2012 Heartland US Day 9
Cornell University

Sa, Sep 8, 2012

HOW MUCH WOOD WOULD A WOODCHUCK CHUCK?

Wir kehren aus Kanada zurück in die USA. Unser Tagesziel ist Ithaca in der Finger Lakes Region. Leider zeigt sich der Wettergott unkooperativ.

Der Tag beginnt mit Regen, der gegen das Fenster prasselt. Klingt nicht gut. Von den Niagarafällen ist kaum noch etwas auszumachen. Vielleicht hätten wir doch die Kittel von der Bootstour gestern aufheben sollen. Da das Wetter weiter südlich nicht besser sein wird, streichen wir das geplante Outdoor-Programm und suchen uns stattdessen noch eine Option zum Shopping auf dem Weg. Die finde ich mit den Waterloo Premium Outlets direkt an der I-90 in der Nähe von Rochester. Diese Outlet Malls sind wirklich überall.


Nach dem Auschecken aus dem Hotel stellen wir uns direkt in den Stau am Grenzübergang. Innerhalb einer Viertelstunde sind wir wieder in die USA eingereist. Der streng dreinblickende junge Officer will nur wissen, wohin wir fahren und wann wir wieder abfliegen. Beide Fragen können wir offenbar zu seiner Zufriedenheit beantworten.



Nach dem touristischen aber top gepflegten Niagara Falls in Ontario kommt uns die New Yorker Ausgabe der gleichnamigen Stadt sehr trostlos vor. Sich die Wasserfälle nun nochmal von der amerikanischen Seite aus anzuschauen, macht bei Regen wenig Sinn. Nichts wie weg also! In einem hübschen Vorort von Buffalo kehren wir bei Denny's ein. Den direkten Vergleich mit IHOP gewinnt Denny's - Eier, French Toast und Hash Brown sind geschmacklich deutlich vorn, dafür punktet IHOP bei den Pancakes. Kaffee kann man aber in beiden nicht trinken.

 

Die weitere Fahrt bis Waterloo ist ziemlich öde und zieht sich genauso ätzend wie die Anreise nach Niagara Falls vor zwei Tagen. Eigentlich sollte man bei der Reiseplanung schauen, diese Strecke nur einmal fahren zu müssen. New York ist halt doch ein recht großer Bundesstaat. Die Mall ist dann sehr voll. Trotzdem verläuft die Jagd im Revier von Levi's, Nike, Adidas und Hilfiger erfolgreich. Damit haben wir alles gekauft, was auf dem Zettel stand. Immerhin dazu ist so ein Regentag doch gut.


An den Finger Lakes bessert sich das Wetter


Sehr angenehm: Ab jetzt müssen wir keine Autobahn mehr fahren. Stattdessen biegen wir auf den Cayuga Lake Scenic Drive ab. Kurz darauf läuft ein Murmeltier die Straße entlang. Verrückt. Wir dachten immer, die gäbe es nur in den Bergen! Aber Amerika, du hast es besser, du hast Waldmurmeltiere, die im Flachland leben. "Groundhogs" heißen die hier - oder "Whistle Pigs" oder "Woodchucks". Da fällt mir ein beliebter amerikanischer Zungenbrecher ein: "How much wood would a woodchuck chuck if a woodchuck could chuck wood? A woodchuck would chuck all of the wood if a woodchuck could chuck wood!" Das ganze jetzt bitte zehn Mal hintereinander.


Wir sehen eine ganze Menge Woodchucks, einige davon machen sogar Männchen im Straßengraben, als wir vorbeifahren. Kein Witz! Leider haben wir vor lauter Begeisterung vergessen, mal für ein Foto anzuhalten. Auch junge Fischadler entdecken wir auf einem der zahlreichen Horste entlang der Straße. Dazu immer wieder herrliche Ausblicke auf den Cayuga Lake - wirklich eine traumhafte Gegend. Schade eigentlich, dass wir hier nur eine Nacht eingeplant haben.


Mehr Eichhörnchen als Menschen


Gegen 17 Uhr erreichen wir das gebuchte Bed & Breakfast im kleinen Ort Dryden. Das Turret House liegt in einer idyllischen baumbestanden Straße, in der es mehr Eichhörnchen als Menschen gibt. An der verschlossenen Eingangstür hängt eine Nachricht für uns, allerdings sehen wir erst nach ein paar vergeblichen Versuchen, die Betreiberin anzurufen, dass sie auf der Rückseite des Zettels das Versteck des Hausschlüssels verraten hat - er liegt unter dem Polster des Terrassenstuhls. Wo auch sonst?



Unser "Dusty Rose Retreat" ist genauso eingerichtet, wie es der Name vermuten lässt. Ist aber nicht zu kitschig. Das Bad müssen wir uns mit den Bewohnern des Nachbarzimmers teilen. Da wir jetzt allein im Haus sind, nutzen wir die Gelegenheit zur ausgiebigen Körperpflege, sprich: einer Dusche. Mittlerweile ist Nancy, die Gastgeberin, eingetroffen, die uns gleich in einen längeren Smalltalk verwickelt. Ich habe die Vermutung, dass sie vor allem deshalb ein B&B betreibt, um nicht nur mit den Nachbarn tratschen zu müssen.


Ithaca ist eine Studentenstadt


Wir wollen uns Ithaca noch etwas anschauen. Das Städtchen mit 30.000 Einwohnern ist Heimat einer der renommiertesten Unis der Welt, der Cornell University. Sage und schreibe 40 Nobelpreisträger hat diese Ivy League-Schule hervorgebracht, deren Campus sich auf einem Hügel oberhalb der Stadt befindet. Da Ithaca mit dem Cornell und dem Ithaca College gleich noch zwei Hochschulen hat, wimmelt es hier nur so von Studenten. Auch in den Kneipen und Restaurants in Downtown.



Ich habe das Ithaca Ale House im Tourist Guide entdeckt. Was so nach Bier klingt, kann nicht verkehrt sein. Der Laden ist brechend voll, sehr laut, das Essen allerdings hervorragend! Bestens zum Bier passen die warmen Laugenstangen mit Käse-Dip, die eigentlich schon allein ziemlich satt machen. Conny bekommt dann einen sehr guten Burger serviert, ich mit Krabbenfleisch gefüllten Haddock, also Schellfisch, auf Reis mit einer leckeren Zitronensauce. Ich muss sagen: Das ist das bisher beste Essen auf dieser Reise. Chapeau!


Gefahren: 209 Meilen / 336 Kilometer

Hotel: The Turret House Bed & Breakfast - 150 USD