2012 Heartland US Day 4
Harpers Ferry

Mo, Sep 3, 2012

A STEP BACK IN TIME

Wir beenden die Visite Washingtons und machen uns auf nach Westen. Im Drei-Staaten-Eck von Maryland, Virginia und West Virginia besuchen wir das historische Harpers Ferry. Danach gehen wir in Hagerstown auf Schnäppchenjagd. Schließlich ist heute Feiertag!

 

D.C. dampft. Die Luftfeuchtigkeit ist nahe der Sättigung. Mit dem ersten Schritt zur Hoteltür hinaus bin ich schon schweißgebadet. Washington ist eine tolle Stadt, aber im Sommer einfach unerträglich. Deshalb hat der Washingtonian, der etwas auf sich hält, ja auch ein Ferienhaus am Wasser oder zumindest ein Boot und überlässt die Stadt von Juni bis September den Touristen.

 

Zur Feier des Tages gibt es Pancakes

 

Frühstück im IHOP

Ich hole das Auto, das zwei Straßen weiter auf uns gewartet hat, wir laden das Gepäck ein und verlassen die US-Hauptstadt Richtung Nordwesten. Ein paar Meilen außerhalb suchen wir uns ein IHOP. Das ist rammelvoll. Klar, Labor Day, Feiertag. Da wird die Familie mal schick zum Frühstück ausgeführt. So müssen wir einige Minuten auf einen Tisch warten.

 

Die Pancakes bei IHOP sind einfach super! Was einem etwas den Appetit verdirbt: Die schreiben jetzt den Brennwert der Gerichte in die Karte. Um eine Mahlzeit unter 1.000 Kalorien zu bekommen, müsste man etwas aus "egg substitute" nehmen. Igitt. Wir halten uns da an den Torwart-Titan: Wir brauchen Eier!

 

Ein besonderer Platz in der amerikanischen Geschichte

 

Gegen Mittag erreichen wir Harpers Ferry und haben damit heute schon drei Bundesstaaten (plus natürlich den District of Columbia) bereist: Maryland, Virginia und West Virginia. Hier, am Zusammenfluss von Shenandoah und Potomac River, stoßen auch diese drei Staaten zusammen. An der verkehrstechnisch und daher strategisch enorm wichtigen Stelle hat Harpers Ferry einen besonderen Platz in der amerikanischen Geschichte eingenommen.

 

Ab 1761 brachte eine Fähre, nämlich die eines gewissen Robert Harper, Siedler auf dem Weg nach Westen über den Potomac. Ende des 18. Jahrhunderts kaufte die Regierung Mr. Harper Land ab und richtete eine riesige Waffenschmiede ein. Als 1833 der Chesapeake & Ohio Canal und ein Jahr später die Baltimore & Ohio Railroad Harpers Ferry erreichten, erlebte die Stadt ihre Blütezeit. Diese endete mit dem Bürgerkrieg, in dem Harpers Ferry heftig umkämpft war und nicht weniger als acht Mal den Besitzer wechselte.

 

Anfang des 20. Jahrhunderts sorgte der Tourismus nochmal für einen Aufschwung: Bis zu 28 Züge brachten an Wochenenden und Feiertagen Ausflügler von der Ostküste in das Coney Island der Appalachen. Die Wirtschaftskrise und einige verheerende Überschwemmungen beendeten in den 30er Jahren dieses Kapitel und die meisten Einwohner verließen die Stadt, die dann schon 1944 unter den Schutz des National Park Service kam.

 

In Harpers Ferry steht die Luft

 

Da Harpers Ferry also heute in einem National Historical Park liegt, kommt unser letztes Jahr in Arizona gekaufter Nationalpark-Pass noch einmal zum Einsatz - und hat sich damit doch noch bezahlt gemacht. Ansonsten kostet der Eintritt zehn Dollar pro Auto. Wir parken am Visitor Center und wandern den Hügel hinab Richtung Lower Town. Wir hätten auch den Shuttle-Bus nehmen können, aber so ein bisschen wollen wir uns schon bewegen in diesem Urlaub. Der Wanderweg verläuft zwischen der Straße und einem Altarm des Shenandoah, in dem sich jede Menge Schildkröten und fette Karpfen tummeln. Hier unten steht die Luft schon wieder.

Am Fluss kommen wir an einigen Ruinen des frühen Industriezeitalters von Harpers Ferry vorbei ehe nach knapp zwei Meilen das Städtchen erreicht ist. Hier sind zahlreiche Gebäude aus dem 19. Jahrhundert erhalten und auch innen detailgetreu hergerichtet. Harpers Ferry ist halb Freiluft-Museum, halb bewohnt. Amtrak unterhält sogar noch eine Bahnstation. Der Hitze begegnen wir mit einer Monsterportion Eis, dann wandern wir ein Stück auf dem Appalachian Trail. Klingt großspurig, denn tatsächlich beschränken wir uns auf einen kurzen Spaziergang am alten C & O Canal, an dem der legendäre Fernwanderweg von Georgia nach Maine entlangführt. Den Aufstieg auf die Maryland Heights, von wo man einen tollen Blick auf Harpers Ferry hat, knicken wir (1998 war ich da als Student auf Sonntagsausflug noch raufmarschiert) und suchen uns stattdessen einen Platz am Ufer, um ein bisschen die Füße in den Potomac zu halten. Erfrischung bringt das kaum, das Wasser hat bestimmt 25 Grad. Etwas neidisch schauen wir den Kindern zu, die sich in Schwimmreifen den Fluss heruntertreiben lassen.

 

Vorbei an den Schlachtfeldern des Bürgerkrieges

 

Auf dem Weg zurück kämpft sich langsam die Sonne durch. Das erste Mal seit unserem Ankunftstag, dass wir blauen Himmel sehen. Sehr schön. Der Shuttle-Bus bringt uns zum Auto, dann fahren wir durch das ländliche Maryland nach Hagerstown. Maryland sieht hier mit seinen grünen Hügeln aus wie Hessen. Nur dass die Häuser aus Holz und Ziegeln sind statt aus Fachwerk. Es ließen sich nun noch einige National Monuments besuchen. Monocacy, Antietam - in der Gegend wurden die blutigsten Schlachten des Bürgerkriegs geschlagen. Wir verzichten aber wegen kein Bock darauf.

 

Zimmer im Ramada Plaza

In Hagerstown checken wir im Ramada Plaza ein und erhalten ein sehr schönes, großes Zimmer. Eine Dusche weckt die Lebensgeister - Zeit zum Shopping! Hagerstown beherbergt eine Premium Outlet Mall, in der wir eine ansehnliche Ausbeute an Klamotten zusammenraffen. Wegen des Feiertags gibt es jede Menge Sonderangebote und man spart mit jedem Kauf so viel Geld wie man gerade ausgegeben hat, zahlt also praktisch nichts.

 

Abendessen wollen wir uns im Red Lobster genehmigen - die Wartezeit von 25 Minuten ist uns allerdings zu lang. Dann halt ins Outback. Wie gut muss es uns gehen, wenn ein Outback Steakhouse nur zweite Wahl ist?! Das Essen ist wie immer hervorragend, nur unsere Bedienung scheint unter dem Einfluss irgendeines ermüdenden Medikaments zu stehen. Egal, wir werden satt. Sogar mehr als das. Eine Runde Wäschewaschen beendet diesen Urlaubstag.

Gefahren: 117 Meilen / 188 Kilometer

Hotel: Ramada Plaza Hagerstown - 74 USD via Priceline