2019 MHW 2
Texelgruppe


Mi, 26.6.19

AUF UND AB UND AUF UND AB

Hochmuth (1.377m) - Giggelberg (1.568m)


Von einer Seilbahnstation zur anderen führt uns der Weg am ersten Tag. Wir kennen ihn schon von unserer Alpenüberquerung vor vier Jahren, gehen ihn nun aber in die andere Richtung.


Frühstück in der Pension St. Urban

Ein sonniger Morgen auf der Terrasse der Pension St. Urban in Meran. Spatzen hüpfen über den Rasen, hoch am blauen Himmel drehen die Schwalben ihre Runden. Im kühlen Schatten sitzend genießen wir ein vorzügliches Frühstück und fragen uns, ob wir den Komfort der gemütlichen Pension mit dem Swimmingpool im Garten wirklich aufgeben wollen zugunsten der Strapazen einer Wanderung mit an die 5.000 Höhenmetern. Vor allem, wo der Wetterbericht für die nächsten Tage Temperaturen bis 40 Grad ankündigt.


Bus und Seilbahn helfen bei den ersten Höhenmetern


Im Tal zu bleiben, ist freilich keine Option. Mit dem Linienbus geht es in das

oberhalb von Meran gelegene Dorf Tirol. Nachdem sich Dirk in einem Lederwarengeschäft noch schnell einen Gürtel gekauft hat, laufen wir von der Ortsmitte zur Hochmuth-Seilbahn. Es sind gerade zwanzig Minuten zu gehen, aber die reichen schon, um nassgeschwitzt anzukommen.


Wir erstehen Tickets für die Berg-und-Talfahrt - runter werden wir erst in sechs Tagen kommen - und quetschen uns mit aufgeregten und nicht schwindelfreien Tagestouristen sowie einer Handvoll Wanderern mit großen Rucksäcken in die Kabine. In fünf Minuten Schweben überwinden wir 750 Höhenmeter und beginnen um Punkt 10 Uhr unsere Tour direkt auf 1.400 Metern beim Gasthof Hochmuth.

Erste Pause am Hochganghaus


Auf stetig ansteigendem Pfad, man sammelt hier auf den ersten fünf Kilometern schon fast 500 Höhenmeter, erreichen wir nach gut zwei Stunden das Schutzhaus Hochgang. Hier haben wir damals mit dem Alpenverein eine Nacht verbracht. Nun bleiben wir nur auf ein paar Kaltgetränke. Das kleine alkoholfreie Weihenstephan reicht nicht, um den Durst zu stillen, ich kippe noch eine große Schorle hinterher. Ich weiß jetzt schon, dass das die nächsten Tage in Sachen Flüssigkeitsbedarf immer so weitergehen wird, was aber auf dem Meraner Höhenweg kein Grund zur Sorge ist, hat es doch alle paar Kilometer einen Gasthof oder eine Hütte. 


Nach dem Hochganghaus zeigt der Weg schon sein alpines Wesen, Almen und Wald wechseln sich mit größeren Steinplatten ab. Gegen halb drei kommen wir an der Nasereith-Hütte an. Zwischendurch sind wir von 1.874 Metern wieder runter auf 1.522 gegangen. Man sollte nicht denken, dass der Höhenweg hier Höhenweg heißt, weil er auf einer Höhe bliebe…


Der Zielbach sorgt für Kühle


Wir nehmen im Schatten der Hütte Platz. Der nur wenige Meter entfernt mit einigem Getöße vorbeirauschende Zielbach sorgt für eine angenehme Kühle. Ich genehmige mir einen Berg Kartoffeln mit Speck und Spiegelei. Hatte ich hier letztes Mal auch schon. Köstlich! Ein kleines Kätzchen kommt an unseren Tisch und auch ein Schwein trottet vorbei, wälzt sich in einer Pfütze neben dem Bach und setzt dann seinen Erkundungsgang fort. Wenn es nur allen Tieren so gut ginge, wie denen hier in Südtirol…


Nach einer Stunde Rast steigen wir hinter der Nasereith-Hütte ein Stückchen des Weges entlang der Wasserfälle auf. Irre, was da für Massen an Schmelzwasser heruntergestürzt kommen.


Den Umweg zum Partschinser Wasserfall lassen wir aus


Seinen ganz großen Auftritt hat der Zielbach ein bisschen weiter unten als Partschinser Wasserfall. Der wird gerne als der höchste Südtirols bezeichnet, was er mit seiner Fallhöhe von 97 Metern allerdings nicht ist. Aber einer der gewaltigsten schon. Unterwegs haben wir ihn bereits bewundern dürfen. Das Wasser schießt hier wie aus Turbinen von der steilen Felswand zu Tal.


Da der Abstecher zur Aussichtsplattform einen Umweg von fast drei Kilometern und einiges an Höhenmetern bedeuten würde, sparen wir uns den. Unser Ziel ist das gleich neben der Bergstation der Texelbahn gelegene Gasthaus Giggelberg, wo ich für uns ein Doppelzimmer reserviert habe.


Der Empfang fällt eher frostig aus. Ohne Begrüßung fordert uns eine junge Frau auf, ein Anmeldeformular auszufüllen und auch gleich das Abendessen aus der Speisekarte zu wählen. Vielleicht hätten wir uns erstmal hinsetzen und was trinken wollen?

Partschinser Wasserfall
Bergwald
Der rauschende Zielbach
Der rauschende Zielbach
Der rauschende Zielbach
Erfrischung im Glas

Die Stimmung ist angespannt


Wir beziehen das immerhin blitzsaubere Zimmer samt eigenem Bad, genießen eine erfrischende Dusche und anschließend die herrliche Aussicht vom Balkon. Das Zimmer nebenan haben zwei Schweizerinnen, mit denen wir direkt ins Gespräch kommen.


Die beiden sind dann schon fast fertig, als wir uns erst zum Essen auf die Terrasse bequemen. Sie wirken mäßig begeistert. Viel falsch machen kann man nicht mit einer Speckknödelsuppe und Kaiserschmarrn, meiner Bestellung. Uns fällt aber auf, wie unfreundlich die Betreiber des Gasthofs und das Personal miteinander umgehen. Ständig ist irgendjemand am Schimpfen. Befremdlich. Immerhin die Katzen und Hunde des Hauses verstehen sich bestens.


So wird es denn kein langer Abend mehr. Schon gegen acht fällt auch Meran unten im Tal in den Schatten der hereinbrechenden Nacht, kehrt hier oben am Giggelberg Ruhe ein. Nur der Wellensittich in der Wohnung der Hüttenwirte über uns tschilpt noch eine Weile vor sich hin.


Unterkunft: Gasthaus Giggelberg, Partschins - DZ 36 EUR pP

Wegstrecke: 13,4 km

Höhenmeter: +721 / -524


Nützliche Links

Meraner Höhenweg - Etappenplanung, Unterkünfte, Wissenswertes

Bergwelten - schöner Artikel zur Einstimmung

Meraner Land - interaktive Karte mit aktuellen Infos zu Sperrungen

Südtirol Mobil - Fahrplansuche für Bus und Bahn