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Dickhornschaf-Familie

Mo, Mar 3, 2014

CANYONCRAWLING

Genauso wie bei mir der Spuk nach 24 Stunden beendet war, so hat sich auch Conny über Nacht von dem Magen-Darm-Infekt erholt. Der Wetterbericht für die nächsten Tage meint es auch gut mit uns. Es spricht also nichts dagegen, noch einmal den von uns so geliebten Zion National Park zu besuchen.

Ich buche ein Zimmer im Hampton Inn & Suites in Springdale. Am liebsten wären wir dort ja wieder ins Desert Pearl Inn gegangen, aber das hat wegen Umbaumaßnahmen geschlossen. Auch die Cliffrose Lodge ist eine große Baustelle. Also testen wir mal das Hampton, das erst letzten Sommer eröffnet wurde.

 

Wir nehmen das kostenlose Frühstück im Lexington in Anspruch und werden von einer der Servicedamen am Büffet angesprochen. Auf deutsch. Wie sich herausstellt, hat die ursprünglich von den Philippinen stammende Frau mal zehn Jahre als Krankenschwester in Osnabrück gearbeitet. Dafür, dass das wohl schon über 30 Jahre her ist, spricht sie erstaunlich flüssig und vor allem ohne amerikanischen Akzent. Sie freut sich sehr darüber, mit uns plaudern zu können.

 

Wir wollen in die Narrows wandern

 

Zum Zion ist es von St. George nur ein Katzensprung, die Strecke könnte ich mittlerweile im Schlaf fahren. Trotzdem macht das Herz immer einen kleinen Hüpfer, wenn in Rockville die Farbe des Asphalts in dunkelrot wechselt. Ein bisschen wie Heimkommen ist das. Bereits um 11 Uhr sind wir am Hotel und ich frage am Frontdesk, ob wir vielleicht schon mal unser Gepäck loswerden könnten. Der Manager ist ganz erstaunt, er hatte uns gar nicht auf seiner Liste der heute anreisenden Gäste. Tja, ich habe ja auch erst vor zwei Stunden gebucht. Netterweise gibt er uns dann direkt die Key Cards für ein Zimmer im oberen Stockwerk. Wir bringen fix die Koffer rauf und fahren dann bei der Zion Adventure Company vorbei, einem Outfitter und Canyoneering-Spezialisten. Wir würden zu gerne endlich mal wieder in die Narrows wandern...

 

Bei unserem allerersten Besuch des Zion im Jahr 2002 waren wir bei herrlichem Sommerwetter und ziemlich unbedarft am Ende des Riverwalk einfach weiter in den Virgin River gewandert. Das Erlebnis ist uns unvergessen geblieben, jeder folgende Versuch, die Wanderung zu wiederholen, scheiterte aber daran, dass das Wasser zu hoch, zu kalt oder uns einfach zu nass war. Jetzt wollen wir's wissen! Für um die 50 Dollar kann man einen Dry Suit mieten, dazu Neoprensocken und festes Schuhwerk - damit sollte sich der Virgin auch bei drei Grad Wassertemperatur durchwaten lassen. Alles kein Problem, meint das Mädel bei ZAC, wir können uns einfach morgen früh die Anzüge abholen. Perfekt.

 

Zu Besuch bei Familie Big Horn

 

Conny hat im Internet gelesen, dass es entlang des Highway 9, der durch den Ostteil des Nationalparks führt, einige interessante Canyons zu erforschen gibt. Offizielle Wanderwege sind in der Ecke keine eingetragen - das sollte uns allerdings nicht aufhalten. Wir parken am zweiten Parkplatz hinter dem Tunnel. Hier haben einige Besucher bereits die Dickhorn-Schafe hoch oben in der Felswand entdeckt. Sogar Nachwuchs ist dabei. Niedlich. Ein paar Tiere tauchen dann ganz in der Nähe auf. Entspannt knabbern sie die frischen Triebe an den Büschen ab und setzen sich in die Sonne. Wir können uns kaum sattsehen an ihnen, müssen aber eh warten, bis die Tiere weiterziehen, denn genau an dieser Stelle wollen wir in eine eigentlich namenlose Schlucht wandern, die man im Netz unter der Bezeichnung Shelf Canyon findet.

 

Schließlich geben die Hornträger den Weg frei und wir können unsere Kletterpartie beginnen. Die ist nicht sonderlich schwierig und schon nach ein paar hundert Metern erreichen wir einen Slot Canyon. Der Weg endet in einem schmalen Alkoven. Wie Scheiben sind hier die Gesteinsschichten nebeneinander angeordnet - daher der Name des Canyons. Auf jeden Fall ein cooler Spot, den nur die allerwenigsten Besucher des Parks je zu Gesicht bekommen dürften.

 

Wir wandern zurück zur Straße - und stehen auf einmal mitten in der Schafherde. Die Tiere sind wieder herabgestiegen gekommen und blockieren nun unseren Weg. Wir wollen sie nicht aufscheuchen und setzten uns erstmal hin. Tatsächlich sind die aber so stoisch und gar nicht ängstlich, dass wir schließlich einfach an ihnen vorbeigehen. Entlang der Straße verursachen die Schafe jetzt natürlich einen größeren Auflauf. Die Menschen sind definitiv aufgeregter als die Tiere.

 

Ein Canyon verläuft parallel zum Highway

 

Auf der anderen Straßenseite geht es runter in den Canyon des Clear Creek. Der verläuft fast durchgehend parallel zum Highway 9 bis zum östlichen Parkeingang. Schon öfter haben wir beim Vorbeifahren gedacht, dass der ja eigentlich sehr interessant aussieht, jetzt wollen wir ihn ein wenig erwandern. Es geht gleich mit einer tollen Slot-Passage los. Wir sind begeistert.

 

Richtung Osten laufen wir durch ein mal breites, mal ein sehr enges Flussbett, über Slickrock und durch tiefen Sand. Sehr abwechslungsreich das Ganze. Erstaunlich sind die Temperaturunterschiede zwischen den einzelnen Flussbiegungen. Einmal kommen wir durch einen an die Subway erinnernden Abschnitt, der uns sofort frösteln lässt. Hier haben sich auch noch einige Schneereste gehalten. Dann weht uns wieder milde Frühlingsluft um die Nase. Als wir keinen Autoverkehr mehr hören können und uns also auf Höhe des zweiten, kleineren Tunnels befinden müssen, drehen wir um.

 

Auf dem Rückweg machen wir noch einen Abstecher den Upper Pine Creek hinauf. Das ist einer der größten Seitencanyons des Clear Creek und, weil man in der Nähe oben an der Straße parken kann, einer der öfter begangenen Canyons der Gegend. Allerdings auch nicht sonderlich spektakulär. Vielleicht haben wir einfach genug gesehen für heute. Da die Straße der sehr viel direktere Weg zurück zum Auto ist, gehen wir die nun entlang. Nach zehn Minuten sind wir wieder am Parkplatz. Noch immer in der Nähe: Die Herde Dickhorn-Schafe.

 

Wir würden uns gerne noch die Checkerboard Mesa im Sonnenlicht anschauen, stellen aber fest, dass der Hang mit dem Schachbrettmuster nachmittags im Schatten liegt. Schräg gegenüber gibt es aber noch eine interessante Sandsteinfläche mit hübschen Hoodoos darauf. Fährt man sonst auch immer achtlos dran vorbei...

 

Zurück im Hotel packen wir unsere Koffer aus, machen uns frisch und gehen zum Abendessen nach nebenan in die Sports Bar des Best Western. Genau pünktlich für ein traumhaftes Abendrot treten wir vor die Tür. Wow!

 

Um acht klappen die Bürgersteige hoch

 

Bei Jack's Sports Grill gibt es ein Sandwich für Conny, ein Steak für mich. Beides nicht weltbewegend, aber voll okay. Die Bierauswahl ist jedenfalls sehr gut hier. In der Off-Season schließt die Bar allerdings schon um 20 Uhr. Sogar heute an Rosenmontag. Nun ja, wegen des ausschweifenden Nachtlebens sind wir sicher nicht nach Springdale gekommen.

Unterkunft: Hampton Inn & Suites Springdale, 90 Euro via Expedia

Gefahrene Meilen: 67

 

Nützliche Links

Life Elevated - deutschprachige Website mit Reisetipps für Utah

Visit St. George - the official tourism site for St. George & Zion Area

Visit Springdale - die Website des Visitor Centers der Stadt

Springdale Lodging - Unterkünfte am Zion

Citrus Milo - die beste Website zum Thema Wandern im und rund um den Zion National Park

Slot Canyons of the American Southwest - Übersicht der Canyons der Gegend

USA Hiking Database - die Website von Fritz Zehrer listet jede Menge Wanderungen in Utah

Grosskopf Photography - wunderschöne Fotos aus dem Zion