesen und Funktion dieses Brotes lässt er sich natürlich nicht entgehen. Fazit: Nein, für uns Gäste ist das höchstens im Notfall bestimmt. Etwa dann, wenn der Bäcker aus dem Tal morgens mal keine frischen Brötchen heraufbringen sollte. Der hat heute aber pünktlich geliefert.


Der Weg ins Pfossental ist erst seit Kurzem wieder frei


Um neun Uhr sind wir wieder auf dem Höhenweg. Schön ist der Blick zurück auf Katharinaberg. Nach gut einem Kilometer biegen wir aus dem Schnals- ins Pfossental ab und folgen ab jetzt dem Bach. Wir haben Glück: Dieser Abschnitt vom Montferthof zum Nassreidhof ist erst vergangene Woche wieder freigegeben worden. Auch hier hatte im November der Sturm gewütet. Man kann das ganze Ausmaß der Zerstörung oben am Hang gut erkennen. Hunderte Bäume liegen wie bei einem riesigen Mikadospiel kreuz und quer. 


Gegen halb zwölf erreichen wir die Jägerrast Vorderkas. Bis hierhin kommt man auch mit dem Auto auf einer zwar engen, aber gut ausgebauten Straße. Entsprechend beliebt ist der Gasthof als Ausflugsziel. Wir ergattern eine Bank im Schatten und lassen uns einen Eiskaffee schmecken. 


Der Weg wird steiler


Ab Vorderkas führt ein holpriger Fahrweg weiter das Tal hinauf. Der ist die meiste Zeit des Tages für Autos gesperrt. Und unter den Fußgängern trennt der unmittelbar folgende steile Anstieg die Spreu vom Weizen. Mit Sandalen und Flip-Flops kommt man hier nicht weit, was einige aber doch erstmal selber testen müssen.


Nach einer halben Stunde flacht der Weg ab, weitet sich das Tal und macht Platz für sattgrüne und mit blühendem Löwenzahn gelb gesprenkelte Almwiesen, die von uralten Trockenmauern gehalten werden. Unser Ziel, die Mitterkaser Alm, ist bereits in Sicht. Am Talende schieben sich die schneebedeckten Hohe Wilde und Hohe Weiße ins Bild - was für ein Panorama!


Die Definition von urig


Um halb zwei erreichen wir den Hof, auf dessen Wohngebäude das Adjektiv urig zutrifft wie die Faust aufs Auge. Das Haus dürfte zumindest in Teilen ein halbes Jahrtausend alt sein, einige Balken vielleicht sogar schon 1308 an ihrem Platz gewesen sein , als die Alm das erste Mal urkundlich erwähnt wurde.


Die Wirtin führt uns auf einer ausgetretenen Stiege nach oben. Im ersten Stock gibt es ein paar gemütliche Doppelzimmer und ein kleines Bad, unter dem Dach befindet sich das Lager, in dem wir unterkommen. Löchrige Bretter bilden die Außenwand, in die winzige Fenster eingelassen sind. In so einem Haus zu schlafen, ist für sich schon ein Erlebnis.


Da wir die ersten Gäste sind, die heute ankommen, packen wir in aller Ruhe aus und hüpfen für einige Sekunden unter die eiskalte Dusche. Der Boiler ist noch nicht angesprungen. Die Wirtin reagiert etwas entsetzt, als sie davon erfährt. Sie hatte schlicht vergessen, den wieder anzustellen.


Nicht jedem bekommt die dünne Luft


Die nächsten Stunden verbringen wir lesend und trinkend im Schatten. Für Aufregung sorgt eine Frau kurz vor dem Kreislaufkollaps. Die Kreidebleiche wird im ersten Stock auf ein Stühlchen am Fenster gesetzt. Heute Nachmittag, wenn die Straße wieder frei ist, soll sie nach Vorderkaser gebracht werden.


Wir brechen am Nachmittag dann doch nochmal zu einem kleinen Spaziergang Richtung Eishof auf. Der Weg führt an der 1986 von einer Lawine zerstörten, aber längst wieder aufgebauten Rableid Alm vorbei, und durch ein hübsches Lärchenwäldchen mit blühenden Alpenrosen. Dahinter wird der Blick frei für die Berge am Talschluss und das Eisjöchl, über das der Meraner Höhenweg ins Passeiertal führt. 


Ein geschichtsträchtiger Ort


Nach zwei Kilometern erreichen wir den Eishof. Den gibt es auch schon seit dem tiefsten Mittelalter. Auf 2.076 Metern ist er der höchste Bauernhof des Schnalstals. Bis Ende des 19. Jahrhunderts war er sogar das ganze Jahr über bewohnt und damit die höchstgelegene Dauersiedlung in den Ostalpen. Seit 120 Jahren wird der Hof allerdings nur noch als Alm bewirtschaftet - und als Stützpunkt für Wanderer und Bergsteiger. Sechs Meraner Familien teilen sich den Besitz des geschichtsträchtigen Gebäudes, wobei das in seiner jetzigen Form erst seit 1981 besteht. Ein paar Jahre zuvor hatten Brandstifter das Haus angezündet.


Wasserfälle stürzen zu Tal
Ein bequemer Weg führt Richtung Eishof
Lärchenwald
Panorama im Pfossental
Panorama im Pfossental
Was für eine Aussicht!
Der Pfossenbach mäandert durch blühnde Wiesen.
Wenn die Wiese nur gelb blüht, ist sie überdüngt.
Wir nähern uns dem Eishof...
Eishof
Das Hauptgebäude wurde 1981 wieder aufgebaut.
Spätes Mittagessen
Eishof
Eine Wolke hat sich an die Hohe Weiße gepinnt.

Ich hatte Anfang des Jahres hier wegen einer Übernachtung angefragt. Damals wechselten aber gerade die Pächter und eine Reservierung war nicht möglich, weshalb ich dann das Lager auf der Mitterkaser Alm gebucht hatte. Das Team, das nun den Eishof führt, scheint ein sehr junges und überaus gut gelauntes zu sein. Nun am Nachmittag ist der ärgste Trubel auch schon vorbei, eine entspannte Atmosphäre hat sich auf dem Hof breitgemacht. Das uns vom Montferthof bekannte Ehepaar aus Holland lässt sich in zwei Liegestühlen von der Sonne braten. Wir gehen auf einen kurzen Plausch vorbei.


Essen wir halt zwei Mal...


Obwohl wir wissen, dass es in unserer Unterkunft bald Abendessen gibt, haben wir nun so einen Hunger, dass wir uns zwei große Portionen Bratkartoffeln mit Eiern und Speck servieren lassen. Diese Aussicht NICHT mit einem leckeren Essen zu krönen, kommt nicht in Frage. Ziemlich satt spazieren wir schließlich wieder talabwärts.


Auf der Terrasse der Mitterkaser Alm haben derweil die Berliner Platz genommen. Wir besprechen gemeinsam die Planung des morgigen Tages, denn was ich schon vorab von der Touristeninformation des Schnalstals erfahren hatte, haben uns die Einheimischen im Pfossental bestätigt: Auf dem Eisjöchl liegt der Schnee noch meterhoch, der Weg ins Passeiertal ist abgeschnitten. 


Für morgen brauchen wir einen Plan B


Ich hatte ja beim Planen der Wandertour absichtlich die Alpensüdseite ins Auge gefasst in dem Wissen darum, dass die von den heftigen Schneefällen, die weite Teile der bayerischen und österreichischen Alpen Anfang des Jahres unter sich begraben hatten, verschont geblieben war. Dass es hier im April, und damit ungewöhnlich spät, nochmal aufs Heftigste geschneit hatte, hatte ich nicht mitbekommen - bis ich kürzlich im Internet von der anhaltenden Sperrung des Eisjöchls las. 


Immerhin hatte ich mich letzte Woche schonmal schlau gemacht und herausbekommen, dass von Karthaus stündlich ein Bus Richtung Naturns beziehungsweise Meran fahren und man von dort weiter ins Passeiertal kommen würde. Allerdings wären wir da auch an die dreieinhalb Stunden unterwegs, die drei Stunden Wanderung zurück ins Schnalstal noch nicht mitgezählt. Der neue Plan klingt da wesentlich bequemer: Wir teilen uns ein Ruftaxi, das wir nach Vorderkas bestellen. Der Vormittag stünde zur freien Verfügung, noch so weit es geht Richtung Jöchl aufzusteigen. Da sind wir gerne dabei!


Ich lasse mir eine Fritatensuppe zum Abendessen schmecken, dazu zwei Viertelliter süffigen Weißburgunders. Noch ehe es richtig dunkel ist, liegen wir in den Schlafsäcken.


Unterkunft: Mitterkaser Alm - Lager 25 EUR pP

Wegstrecke: 12,3 km

Höhenmeter: +708 / -238


Nützliche Links

Meraner Höhenweg - Etappenplanung, Unterkünfte, Wissenswertes

Bergwelten - schöner Artikel zur Einstimmung

Meraner Land - interaktive Karte mit aktuellen Infos zu Sperrungen

Südtirol Mobil - Fahrplansuche für Bus und Bahn