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Wassertaxi am East River

So, Sep 28, 2014

NOW YOU'RE IN NEW YORK

Flug LH 400 nach JFK war der absolute Nervenkitzel. Allerdings bevor wir losfliegen oder auch nur einchecken konnten...

Einige Wochen vor der Reise sah ich zufällig, dass ich bei der Buchung meinen Vor- und Nachnamen vertauscht hatte. Ein erster Anruf im Callcenter von Lufthansa brachte die wenig erbauliche Auskunft, dass ich das Ticket stornieren und ein neues kaufen müsste. 600 EUR waren auf bestem Wege aus dem Fenster.

 

Aber wozu hat man alte Kollegen am Flughafen? Es war kompliziert, aber eine Woche vor Abflug verfügten wir dann doch über zwei gültige Tickets nach New York. Warum in Zeiten, in denen im Prinzip alles mit zwei Klicks zu erledigen sein müsste, das Korrigieren eines so einfachen Fehlers so ein Problem für die Fluggesellschaft sein soll, erschließt sich mir allerdings bis heute nicht.

 

Dass die Streiks der Lufthansa-Piloten auch uns betreffen könnten, schreckte uns nicht. Schließlich fliegen wir traditionell an allen Ausständen vorbei. So auch diesmal. Der A380 hebt pünktlich um 10 Uhr am Sonntagmorgen mit Conny und mir Richtung Westen ab. Fun Fact: Auch unsere erste gemeinsame Reise nach Amerika begann mit Flug LH 400. 20 Jahre ist das schon her. Und noch ein paar Jahre früher war diese Strecke mein allererster Flug überhaupt gewesen - mit einer 747 der kurze Zeit später verblichenen Pan Am.

 

Zum vierten Mal FRA-JFK

 

Das Schönste am Fliegen: Man hat Zeit. Zum Beispiel, um ein paar Alben zu hören. Im Angebot der Lufthansa fanden sich etwa The Thievery Corporation, Nightmares On Wax, Worthy und der neueste Ibiza-Mix von Sven Väth. Entspannter Sound nach meinem Geschmack, zu dem man auch prima die Sonntagszeitung lesen kann. Wobei die Frankfurter Allgemeine inhaltlich bestens zu einem Acht-Stunden-Flug passt, vom Format her aber nicht gut in einen Economy-Sitz.

 

Essen und Trinken sind akzeptabel. Die mit süßem Senf gefüllten Weißwurst-Bällchen, die es kurz vor Ankunft noch als Snack gibt, würde ich sogar in die Kategorie des besonders originellen Flugzeugessens einordnen. Ein Prosit den Skychefs!

 

Nach der Landung auf dem John F. Kennedy International Airport rollen wir noch eine Weile bis zum Gate, durch die Immigration schlüpfen wir dafür fast in Rekordzeit. Die Schlangen für US Citizens sind länger als für uns Besucher. Dabei hatte ich mir vorher schon ausgemalt, einen der neuen Einreiseautomaten auszuprobieren. Binnen weniger Minuten sind wir durch die Passkontrolle durch, viel schneller als es unsere Koffer aufs Gepäckkarussell hätten schaffen können. Schließlich kommen die beiden auch angefahren und wir schieben uns am Zoll vorbei in die Empfangshalle. Ab zur Bahn.

 

Mit den Öffis in die Stadt

 

In New York sind wir bisher immer mit dem Taxi in die Stadt gefahren. Da es deutlich günstiger ist, wollen wir diesmal dem ÖPNV eine Chance geben. Mit dem Airtrain umrunden wir vom Terminal 1 aus einmal den kompletten Flughafen bis wir endlich die Station Howard Beach erreichen, wo wir in die U-Bahn umsteigen können. Am Automaten ziehen wir uns zwei Metrocards von denen sofort 5 Dollar für den Airtrain abgezogen werden. Dann geht es durch ein weiteres Drehkreuz (wieder 2,50 Dollar) zur Subway.

 

Nach 15 Minuten des Wartens rollt ein Zug der Linie A ein, mit dem wir zunächst sehr langsam durch Queens zuckeln. Erstmal unter Tage, wird diese Linie aber zum Express Train, so dass wir nach einer guten halben Stunde und einmal Umsteigen die unserem Hotel nächstgelegene Haltestelle erreichen, 4 Av in Brooklyn. Hier ist aus der U- eine Hochbahn geworden und wir müssen unser Gepäck mehrere Treppen nach unten bis auf Straßenniveau tragen. Dann die Koffer noch drei Blocks über nicht sonderlich rollentaugliche Bürgersteige gezogen und das La Quinta Inn & Suites ist erreicht. Kurz vor 16 Uhr sind wir auf dem Zimmer. Bis auf die Schlepperei ist die Anreise per Bahn jetzt ganz easy gewesen.

 

Kunst unter den Brücken

 

Wir machen uns frisch und dann gleich wieder auf die Socken. In der Nähe der Brooklyn Bridge steigt das DUMBO Arts Festival, von dem wir noch etwas mitbekommen wollen. Tatsächlich ist in dem Viertel einiges los. Zwar ist das Straßenfest schon am Ausklingen, aber ein paar Installationen können wir uns anschauen. Nun ja, sehr modern die Kunst.

 

Das Festival hat in Kombination mit strahlendem Sonnenschein und den hier sonst auch üblichen Touristenmassen für einen enormen Menschenauflauf in den Parks am Ufer des East River gesorgt - und für lange Schlangen vor den Restaurants der Gegend. Ich will aber unbedingt bei Juliana's eine Pizza essen, also stellen wir uns vor dem kleinen Lokal in der Fulton Street an. Juliana's Besitzer Patsy höchstpersönlich koordiniert die Wartenden. Und Patsy ist ein echtes Brooklyner Original!

 

Die Geschichte einer Pizzeria

 

Zusammen mit seiner Frau Carol führte der Patrone einst Grimaldi's Pizzeria, bekannt aus jedem New York Reiseführer. Was die meisten Führer nicht erwähnen (oder deren Schreiberlinge nicht wissen): Grimaldi's wurde schon vor Jahren verkauft und hat mit den einstigen Eigentümern nichts mehr zu tun. Die beiden konnten dann aber doch nicht ohne Teig und Käse und eröffneten 2011 wieder eine Pizzeria just in dem Gebäude, das schon in den Neunzigerjahren Grimaldi's beherbergt hatte - nicht gerade zur Freude der aktuellen Namensbesitzer, deren Lokal direkt nebenan ist.

 

Der Namenspatron für Juliana's ist übrigens die Mutter von Pat, die Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts zusammen mit drei Brüdern aus Italien nach New York ausgewandert war. Eigentlicher Stammsitz der Pizzabäcker-Dynastie ist Patsy's Pizzeria, benannt nach einem Onkel. Die steht seit 1933 in East Harlem.

 

Dieses Wissen kann ich mir locker anlesen, während wir auf Einlass warten. Nach etwa 30 Minuten haben wir es dann geschafft und bekommen einen winzigen Tisch in dem engen Laden. Für ein romantisches Date eignet sich Juliana's schonmal nicht - aber die Pizza... Die beste, die ich je gegessen habe. Ein Brooklyn Lager dazu - absolut köstlich! Danke, Patsy, das war der kulinarisch perfekte Einstieg in unseren Urlaub.

 

Gut gesättigt gehen wir nochmal unten an den Fluss den Blick auf die Skyline von Downtown Manhattan genießen. Praktischerweise hat das Geländer Pfosten, die genau in der richtigen Höhe sind, um die Kamera zur Langzeitbelichtung darauf abzulegen. Ich muss mich also nicht ärgern, dass ich kein Stativ mitgenommen habe. Dass mir ein Boot fast jede Aufnahme verdirbt, indem es blaue Streifen ins Bild macht, stelle ich erst später fest.

 

Mittlerweile ist es ganz schön kühl geworden und so machen wir uns dann doch bald an den Rückweg ins Hotel. Weil wir beim Umsteigen eine gefühlte Ewigkeit auf die Bahn warten müssen, zieht sich dieser ganz schön. Einigermaßen erledigt fallen wir in unsere Queensize-Betten. Wir sehen uns morgen, New York!

 

Unterkunft: La Quinta Inn & Suites Brooklyn Downtown - 139 EUR via Expedia

 

Nützliche Links

NYC by Natives - The Best Way To Get From JFK Airport To Manhattan (and back again)

Brooklyn, Baby! - schöner Artikel über Brooklyn auf Lilies Diary

Brooklyn Bridge Park - das geht rund um New Yorks berühmteste Brücke