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Stonington, CT

Di, Oct 14, 2014

ON THE BEACH

Der letzte Umzug dieses Urlaub steht an. Die nächsten beiden Nächte werden wir auf einer Sandbank vor Rhode Island verbringen.

Auf der Suche nach einem einfach zu erreichenden Quartier am Meer stieß ich gestern Abend auf Westerly im äußersten Südwesten des kleinsten Bundesstaats der USA. Dort, am Misquamicut Beach, habe ich uns ein Zimmer im Pleasant View Inn gebucht. Mal schauen, ob das Hotel seinem Namen gerecht wird.

 

Ursprünglich hatte ich ja mal die Hamptons als letzte Station der Reise ins Auge gefasst, die bevorzugte Urlaubsregion der Reichen und Superreichen auf Long Island. Da die nächsten Tage aber reichlich Niederschlag angekündigt ist, würde es sich wahrscheinlich nicht so wirklich lohnen, da eigens für lange Strandspaziergänge hinzugondeln. Bleiben wir also auf dem Festland.

 

Am Frühstück im Residence Inn gibt es mal so gar nichts zu meckern. Die Auswahl ist geradezu riesig im Vergleich zu den bisher inkludierten Büffets. Nochmal zwecks Kofferkaufs in die Wrentham Outlets zu fahren können wir uns sparen, nachdem das probehalbe Packen ergeben hat, dass wir unseren ganzen Kram doch prima verteilt bekommen. Da erlauben wir uns sogar noch einen Besuch der Providence Place Mall im Zentrum von Rhode Islands Hauptstadt, werden in den 150 Läden aber nicht fündig. Schätze, wir haben schon alles.

 

Wo der Zweite Weltkrieg weiterging

 

Weiter nach Süden. Mit dem Point Judith Lighthouse hat es an der Einfahrt zur Narragansett Bay und zum Long Island Sound einen hübschen Leuchtturm - und einen geschichtsträchtigen dazu. Schon seit dem frühen 19. Jahrhundert weist hier ein Leuchtfeuer den Schiffen den Weg, der aktuelle Turm steht immerhin seit 1857 an dieser Stelle.

 

Nur drei Meilen entfernt versenkte ein deutsches U-Boot am 5. Mai 1945 den Frachter Black Point - zwei Tage nachdem Admiral Dönitz für die Marine den Waffenstillstand ausgerufen hatte. Auf Tauchgang hatte die Besatzung von U-853 das Kriegsende nicht mitbekommen. Nur zweieinhalb Stunden nach dem Angriff ortete die US-Marine das deutsche Boot und deckte U-853 mit Wasserbomben ein. Die Battle of Point Judith ging als letzte Kampfhandlung in die Geschichte des Atlantikkrieges ein, U-853 liegt bis heute vor Point Judith auf dem Meeresgrund.

 

Beach Hopping

 

Am nahezu verwaisten Scarborough State Beach unternehmen wir einen kleinen Strandspaziergang. Die riesigen Parkflächen an der Promenade lassen erahnen, was hier im Sommer los sein muss. Leider macht sich die Sonne gerade ziemlich rar, der böige Wind lässt uns frösteln. Das Wetter bessert sich auf dem Weg nach Westen und als wir am Hotel ankommen, fühlt es sich fast wie Sommer an.

 

Das Pleasant View Inn steht tatsächlich direkt am Strand. Vor zwei Jahren hat hier Wirbelsturm Sandy gewütet, man sieht noch einige Spuren entlang der Küste, die aus einem schmalen Dünenstreifen zwischen Meer und Lagune besteht. Das Hotel war jahrzehntelang ein klassischer Familienbetrieb, den Neubeginn nach Sandy wollten die Besitzer aber nicht mehr stemmen und verkauften das Inn. Die neuen Eigentümer renovieren das Haus nun nach und nach, die Zimmer haben bereits einen schönen maritimen Look verpasst bekommen. Wir sind im dritten Stock untergebracht mit einem kleinen Balkon, von dem aus man Meer, Meer, und Meer sieht. Toll!

 

Wir werfen uns ins Beach-Outfit und gehen runter ans Wasser. Hui, das ist doch ganz schön kalt! Der Wunsch, sich sofort in die Wellen zu schmeißen, verpufft schon als das Wasser nur Kniehöhe erreicht. Aber um Sonne zu tanken, die salzige Luft zu schmecken und ein bisschen die Füße ins Meer zu tauchen, ist das hier genau richtig. Nur wenige Menschen sind am Strand unterwegs, die Saison ist längst gelaufen. Nächste Woche schließt das Hotel sogar über den Winter.

 

Dinner in Neuland

 

Zum Abendessen fahren wir ins benachbarte Stonington. Das ist schon in Connecticut, das damit erstmals auf der Liste der von uns besuchten Staaten auftaucht. Stonington war mal ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt. In einem anderen Jahrhundert kamen dort die Dampfschiffe aus New York an und die Passagiere hatten Anschluss an die erste Eisenbahnlinie Richtung Providence und Boston. Von der Geschäftigkeit von damals ist allerdings nichts mehr zu spüren. Stonington ist ein idyllischer Flecken, dessen alte Holzhäuser heute gefragte Immobilien bei Erholung suchenden Großstädtern sind. Wir erwischen noch den Sonnenuntergang am Jachthafen, dann kehren wir in Noah's Restaurant ein für das beste Essen dieser Reise.

 

Bei Noah's wird wirklich ganz großartig gekocht. Gelernt hat das der Küchenchef unter anderem Ende der Siebziger im Offiziersklub der Rhein-Main Airbase in Frankfurt. Es gibt deutsches Bier im Steinkrug und von frischen Zutaten und deutschen Rezepten inspirierte Gerichte. Conny's Tagliatelle mit Kürbis und Schwarzwälder Schinken sind köstlich, ebenso meine Muscheln in Weißwein. Klar, dass man hier auch frisches Seafood bekommt. Und leckeren Nachtisch. Jede Menge Promifotos hängen an den Wänden. Noah's ist eine Institution im Südosten Connecticuts und auf jeden Fall einen Umweg wert.

Unterkunft: Pleasant View Inn, Westerly

Gefahrene Meilen: 119

 

Nützliche Links

Visit Rhode Island - offizielle Tourismus-Website des kleinsten Bundesstaates

VisitTheUSA - Adventures and culture on the ocean and countryside

Vacation Idea - 25 Best Places to Visit in Rhode Island

Go Providence - Rhode Islands Hauptstadt hat einiges zu bieten

Visit Westerly - "one of the best kept secrets in New England" (pssst...)

Visit CT - Official Connecticut Office of Tourism Homepage

Connecticut Explored - die Geschichte der Battle of Stonington