20140221 NVUT 02
Lake Mead

Fr, Feb 21, 2014

NATÜRLICH BADEN

Schon seit einer ganzen Weile habe ich den Goldstrike Canyon auf der To do-Liste stehen. Die Wanderung dort soll über allerlei Felsen an heißen Quellen vorbei bis ans Ufer des Colorado unterhalb des Hoover Dam führen. Klingt auf jeden Fall spannend!

So gegen halb fünf sind wir beide wach. Gar nicht so schlecht für die erste Nacht neun Zeitzonen von daheim entfernt. Was macht man um die Uhrzeit? Klar, man surft im Internet. Dabei erfahre ich, dass der Frankfurter Flughafen heute wegen eines Streiks der Sicherheitsmitarbeiter komplett lahmgelegt ist. Also so richtig lahmgelegt. Haben wir ja noch mal Glück gehabt mit der Wahl unseres Reisezeitraums. Wir schrammen da grundsätzlich an Streiks vorbei. Mindestens das dritte Mal nun schon. Rückblickend muss man wohl von einer absolut reibungslosen Anreise gestern sprechen - auch wenn sie uns sehr lang vorkam.


Zum Frühstück fahren wir in den einzigen Black Bear Diner von Las Vegas. Der Cinnamon Roll French Toast dort ist einfach der Hammer! Außerdem kann man sichergehen, dass so ein Black Bear-Frühstück eine Weile vorhält - genau richtig für die anstehende Wanderung.


We Had People Die Down There


Ich weiß, dass die Goldstrike Canyon Road am Rande von Boulder zum Trailhead führt. Diese Straße kennt unser Navi aber nicht. Wir halten am Lake Mead Visitor Center, um nach dem Weg zu fragen. Die ältere Lady, die dort als Volunteer arbeitet, tut so, als hätte sie noch nie von diesem Canyon gehört und zieht einen Ranger hinzu. Der erklärt mir mit versteinertem Gesicht, dass sie da keine Auskunft geben würden, weil der Canyon gefährlich sei - "We had people die down there!" - und es überhaupt gar keine gute Idee wäre, dort zu wandern. Ich glaube, ich habe ihn angeschaut wie ein Auto. Ich wollte ja nicht wissen, wo man hier das Dynamit kaufen kann, um die Staumauer in die Luft zu jagen…


Nun gut, bangemachen gilt nicht. Am Hacienda Casino folgen wir der Beschilderung von der 93 Richtung Hoover Dam - und kommen zur Goldstrike Canyon Road. Na bitte. Ein kurzes Stück einen Feldweg hinunter, schon ist der kleine Parkplatz erreicht. Drei Autos stehen hier, wir würden uns also nicht allein in Lebensgefahr begeben.


Bouldern bei Boulder


Ein sandiger Wash führt in den Canyon hinein. Einige Autowracks am Wegesrand geben Zeugnis einer ehemals offenbar gefährlicheren Straßenführung des Highways, der heute auf Betonpfeilern hoch über uns Richtung Arizona geht. Bald rücken die Canyonwände enger zusammen und der erste große Felsen ist zu umklettern. Das geht ganz gut mittels in den Stein gehauener Stufen. Sieht von oben schwieriger aus, als es dann wirklich ist. Nach der Engstelle weitet sich das Tal wieder. Hier halten wir uns links und wandern unter einer Stromleitung hindurch. An der nächsten Kletterpassage hilft ein dort platziertes Seil. Die alte Bergsteigerregel, nur einem Seil zu trauen, das man selbst fixiert hat, müssen wir leider brechen.


In diesem oberen Bereich des Goldstrike Canyons sind die heißen Quellen nach einem Erdbeben 2004 und einer Flash Flood 2005 versiegt, ein früher wassergefüllter großer Pool ist nur noch zu erahnen. In einer Nische im Fels gibt es immerhin ein zwar nicht gerade mit heißem, aber doch warmem Wasser gefülltes Staubecken. Ab hier begleitet uns nun ein kleines Bächlein, das von immer neuen Quellen gespeist wird.


Wir erreichen das Ufer des Colorado


Das nächste Seil hilft über einen ohne ein solches wohl kaum überwindbaren weil extrem glattgespülten Boulder, dann treffen wir auf die ersten Ausflügler, die das Thermalwasser für ein Bad nutzen. Sieht extrem gechillt aus. Wir wollen auch in so einen Hot Tub! Aber erstmal wandern wir weiter canyonabwärts. Kurz vor der Mündung in den Colorado kommt man an den Nevada Hot Springs vorbei. Hier gibt es sogar einen heißen Wasserfall. Unglaublich!


Der Colorado ist dann so hoch, dass wir nicht wirklich direkt an sein Ufer rankommen. Der Pegel des Flusses hängt hier davon ab, wie viel Wasser gerade durch das Kraftwerk im Hoover Dam gelassen wird, kann also innerhalb kürzester Zeit stark ansteigen. Sollte man bedenken, wenn man Erfrischung in den eisigen Fluten suchen will. Da mit uns auch gerade eine größere Kajak-Gruppe hier ankommt und entsprechend viel Gewusel herrscht, machen wir uns bald an den Rückweg, checken einen aus der Nähe dann doch zu unsicher wirkenden Klettersteig oberhalb der Schlucht und freuen uns, dass der wärmste Pool im Canyon gerade verwaist ist. Wir entledigen uns der Klamotten und gönnen uns ein heißes Bad. Haben wir so auch noch nicht genießen dürfen.


Übrigens sollte man darauf achten, kein Wasser in die Nase zu bekommen, in amerikanischen Thermalquellen hausen nämlich mitunter Amöben, die ins Gehirn vordringen können und das auffressen. Kaum zu behandeln und innerhalb weniger Tage tödlich. Wer mag, kann mal nach Naegleria fowleri googlen. Conny hat das zum Glück erst NACH der Wanderung getan...


Schließlich ist's uns warm genug. Wir ziehen uns an und klettern den Canyon wieder hinauf. Mittlerweile hat die Sonne ganz schön eingeheizt und wir kommen ordentlich ins Schwitzen, ehe wir nach über vier Stunden zurück am Auto sind. Hat Spaß gemacht! Der Goldstrike Canyon mit seinen Hot Springs ist ein ziemlich einzigartiges Wanderziel, an das wir uns sicher noch lange zurückerinnern werden. Wer nicht ganz so sicher im Klettern ist, kann auf der Arizona-Seite des Colorado auf den von der Nationalpark-Verwaltung ausgewiesenen Liberty Bell und White Rock Canyon Trails in den Black Canyon hineinwandern. Auch dort gibt es heiße Quellen.


Was von Lake Mead übrig ist


Wir fahren noch kurz am Lakeview Overlook vorbei. Krass wie sich das Bild des Lake Mead auf den Infotafeln von dem in der Realität unterscheidet. Die jahrelange Dürre hat den See rapide schrumpfen lassen.


Für das erste Abendessen des Urlaubs wollen wir zu Outback, unsere Lieblings-Steakhouse-Kette. Las Vegas beherbergt gleich mehrere Filialen davon, wir entscheiden uns für die an der südlichen Outlet Mall. Da können wir gleich mal bei Nike reinschauen, während wir auf einen Tisch warten. Dummerweise verlassen wir dabei die Reichweite des Piepsers, der uns darüber informieren soll, wenn wir an der Reihe sind. War ja klar, dass man sich auf die Zeitangabe der Mädels am Eingang nicht verlassen kann. Aber keine Angst, wir bekommen noch einen Tisch, Steak und Burger - wie immer zu unserer vollsten Zufriedenheit.

Unterkunft: Trump  Las Vegas - 80 EUR via Hotwire + 25 USD Resort Fee

Gefahrene Meilen: 87


Nützliche Links

Visit Las Vegas - offizielle Tourismus-Website der Stadt

Smarter Vegas - hier lässt sich Geld sparen

Mrs Arcadia - unzählige Ausflugstipps für Las Vegas

Travel Nevada - Tourismus-Website von Nevada