20180222 Madeira Tag 6
Queimadas

Do, Feb 22, 2018

 

DER HÖLLENKESSEL

Heute ist Connys Geburtstag. Klar, dass da eine besondere Wanderung ansteht. Wir wollen in den Caldeirao Verde wandern, den grünen Kessel, und dann weiter in den Caldeirao Inferno, den Höllenkessel.

Den ersten Teil dieser spektakulären Tour sind wir vor sechs Jahren schon einmal gegangen, wollten mir aber angesichts meines gerade erst erlittenen Bandscheibenvorfalls den Weiterweg an dem Tag nicht zumuten. Der Rücken ist schon lange kein Thema mehr, also wollen wir nun einen Haken an diesen Punkt auf der Madeira-Bucket-List machen.

 

Ausgangspunkt ist das Forsthaus Queimadas

 

Um 11 Uhr erreichen wir nach am Ende kurviger Fahrt auf sehr enger Straße das strohgedeckte Forsthaus Queimadas in der Nähe von Santana. Hier wird gerade der Parkplatz neu angelegt, so dass die Möglichkeiten, das Auto abzustellen, begrenzt sind. Wir finden auf dem Seitenstreifen der Kopfsteinstraße Platz.

 

Der anfangs breite und ziemlich matschige Weg entlang der Levada do Caldeirao Verde verengt sich immer mehr, bis man irgendwann nur noch auf der 30 Zentimeter schmalen Kanalmauer gehen kann, neben der es mitunter 100 Meter fast senkrecht bergab geht. Allerdings sorgt meist dichter Bewuchs dafür, dass man nicht direkt in den gähnenden Abgrund schaut. Dazu sind praktisch alle ausgesetzten Stellen mit Drahtseilen und Geländern gesichert. Man muss schon sehr empfindlich sein, um hier aus Höhenangst zu scheitern.

 

Immer dichter wird der Dschungel, in den uns die Wanderung führt. Einfach alles wird hier von Pflanzen oder zumindest Moosen in ein grünes Kleid gesteckt. Auf dem Weg in den Caldeirao Verde sind vier Tunnel zu durchqueren, die sich teilweise direkt mit Wasserfällen abwechseln. Schließlich erreichen wir die Schlucht der Ribeira Grande. An einem Überlaufbecken vom Hauptweg abzweigend geht es in den Grünen Kessel. Wir lassen den aber erstmal links liegen und laufen direkt weiter Richtung Caldeirao Inferno.

 

Tiefster Dschungel

 

Man sieht es dem Weg an, dass er weniger stark frequentiert wird als der zum Caldeirao Verde. Der Kanal führt nun deutlich weniger Wasser und wird auch offenkundig nicht so sorgsam gepflegt wie die unteren Abschnitte. An einem Treppenweg kurz vor ihrer Quelle verlassen wir die Levada do Caldeirao und steigen auf sehr steilen Stufen etwa 70 Höhenmeter hinauf zum Pico-Ruivo-Tunnel - eine sehr anstrengende Angelegenheit, die einige Schweißtropfen kostet.

 

Hier steht man nun gleich vor drei Tunneleingängen. Wie im Wanderführer beschrieben nehmen wir den rechten und biegen dann gleich wieder rechts ab in einen kurzen Stollen. Wegweiser erleichtern die Orientierung. Kurz darauf erreichen wir einen weiteren Tunnel, vor dem sich ein Wasserfall auf den Weg stürzt. Keine Chance, diese Stelle trocken zu passieren!

 

Auf den kurzen folgt ein langer Tunnel und dann noch einer, von dessen Galeriefenstern aus man in die immer enger werdende Schlucht der Ribeira Grande schaut. Direkt neben uns rauscht die Levada und vom Tunnelende hört man ein ohrenbetäubendes Dröhnen. Am Ausgang verschlägt es uns die Sprache vor Staunen: Wir sind umgeben von überhängenden Felswänden, zwischen denen Nebel wabern. Zwei mächtige Wasserfälle ergießen sich in die enge Klamm. Deren Gumpen sind von Mauern eingefasst, so dass ein Teil des Wassers abgeleitet wird, während der andere Teil weiter durch die Schlucht rauscht. Zwei Metallbrücken führen zu einer schmalen Spalte in der gegenüberliegenden Felswand, durch die wir uns in einen weiteren Tunnel zwängen.

 

Am Ziel der Wanderung

 

Nach noch drei Tunnel stehen wir schließlich im Caldeirao do Inferno, dem Höllenkessel. Senkrechte Wände streben auf drei Seiten nach oben und verlieren sich in den Wolken, so dass wir ihre Höhe gar nicht einschätzen können. Wow, das hier ist definitiv aus der Kategorie “places to see before you die”!

45 Minuten später sind wir zurück am Caldeirao Verde und nehmen uns nun auch Zeit, den noch engeren Kessel mit seinem tosenden Wasserfall zu bewundern. Indem wir hier erst auf dem Rückweg halten, sind wir dem Großteil der Besucher aus dem Weg gegangen.

 

Nach gut 18 Kilometern sind wir um 16:30 Uhr zurück am Forsthaus. Das war die längste, aber auch wirklich schönste Wanderung der Woche. Top! Conny nimmt sich noch Zeit zum Katzenstreicheln, dann machen wir uns an die Rückfahrt nach Calheta, wobei wir die halbe Insel umrunden müssen.

 

Auf den tollen Geburtstag!

 

Das Hotel hat uns anlässlich Connys Geburtstag eine Flasche Sekt spendiert. Sehr freundlich! Den genehmigen wir uns als Belohnung für die lange Wanderung und genießen anschließend ein wunderbares Degenfisch-Dinner im Restaurant New Era. Conny ist am Ende des Tages sehr zufrieden mit ihrem Geburtstag - und das ist die Hauptsache.

 

Nützliche Links

Visit Madeira - offizielle Tourismus-Website der Insel

Savoy Saccharum - die Homepage unseres Hotels

Outdooractive - Details zur Wanderung