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Fassaden in Bozen

Sa, Aug 8, 2015

 

A LONG WAY HOME

Der Weg zurück nach Mainz führt über München und Frankfurt. Die Zeit bis zur Abfahrt des Zuges nutzen wir zur Erkundung Bozens. In Flip-Flops statt in Wanderstiefeln.

Selten so eine heiße Nacht erlebt wie in der Schwarzen Katz. Also "heiß" wirklich im Sinne von "viel zu warm". Erst gegen Morgen kommt ein leichter Hauch frischer Luft durch das die ganze Nacht offenstehende Fenster, so dass ich tatsächlich bis kurz vor acht schlafe. Nach dem Aufstehen ist direkt wieder eine Dusche fällig. So bin ich fast der Letzte, der sich zum Frühstück im Hof einfindet. Eile besteht heute nicht, die Heimfahrt ist erst für 14:34 Uhr angesetzt. Wir haben also noch ein paar Stunden in Bozen mit Programm zu füllen.

 

Ich weiß, dass um 10:30 Uhr eine Stadtführung angeboten wird. Solche Touren nehme ich immer gerne mit. Erstens läuft man dann nicht einfach planlos umher, zweitens schnappt man dabei immer ein paar interessante Anekdoten auf. Michelle, Heinz, Dirk, Max und Manfred schließen sich an, kurz nach zehn holen wir uns im Tourismusbüro für jeweils sechs Euro ein Ticket für die Führung. Bis die beginnt, habe ich schon das erste Eis gegessen.

 

Rundgang durch Bozen

 

Vom zentralen Waltherplatz, benannt nach dem vermeintlich (aber wahrscheinlich auch eher nicht) aus Südtirol stammenden Minnesänger Walther von der Vogelweide, an den auch ein markantes Denkmal erinnert, werden wir mitgenommen in den Dom, durch die typischen Lauben der Altstadt, ins Merkantilmuseum mit den prächtigen barocken Versammlungsräumen, zum Kornplatz, dem ältesten Teil der bischöflichen Stadt.

Die Fremdenführerin gibt sich Mühe, uns nicht mit Jahreszahlen zu bombardieren und zeigt uns stattdessen einige interessante verborgene Winkel der Altstadt, in die wir von allein wohl kaum gestolpert wären. Ein bisschen zieht sich das Ganze dadurch in die Länge, dass sie ihre Ausführungen jeweils noch der einzigen italienischen Teilnehmerin übersetzen muss, alles in allem sind die gut 90 Minuten aber doch ziemlich kurzweilig.

 

Endlich Pizza!

 

Zeit fürs Mittagessen. Dirk und ich wählen einfach die erstbeste Pizzeria am Waltherplatz und das gerade rechtzeitig bevor dort alle Tische besetzt sind. Mit Blick auf das Gewusel auf der Piazza genießen wir die erste und letzte italienische Pizza dieses Trips. Dazu gibt es einen kühlen Rosé für mich und am Ende Espresso für uns beide, ist ja klar.

 

Wir gönnen uns noch ein köstliches Eis in einer Filiale von Menodiciotto (italienisch für "minus achtzehn Grad"), unternehmen einen Spaziergang ans Ufer des Talferbachs und gehen dann quer durch die Altstadt zurück zum Hotel. Dabei kommen wir auch am Archäologiemuseum vorbei, Ötzis neuer Heimat, wo die Warteschlange bis um die Straßenecke reicht, wie die Stadt nun überhaupt wahnsinnig voll ist.

 

Per Bahn über den Brenner

 

Pünktlich zum Aufbruch zur Rückreise sind wir in der Schwarzen Katz. Zum Bozener Bahnhof sind es von da nur ein paar Minuten, so dass wir eher etwas zu früh für die Abfahrt des Eurocity nach München am Gleis sind. Ein paar Minuten Verspätung hat der Zug auch noch. Die von Manfred zum Glück reservierten Plätze müssen wir erstmal freimachen. Der Zug ist übervoll, da müssen die bisher in unseren Abteilen sitzenden Fahrgäste wohl stehen bis München. Sorry.

 

Vier Stunden geht die Fahrt via Innsbruck, Kufstein und Rosenheim. Unvermeidlich wird man auf dieser Strecke mit dem Flüchtlingsdrama konfrontiert, denn natürlich versuchen viele der in Italien Gestrandeten über den Brenner nach Deutschland zu kommen. Im Zug patrouillieren Polizisten und in Rosenheim wartet gleich eine ganze Hundertschaft darauf, die Ankommenden in Empfang zu nehmen. Hier wird der Zug sogar durchsucht, was die Weiterfahrt nochmal um eine Viertelstunde verzögert. Für uns aber kein Problem, schließlich haben wir in München mehr als ausreichend Zeit.

 

Zwei Mal Umsteigen bis Mainz

 

In der bayerischen Landeshauptstadt ist es dann unfassbar schwül. Oder die Bahn aus der Bahnhofshalle einen Saunabetrieb gemacht. Man tritt aus dem klimatisierten Zug und fühlt sich sofort klebrig. Dirk isst noch eine Kleinigkeit, ich bleibe beim Bier und hole mir nur eine Leberkässemmel. Nicht ohne Kauf kann ich an der neuen Ausgabe des GEO Special vorbeigehen. Thema: Kalifornien, Ziel einer unserer nächsten Reisen, auf die ich mich jetzt schon freue. Perfekte Lektüre für die Zugfahrt.

 

Mit Verwunderung stellen wir fest, dass unser ICE Wiesbaden als Endhaltestelle hat und normalerweise auf dem Weg dahin auch in Mainz hält - außer am 8. August. Heute ist der 8. August. Verdammt! Also bleibt es beim Umsteigen am Frankfurter Flughafen, was wir trotz Verspätung locker hinbekommen. Für die letzte Zugfahrt ist die Reisegruppe auf eine Handvoll Leute geschrumpft. Ich dezimiere sie weiter, indem ich schon am Römischen Theater aussteige, wo Conny mich erwartet. Kurz vor Mitternacht ist das zweiwöchige Abenteuer auf dem E5 endgültig zu Ende.