2015 Berchtesgaden Day 7
Watzmann

Fr, 9. Okt 2015

DEN GÄMSEN AUF DER SPUR

Farrenleiten, Rothspielscheibe, Fagstein - in unmittelbarer Nähe und doch ein ganzes Stück vom Trubel am Jenner entrückt lassen sich sehr unterschiedliche Gipfel erwandern und ursprüngliche Natur erleben.

Um Punkt 9 Uhr parken wir das Auto an der Talstation der Jennerbahn. Wir besorgen uns noch etwas Proviant beim Bäcker gegenüber und anschließend Karten für eine Berg- und Talfahrt zur Mittelstation. Ab dort geht's zu Fuß weiter.

 

In Sichtweite zum Jenner beginnt die Einsamkeit

 

Auf schon vom letzten Sonntag bekanntem Weg queren wir die Flanke des Jenners und biegen an einer Kreuzung oberhalb der Königsbachalm Richtung Stahlhaus ab. Ein paar Kurven später verlassen wir aber den Hauptweg und wandern durch wunderschönes Gelände zur Königstalalm. Die wirkt in ihrer Ursprünglichkeit wie aus einer anderen Zeit gefallen. Obwohl der vor Besuchern fast schon überlaufene Jennergipfel in Sichtweite ist, fühlt man sich hier doch in herrlicher Bergeinsamkeit ein bisschen der Welt entrückt.

 

Schön in der Sonne sitzend legen wir eine kurze Pause für das zweite Frühstück ein. Dann erklimmen wir auf schmalem Pfad den Farrenleiten. Immerhin gute 1.700 Meter ist dessen von Blaubeerbüschen und Gräsern bewachsenes Gipfelplateau schon hoch. Der anschließende Anstieg auf die Rothspielscheibe hat dann schon was von Bergsteigen. Die Kletterei an der steilen Flanke und der Weg über den zur Linken jäh abfallenden Grat setzt Schwindelfreiheit und etwas Erfahrung in alpinem Gelände voraus. Die Jesusfigur am Gipfelkreuz auf 1.940 Metern gehört zu den moderneren der Alpen...

 

Wo sind die Gämsen?

 

Nun haben wir an der Rothspielscheibe die ganze Zeit über die recht frischen Hinterlassenschaften von Gämsen entlang des Weges gefunden. Von den Tieren ist allerdings nichts zu sehen, obwohl wir von hier oben die steil aufragende Wand des Fagsteins ebenso einsehen können wie die Karstebene Richtung Reinersberg. Wo stecken die bloß?

 

Genau diese Karstebene wollen wir nun durchqueren. Einen richtigen Weg gibt es nicht hindurch, aber einige Markierungen an Felsen sowie Steinmännchen sorgen für Orientierung. Ansonsten ist Freestyle angesagt.

 

Die bizarren Felsformationen erinnern an Bilder aus dem Steinernen Meer - und sind damit voll nach Connys Geschmack. Die nennt die Kalksteine mit den tiefen Riefen nur "Dinofelsen" - weil sie aussehen, wie von riesigen Klauen modelliert. In Wirklichkeit handelt es sich natürlich um das Werk der Erosion, also von Kälte, Wärme, Wind und Wasser. Schon erstaunlich, was dabei alles entsteht.

 

Geheimnisvoll sind auch die scheinbar bodenlosen Löcher, die sich immer wieder zwischen den Felsen auftun. Wo mag das Wasser wieder zum Vorschein kommen, das darin versickert? Eine ganz fantastische Landschaft hier oben - die wir seit Stunden für uns alleine haben!

 

Der dem tollen Buch "Vergessene Pfade um den Königssee" entnommenen Tourenbeschreibung folgend müssten wir nun über die felsige Flanke auf den Fagstein wandern. In dem anspruchsvollen Gelände würde allein der Aufstieg bestimmt noch eine Stunde dauern und ein wenig rennt uns die Zeit davon, wenn wir wieder mit der Seilbahn zu Tal fahren wollen. Deren Betrieb endet nämlich um 16:30 Uhr. Dazu ziehen immer mehr Wolken auf. Also lassen wir das mit dem dritten Gipfel und nehmen stattdessen den markierten Wanderweg an einer Bergwachthütte und dem sehr hübsch gelegenen Seeleinsee sowie der gleichnamigen verfallenen Alm vorbei.

 

Und endlich entdecken wir auch die Gämsen! Zuerst nur eine im Hang oberhalb des Weges, dann immer mehr. So neugierig wie die zurückschauen, denken sie bestimmt: "Ach, da sind sie ja die Wanderer! Scheue Wesen..."

 

Endspurt zur Seilbahn!

 

Mit dem Ausschauhalten nach den Hochgebirgsbewohnern haben wir jetzt natürlich noch mehr Zeit vertrödelt. So langsam wird's eng mit der Seilbahn! Beim Weg hinunter durch den Taleinschnitt am Roßfeld legen wir deshalb einen Zahn zu. Gar nicht so einfach, auf dem ziemlich verschlammten und rutschigen Pfad die Balance zu halten. Statt in 90 Minuten schaffen wir es aber in einer Stunde vom Seeleinsee zur Priesbergalm und liegen damit wieder gut im Zeitplan. Ab hier geht es nun auch über breite, leicht zu gehende Kieswege. Wir kommen noch an der sehr urigen Enzian-Brennhütte vorbei und stehen kurz darauf an der Kreuzung, von der aus wir heute Morgen unsere Runde gestartet haben. Kurz nach vier erreichen wir die Mittelstation. Geschafft!

 

Hätten wir die letzte Bahn verpasst, wäre der Abstieg zu Fuß zum Königssee kein Drama gewesen - allerdings schon, dass wir dann wahrscheinlich zu spät für ein Abendessen im Gasthof Auzinger gewesen wären. So können wir in aller Ruhe duschen und zum Hintersee fahren. Die Bedienung erkennt uns gleich wieder und weiß auch noch, welchen Wein Conny vorgestern hatte. Mir bringt sie ein Berchtesgadener Helles. Und mit dem Essen dann gleich noch eins. Die gebackene Schulter nehme ich diesmal mit Knödel, Conny wählt Schnitzel. Auch sehr gut. Satt, aber nicht überfressen, fahren wir schließlich zurück zum Malerhäusl.

Wanderstrecke: 16,9 km

Höhenmeter: +/-960

Unterkunft: Malerhäusl, Schönau

 

Nützliche Links:

Bergerlebnis Berchtesgaden - Homepage der Tourismus GmbH

Nationalpark Berchtesgaden - Website der Nationalparkverwaltung

Tourismus-Info Schönau - der Ort am Königssee hat eine eigene Website

Outdooractive - die schönsten Wanderungen in Schönau am Königssee