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Lonesome Lake

Do, Oct 9, 2014

GOING DOWN, DOWN, DOWN, DOWN, DOWN...

Die White Mountains sind ein Paradies für Wanderer. Aber nur am Cannon Mountain erleichtert eine Seilbahn den Gipfelsturm. Der Weg nach unten hat es allerdings in sich.

Eine der klassischen Touren in der Gegend ist die Franconia Ridge Traverse, auf der sich gleich mehrere Viertausender erklimmen lassen. "4000-footers" natürlich, nicht Meter. Das Problem: Um auf den Grat zu kommen, der von Gipfel zu Gipfel führt, sind allein schon 1.000 Höhenmeter zu überwinden. Dazu gilt die Route als nicht ganz ungefährlich im Falle eines Wetterumschwungs. Angesichts der unbeständigen letzten Tage trauen wir dem blauen Himmel heute Morgen nur bedingt.

 

Plan B: Wir lassen uns von einer Seilbahn auf einen Berg bringen und laufen runter. Gesagt, getan. Der Cannon Mountain bietet als einziger der Region den Luxus einer Seilbahn - und das seit 1938. Damals war das sogar die allererste Tramway überhaupt in Nordamerika. Die moderne Kabinenbahn unserer Tage ist von 1980. Dreizehn Dollar kostet das One-Way-Ticket für die zehnminütige Fahrt auf den 1.240 Meter hohen Berg.

 

Hauptsaison ist hier im Winter, wenn die Seilbahn mehrere Skilifte und Abfahrten verbindet. Vier Meter (!) Schnee kommen am Cannon Mountain runter. Und weit entfernt kann der Winter nicht mehr sein: Das Thermometer an der Bergstation zeigt 35 Grad Fahrenheit, also knapp über dem Gefrierpunkt, und es weht ein eisiger Wind. Da sind wir sehr froh, doch nicht auf der anderen Talseite über die Franconia Ridge wandern zu müssen. Stattdessen nehmen wir nach einem schnellen Besuch des Aussichtsturms und Bewunderung des wirklich spektakulären Panoramas den Abstieg zum Lonesome Lake in Angriff. Den See kennen wir sogar schon, haben wir ihn doch auf der letzten Reise vom Tal aus erwandert.

 

Kletterpartie zum Lonesome Lake

 

Stichwort "Wanderung": Der Trail hier ist keine. Eher Bergsteigen. Man sieht es diesen Mittelgebirgserhebungen aus der Ferne nicht an, aber die sind richtig steil. Und statt die Wege in gemächlich ansteigenden Serpentinen anzulegen, haben die Trailbuilder anscheinend immer den kürzesten Weg nach oben im Blick gehabt. So artet das Ganze in ganz schön krasse Kletterei aus.

 

Wir überholen ein Paar, das auch völlig baff ist und uns fragt, ob wir solche Touren mögen würden. Ja, schon, nur wüssten wir gerne vorher, auf was wir uns da einlassen. Wir haben weder Stöcke noch Handschuhe dabei. Und gerade wo weiter unten das Schlimmste überstanden scheint, verwandelt sich der Weg in einen Bach. Schließlich erreichen wir den flachen Uferpfad am Lonesome Lake. Der führt teilweise auf Bohlen durch Sumpf und über allerlei Zuflüsse und ist sehr bequem zu laufen.

 

An einem Steg legen wir eine Rast ein. Es ist aber eindeutig zu kalt, um länger zu verweilen. Dummerweise ignorieren wir die oberhalb des Sees gelegene Berghütte. Auf dem Abstieg erfahren wir, dass man dort durchaus auf einen Kaffee oder Tee einkehren könnte.

 

Der Rest des Weges bergab ist nun aber ein Kinderspiel. Vom Lafayette Campground müssen wir nur dem Oberlauf des Pemigewasset River zurück zum Parkplatz am Fuße des Cannon Mountain folgen. Der Weg zieht sich dann aber doch ganz schön und führt auch für unseren Geschmack zu oft zu nah am Highway entlang. Einigermaßen erledigt erreichen wir die Talstation der Seilbahn, wo ich an der Imbisstheke den letzten Hot Dog für Conny ergattern kann. Sie ist seelig.

 

Wo ist der Old Man?

 

Eine der großen Touristenattraktionen am Cannon Mountain war bis zum 3. Mai 2003 der Old Man Of The Mountain, eine Grantiformation an der Bergflanke, die aussah wie das Konterfei eines alten Mannes. Generationen von Reisende kannten das Gesicht von der Fahrt durch die White Mountains, sogar auf den Nummernschildern von New Hampshire war die Silhouette abgebildet. Dann polterten über Nacht die fünf Felsen zu Tal. Hin war sie die Touristenattraktion. Findig wie die Amerikaner ja manchmal sind, wurde am Ufer des Profile Lake, in dem sich der Old Man einst spiegelte, die Old Man Of The Mountain Profile Plaza angelegt. Durch geschickte Positionierung hinter einer der dort platzierten Metallstelen kann man nun in einem bestimmten Winkel das Gesicht des Old Man wieder sehen. Lass ich mir nicht entgehen. Conny bleibt allein im Auto, sie ist genug gelaufen.

 

Wir fahren weiter durch die Franconia Notch nach Lincoln. Kurzer Stopp an einem Postamt, dann kurven wir über den Kancamagus Highway. Entlang der Panoramastraße sind die Bäume in den höheren Lagen schon ziemlich laubfrei, umso schöner die Farben an der Albany Road, die wir als Abkürzung Richtung Glen nehmen.

 

Dinner im Red Parka

 

Heute haben wir uns ein ordentliches Stück Fleisch verdient. Das gibt es im Red Parka Steakhouse, auf welches man gar nicht genug Lobeshymnen singen kann. Was hatte ich mich auf dieses Restaurant gefreut! Seit über 40 Jahren gibt es das schon. Viel haben die Betreiber also nicht falsch gemacht. Nur mit ihrem Mud Pie zum Nachtisch übertreiben sie es etwas. Schon als die riesige Portion an den Tisch kommt, frage ich die Bedienung wer genau die essen soll. Sie meint was von "good to share". Für eine vierköpfige Familie vielleicht. Wir schaffen den Kuchen beim besten Willen nicht. Falls wir heute beim Wandern mit der Kalorienbilanz irgendwie ins Minus gerutscht sind - jetzt ist alles wieder im Lot.

Unterkunft: Covered Bridge House B&B, Glen

Gefahrene Meilen: 90

 

Nützliche Links

Welcome to New Hampshire - offizielle Tourismus-Website von New Hampshire

VisitTheUSA - über die "ultimate outdoor-lover’s destination"

New England Today - best scenic hikes in the Whites

Mount Washington Valley - die perfekte Rundfahrt um Mount Washington