20180220 Madeira Tag 4
Wasserfall an der Levada Central

Di, Feb 20, 2018


EINE FEUCHTE ANGELEGENHEIT

Wasser, das von Felsen fällt, von Tunneldecken tropft, aus der randvollen Levada schwappt - bei der Wanderung ins Tal der Ribeira da Janela wird man nass. Garantiert. Aber es lohnt sich.

Wie wir schon in den ersten Tagen auf Madeira feststellen mussten, sind Wettervorhersagen hier mit Vorsicht zu genießen, wenn nicht einfach komplett nutzlos. Generell ist der Norden viel nasser als der Süden, auch wissen wir, dass die Wolken gerne beharrlich am Gebirge in der Mitte der Insel kleben bleiben. Aber im Grunde ist die Lage in jedem Tal anders und so genau kann die eben kein Mensch vorhersagen. Wer wandern will, muss gerade zu dieser Jahreszeit auf jeden Fall für Nässe gewappnet sein und auch einfach mal auf gut Glück losziehen. So unternehmen wir heute einen zweiten Versuch, in das Tal der Ribeira da Janela zu laufen, wo es am Sonntag wie aus Eimern goss.


Eine der Top-Wanderungen auf Madeira


Wie vorgestern fahren wir über die Hochebene Paúl da Serra, deren Hängen zahlreiche Flüsse und Bäche entspringen - so auch die Ribeira da Janela, die sich vom Quellgebiet bei Rabaçal in Stromschnellen durch ein tief eingekerbtes Tal Richtung Nordwestküste schlängelt. Hoch über dem Fluss verläuft die Levada da Central entlang der Berghänge - einer der Top-Wanderwege Madeiras, schenkt man dem Rother-Wanderführer Glauben.



Ausgangspunkt der Tour ist ein Parkplatz bei Lamaceiros, um den sich ein Wasserhaus, eine Snackbar und zahlreiche Picknickplätze gruppieren. Auch auf den ersten Kilometern entlang der Levada laden immer wieder Bänke und Tische zur Rast ein. Gepflegte Hortensienstöcke schmücken den Weg. Leider sind die gerade nicht am Blühen.


Der zunächst breite Weg wird bald schmaler, die bis zum Rand gefüllte Levada führt an einer fast senkrechten, mit Farnen bewachsenen Felswand entlang. Immer wieder öffnet sich der Blick ins Tal, in undurchdringbar scheinendes Grün.


Wo hinter einem Tunnel ein gewaltiger Wasserfall zu Tal donnert, bewahrt ein Wellblechdach die Wanderer vor einer Dusche, direkt danach geht es durch einen zweiten Tunnel. Diese Tunnel sind immer eine spannende Angelegenheit, denn man muss schon arg aufpassen, sich nicht ständig den Kopf zu stoßen und gleichzeitig den Pfützen am Boden so gut es geht auszuweichen. Mir gelingt weder das eine noch das andere so richtig. Wie gesagt: Wandern auf Madeira ist fast immer eine feuchte Angelegenheit.


Nach sechs Kilometern erreichen wir ein Wasserhaus. Hier machen die meisten Ausflügler eine Pause und drehen dann um. Wir folgen der Levada noch durch drei weitere Tunnel bis wir schließlich genug haben und umkehren. Alles in allem sind wir am Ende gut vier Stunden unterwegs gewesen und können die Empfehlung des Wanderführers bestätigen.



Rückfahrt mit Gruseleffekt


Auf dem Rückweg nach Calheta folgen wir nicht Google Maps, sondern irgendwo auf der Paúl da Serra einem beschilderten Abzweig Richtung Calheta. Es geht zunächst über Kopfsteinpflaster, dann durch ein von einem Waldbrand schwer zerstörtes Gebiet bis der Untergrund nur noch aus Schlaglöchern besteht. Im Kriechgang erreichen wir nach absurd steiler Abfahrt endlich Estrela da Calheta. Wenn man solche Straßen gefahren ist, weiß man die modernen Tunnel umso mehr zu schätzen.


Wir machen uns frisch und dann auf in die Bar zum Sundowner. Leider bläst heute Abend ein heftiger Wind, so dass wir die Drinks doch lieber drinnen zu uns nehmen. Während ich nur ein kleines Bier trinke, genehmigt sich Conny den Insel-typischen Poncha, eine Mischung aus Rum, Zitrone, Honig und Maracujasaft. Das Ganze kommt auf Eis in einem Limonadenglas - eine stattliche Füllmenge, wenn man bedenkt, dass Poncha so um die 25% Alkohol hat. Die Wirkung bei Conny setzt allerdings mit Verzögerung ein, nämlich in Verbindung mit dem nächsten Glas Wein zum Essen.


Es gibt Fleisch, Fleisch und Fleisch


Wir sind in ein brasilianisches Steakrestaurant eingekehrt, das “Brasa Brazil” in Ponta do Sol. Hier sind an diesem Dienstagabend kaum andere Gäste zugegen, so dass uns der sehr freundliche Kellner ausgiebig das Prinzip des Rotizio erklärt, des Grillens an Spießen. Conny bestellt die kleine Variante mit “nur” sieben verschiedenen Fleischarten, ich nehme die klassische Version: Hüftsteaks.


Knoblauchbrot, eine Hummercreme-Suppe und ein Salat- und Beilagenbüffet sind inklusive, die Kartoffeln allerdings leider kalt. So bleibe ich beim Brot zum Fleisch. Und das ist auch mehr als ausreichend, werden für mich da doch zwei ordentliche Stücke Rind gegrillt, die ich auf zwei Mal 250 Gramm schätze. Der Kellner bringt jeweils den Spieß, schneidet feine Scheiben ab und hängt das Fleisch dann wieder übers Feuer. Conny bekommt parallel Häppchen vom Rind, Hähnchen und Schwein an den Tisch gebracht - und ist nach drei Stücken eigentlich bereits satt. Von der Wirkung des Alkohols ganz zu schweigen.


Mit Erleichterung stellen wir irgendwann fest, dass nichts mehr nachkommt. Ach doch, es gibt ja noch gegrillte und mit Honig übergossene Ananas zum Nachtisch. Das sei gut für die Verdauung, meint der Kellner. Na dann: rein damit! Zwei Gläser Madeira geben uns den Rest.


Nützliche Links

Visit Madeira - offizielle Tourismus-Website der Insel

Savoy Saccharum - die Homepage unseres Hotels

Outdooractive - ausführliche Beschreibung der Wanderung