2012 Heartland US Day 3
Tidal Basin

So, Sep 2, 2012

WALKING THE MONUMENTS

Was macht man in Washington? Sehenswürdigkeiten abklappern, ist ja klar. Wenn es nur nicht so feuchtheiß wäre...

Herrlich ruhig ist die erste Nacht im Marriott und nachdem es gestern ganz schön spät geworden ist, schlafen wir erstmal aus. Damit können wir allerdings eine angedachte Walking Tour durch Georgetown knicken, denn die geht um 10 Uhr los. Schade, das hätte mich interessiert. Bis 10 Uhr schaffen wir es aber gerademal zum Frühstück. Das gibt's in einem kleinen Café gegenüber der Metrostation. Die Bedienungen sind hier so verpeilt, dass es fast schon wieder amüsant ist. Wer hier welchen Tisch hat - egal.

 

Wir setzen unsere gestern Abend abgebrochene Tour um die Mall fort. Nicht dass wir die meisten der Denkmäler nicht schonmal gesehen hätten, aber wenn man in Washington ist, muss das halt sein. Sind ja auch beeindruckend. Leider ist das Washington Monument gesperrt. Die Sanierungsmaßnahmen nach dem letztjährigen Erdbeben gestalten sich wohl als komplizierter als gedacht.

 

Zwischen Weißem Haus und Jefferson Memorial

 

Da Conny das Weiße Haus noch nie aus der Nähe gesehen hat, lungern wir ein bisschen mit dem anderen Touristen-Pack davor herum. Rein kommt man ja nur noch auf Einladung eines Kongress-Abgeordneten, als normalsterblicher Nicht-Amerikaner also gar nicht. Das war 1998 noch anders, als ich extra einen Tag Uni schwänzte, um mir den damaligen Wohnsitz der Clintons samt Hillarys Weihnachtsdeko anzuschauen. Der vorsichtige Gedanke, im Souvenirladen des Weißen Hauses irgendein originelles Mitbringsel zu erstehen, verflüchtigt sich beim Blick auf die Preisschilder. Ein Kaffeebecher zum Beispiel kostet schlappe 30 Dollar. Vielleicht verwandelt man sich ja in den Präsidenten, wenn man daraus trinkt...

 

Erst letztes Jahr eingeweiht und daher neu für uns beide ist das Martin Luther King Memorial, für das ein chinesischer Künstler die Figur des berühmten Bürgerrechtlers aus Marmor gemeißelt hat. Nur ein kurzes Stück weiter am Tidal Basin entlang befindet sich das Franklin Delano Roosevelt Memorial. Die hier angebrachten Zitate dieses großen Präsidenten klingen angesichts der heutigen Probleme des Landes wieder sehr aktuell. Würden sich die Amerikaner doch nur darauf besinnen...

 

Schließlich schauen wir auch noch beim bronzenen Thomas Jefferson vorbei - damit reicht es uns mit dem Laufen. Die Wege hier ziehen sich doch ganz schön. Am Tretboot-Verleih gibt es Kaltgetränke, dann schleppen wir uns zur U-Bahn am Smithsonian. Nächster Stopp: Foggy Bottom / Georgetown.

 

Georgetown ist nicht mehr lässig

 

Die M Street ist mir als eines der Lieblings-Ausgeh-Reviere der Washingtoner Studenten in Erinnerung. Allerdings ist aus der Straße mittlerweile ein Rodeo Drive Light geworden. Die meisten Kneipen sind verschwunden, dafür reiht sich ein Modegeschäft ans andere. Reiche Kids fahren Papas Auto aus, auf den Gehwegen drängeln sich die Touristen und für eine Kugel Eis im Ben & Jerry's zahlt man 5,45 Dollar. Lässig ist das nicht mehr.

 

Der größte Hype in Georgetown ist eine Cupcake-Bäckerei, die sogar eine eigene Doku-Reihe auf TLC hat. Die Schlange am Eingang geht einmal den ganzen Häuserblock entlang, japanische Touristinnen fotografieren stolz jeden einzelnen Kuchen, den sie aus dem Laden tragen. Es gibt hier bestimmt 100 Sorten, trotzdem verzichten wir aufs Anstellen.

 

Mit dem Bus geht es für einen Dollar zum Dupont Circle, wo wir in die Red Line nach Woodley Park steigen, um uns ein bisschen im Hotel auszuruhen. Abends machen wir uns auf ins benachbarte Viertel Adams Morgan. Im Gegensatz zur M Street in Georgetown hat sich hier die Ausgehmeile 18th Street auf den ersten Blick überhaupt nicht verändert. Alle mir bekannten Bars und Cafés sind noch an ihrem Platz. Sehr cool! Wir wählen das Black Squirrel. Das Bier ist sehr gut, das Essen geht so. Pub halt.

 

Das nächste Unwetter

 

Eine Minute nachdem wir Platz genommen haben, geht draußen ein heftiges Gewitter los, das auch vier Bier später nicht nachlässt. Irgendwie müssen wir zurück zum Hotel kommen, mal schauen, ob sich auf der Straße ein Taxi erwischen lässt. Wir quetschen uns unter den kleinen Schirm, den Conny gestern auf der Rückbank unseres Taxis gefunden hat, und kommen so bis unter das Dach des McDonalds an der nächsten Ecke. Tatsächlich gelingt es uns, ein Cab heranzuwinken. Was für ein Glück! Der Fahrer freut sich trotz der nur kurzen Fahrt über uns, hat er doch ein paar Jahre in Österreich gelebt und noch Familie in Frankfurt. So kann er ein paar Brocken Deutsch zur Anwendung bringen. Die Welt ist halt ein Dorf.

 

Als ich mich im Hotel noch zwecks Internet-Nutzung in die Lobby setze, wird ein Teil davon abgesperrt - Wasser tropft von der Decke. Ein Wetter ist das...

Gefahren: 0 Meilen / 0 Kilometer

Hotel: Washington Marriott Wardman Park - 95 USD via Priceline