20140226 NVUT 07
An der Route 12

Mi, Feb 26, 2014

INTO THE WILD

Ausgerechnet jetzt, wo wir für die kommenden Tage einige Wanderungen im Grand Staircase-Escalante National Monument auf dem Zettel haben, ist schlechtes Wetter im Anmarsch. Wir werden das Beste daraus machen - und uns mit dem heutigen Programm beeilen.

Wer schon öfter in meine Reiseberichte geschaut hat, weiß, dass wir keine Fans amerikanischen Hotelfrühstücks sind. Man nimmt viele leere Kalorien auf und hinterlässt viel Müll. Das immerhin nicht hier im Best Western am Bryce Canyon, es gibt tatsächlich Mehrweggeschirr. Essen ist wie immer: Beim ersten Mal noch erträglich. Als ich beim Packen eine von Conny im Kühlschrank fast vergessene Schokorolle in mich reinstopfe, wird mir schlecht - was ich aber für einen vorübergehenden Zustand halte. Das soll sich ändern…

 

Noch ist blauer Himmel über Süd-Utah

 

Erstmal freuen wir uns über einen erneut polfilterblauen Himmel. Der Wetterbericht sieht allerdings gar nicht mehr so gut aus: Das seit Monaten über dem Westen der USA verharrende Hoch soll von gleich zwei Regengebieten verdrängt werden. Damit haben wir nun nicht mehr gerechnet, nachdem die ganze Zeit nur Sonnenschein in der Vorhersage war. Sogar in Las Vegas, Phoenix und LA soll es in den nächsten Tagen regnen, wir können der Front also nirgendwohin ausweichen. Es schaut so aus, als müssten wir die kommenden Tage etwas improvisieren.

 

Aber nun geht es erst einmal auf die Cottonwood Canyon Road. Die führt von Cannonville, unterhalb des Bryce Canyons gelegen, zur 89 zwischen Kanab und Page. Aus der Richtung sind wir die auch schon zwecks der Wanderung auf den Yellow Rock gefahren, den nördlichen Abschnitt kennen wir aber noch nicht - und damit auch nicht den Grosvenor Arch. Der Asphalt endet auf dieser Straße schon am Abzweig zum Kodachrome Basin State Park, bis zum Arch sind es dann noch 12 Meilen Sand und Schotter. Sogar einen Wasserlauf gilt es zu queren, insgesamt ist die Straße aber sehr gut befahrbar. Überflüssig zu erwähnen, dass die Landschaft ein Traum ist.

 

Barrierefreier Zugang zum Naturdenkmal Grosvenor Arch

 

Am entsprechenden Wegweiser biegen wir auf einen kleinen Parkplatz ganz in der Nähe des Grosvenor Arch ab. Sogar ein Plumpsklo und Picknicktische gibt es hier. Der Weg bis unter den doppelten Steinbogen ist gar zementiert und daher rollstuhlkompatibel. Die machen es einem hier ganz schön leicht, dafür dass dieses Naturwunder so abseits gelegen ist.

 

Wer sich schon immer gefragt hat, warum der Arch so heißt wie er heißt, wird jetzt belehrt: Gilbert Hovey Grosvenor war ein Pionier des Fotojournalismus und hob im Jahr 1899 das National Geographic Magazine aus der Taufe. Den Job als Herausgeber behielt er bis 1954, ab 1920 in Doppelfunktion als Präsident der National Geographic Society, die sich unter ihm zur wohl wichtigsten populär-wissenschaftlichen Organisation der Welt entwickelte. Da kann man schon mal einen Arch nach benennen.

 

Traumstraße Route 12

 

Nach angemessenem Bestaunen begeben wir uns zurück auf die Cottonwood Canyon Road und folgen dann der 12 Richtung Norden, Richtung Escalante. Dort haben wir uns für drei Nächte im Circle D Motel eingebucht. Da es noch sehr früh am Tag ist, fahren wir daran aber erstmal vorbei und weiter zum Escalante River Trailhead - natürlich nicht ohne an diesem atemberaubenden Aussichtspunkt kurz vor dem Abzweig zur Old Sheffield Road anzuhalten und das Panorama zu genießen. Sagenhaft!

 

Am Parkplatz unten am Fluss machen wir uns wanderfertig. Ziel soll der Phipps Arch sein, ein fetter Brocken von einem Sandsteinbogen oberhalb des gleichnamigen Washs, einem Seitental des Escalante Canyon. Laut der Beschreibung von Fritz Zehrer sollte sich dieser in etwa zwei Stunden erlaufen und auf dem Weg auch gleich noch die Maverick Natural Bridge mitnehmen lassen. Klingt nach einem lohnenswerten Hike.

 

Als Pfadfinder unterwegs am Escalante

 

Der Weg entlang des Escalante ist am Anfang noch leicht zu finden. Er führt teilweise über privates Gelände, entsprechende Hinweisschilder bitten darum, den Trail nicht zu verlassen. Uns bleibt dann aber gar nichts anderes übrig, weil bald kaum noch ein Pfad auszumachen ist. Schuld daran ist wohl die schwere Überschwemmung im letzten Jahr. Die hat in dem Tal einfach alles plattgemacht, die markierten Wanderwege weggespült und am Ufer Unmengen Treibgut aus entwurzelten Bäumen und Büschen hinterlassen. Teilweise wurde schon erkennbar mit schwerem Gerät aufgeräumt, was der Idylle der Landschaft nicht gerade zuträglich war.

 

Wir stapfen also einigermaßen spaßbefreit durchs Unterholz, queren auf einer halb zerstörten und eigentlich mit einem Flatterband abgesperrten Brücke den Fluss, finden auf der anderen Seite auch tatsächlich wieder einen ausgetretenen Weg, stehen dann aber auf einmal am Ende des selben wieder am Fluss. Nassmachen wollten wir uns eigentlich nicht. Wir treten den Rückzug an und probieren, am linken Ufer voranzukommen, aber auch hier wird bald klar: Weiter geht es nur durchs Wasser. Also ziehen wir Schuhe und Socken aus, krempeln die Hosenbeine hoch und steigen in den eiskalten Fluss. Die Zehen sind innerhalb von Sekunden taub. Zum Glück schaffen wir es beide ohne Vollbad ans andere Ufer.

 

Das GPS des iPhones zeigt an, dass wir nun direkt an der Mündung des Phipps Wash sein müssten und tatsächlich finden wir einen Bachlauf, der allerdings komplett gefroren ist. Sieht lustig aus, wie sich das weiße Band durch den Canyon schlängelt. Auch hier ist kein durchgängiger Wanderweg auszumachen, aber die Orientierung fällt wesentlich leichter als entlang des Escalante.

 

Wir verkürzen die Wanderung

 

Da die Tour bis jetzt schon viel anstrengender und zeitraubender war als geplant, beschließen wir, nur noch bis zur Maverick Bridge zu gehen. Was wir nicht kapiert hatten: Dass man zu dieser Bridge wiederum in einen Seitencanyon des Phipps Wash wandern muss. Daran, dass wir uns auf einmal von dem im GPS gespeicherten Waypoint wieder entfernen, merken wir aber, dass wir Hasen falsch laufen und finden dann doch den passenden Einstieg. Fünf Minuten später blicke ich von oben, Conny von unten auf die sich quer über die Schlucht spannende Maverick Natural Bridge. Joa, nett.

 

Den Rückweg zu finden, fällt uns dann minimal leichter. Aber bei mir macht sich so langsam die Erkenntnis breit, dass das leichte Übelkeitsgefühl nicht von dem heute morgen reingestopften Twinky kommt, sondern ernsthaftere Ursachen haben muss. Ich fühle mich schlapp und bin erleichtert, als wir wieder das Auto erreicht haben. Mittlerweile ist auch der Himmel komplett zugezogen, die Schlechtwetterfront hat Escalante erreicht.

 

Zum zweiten Mal steigen wir im Circle D ab

 

Wir checken im Circle D Motel ein. Den Betreiber finden wir als Bauarbeiter verkleidet im vorderen Gebäude der Anlage. Anscheinend werden die bisher noch nicht renovierten Zimmer für die anstehende Saison auf Vordermann gebracht und anscheinend macht er das mit einer gehörigen Portion Eigenarbeit. Ich bezahle für drei Nächte im Voraus und erhalte die Info, dass bis auf einen einzigen Imbiss und den Subway in einer Tankstelle sämtliche Restaurants geschlossen haben. Auch die Circle D-eigene Eatery macht bestenfalls am Wochenende auf, wenn ein bisschen mehr Betrieb ist als jetzt unter der Woche. Außerdem wäre der Supermarkt bis 18 Uhr geöffnet. Oha, wir hatten gar nicht bedacht, dass Escalante um die Jahreszeit komplett tot sein könnte. Keine Pizza im Outfitters?! Wenn jetzt auch noch das Wetter so schlecht wird wie angekündigt, sitzen wir hier ziemlich in der Walachei.

 

Erstmal freuen wir uns aber über eine warme Dusche und ich mich darüber, mich hinlegen zu können. Nach Essen ist mir gar nicht, aber irgendwas muss ja rein. Also fahren wir nochmal bei der gut sortierten Tankstelle in der Ortsmitte vorbei und lassen uns eine Mini-Pizza backen. Dann packe ich mich dick eingemummelt ins Bett. Irgendwie fühle ich mich fiebrig...

Unterkunft: Circle D Motel, Escalante- 68 USD

Gefahrene Meilen: 120

 

Nützliche Links

Life Elevated - deutschprachige Website mit Reisetipps für Utah

Visit Southern Utah - das gibt es um Kanab zu entdecken

Grand Staircase-Escalante National Monument - Reiseinfos zu einer der abgelegensten Ecken der USA

Bureau of Land Management - diese Behörde verwaltet das GSENM

Escalante & Boulder - Besucherinfos zu den beiden Orten am GSENM

Conservation Lands Foundation - über den Naturschutz am Escalante River