20150416 Asien Day 5
Abendstimmung am Pearl Harbor

Do, Apr 16, 2015

WIR HABEN 'NE NEUE

Die zweite Station unserer Reise heißt Hong Kong. Die Metropole am Pearl River beeindruckt uns auf Anhieb mit ihrem pulsierenden, multi-kulturellen Flair und der irren Hochhaus-Kulisse.

In aller Frühe klingelt der Wecker, draußen schon wieder strahlend blauer Himmel. So ein Extratag schönes Wetter wäre schon fein gewesen in Tokio. Aber gut: Wir wussten, dass drei Tage eigentlich viel zu kurz sein würden zum Kennenlernen und wenn es dann an zweien davon regnet, wird’s halt schwierig mit dem ersten Eindruck, den man bekanntlich nur einmal machen kann. Sorry, Tokio. War aber trotzdem interessant mit dir. Flirt wäre übertrieben, aber wir haben zumindest mal die Visitenkarten voneinander.


Tschüss, Tokio


Wir packen unsere Sachen zusammen, checken aus dem Granbell Hotel aus (das aufgrund seiner Lage und in Sachen Preis-Leistung übrigens uneingeschränkt zu empfehlen ist) und ziehen unsere Koffer zwei Ecken weiter zur U-Bahn-Station. Da unsere Dreitagestickets heute nicht mehr gelten, benötigen wir Einzelfahrkarten bis zum Bahnhof Ueno, wo wir wieder in den Skyline Express zum Flughafen umsteigen wollen. Irgendwie gelingt es mir sogar, die richtigen Tickets aus dem Automaten zu ziehen. Fast die richtigen, sollte ich sagen, denn irgendwo beim Umsteigen will die Schranke Connys Kärtchen nicht akzeptieren. Der Aufseher, der hier an jeder Station wacht, wirft einen kurzen Blick darauf und lässt sie dann passieren.


In Ueno tauschen wir am Schalter von Keisei die beiden Gutscheine für die Rückfahrt nach Narita gegen zwei reservierte Plätze im nächsten Zug ein. Der fährt selbstverständlich auf die Minute pünktlich. Klappt mal wieder alles wie am Schnürchen. Mit dem ÖPNV sind wir hier wirklich bestens zurechtgekommen. Darum, wie man in Tokio von A nach B nach C und zur Not auch nach Z kommt, muss man sich wirklich überhaupt keine Sorgen machen.


Die Airline mit dem besten Namen ever


Unser Abflug nach Hong Kong geht von Terminal 3. Das ist erst vor ein paar Wochen eingeweiht worden und liegt ein bisschen abseits vom Schuss. 650 Meter um genau zu sein. Davon kündet eine Markierung am Boden. Passenderweise wurde für den Fußweg sogar eine Tartanbahn angelegt. Ist das schon ironischer Humor? Jedenfalls sollte man gut zu Fuß sein, wenn man von Narita mit einem Low-cost-carrier wegkommen will, die Billigheimer sind alle in T3 untergebracht - auch unsere Fluglinie, die auf den schönen Namen “Vanilla Air” hört.


Der Check-In verläuft wie jeder andere, bis am Ende die Angestellte meint, wir sollten noch zehn Minuten warten bis unsere Koffer die Security passiert haben. Wenn wir bis dahin unsere Namen nicht gehört hätten, könnten wir gehen. Also harren wir noch eine Weile auf einer Bank aus, ehe wir uns ein letztes japanisches Frühstück genehmigen: Muffins mit Latte Macchiato und Orangensaft.


Leider funktioniert mein Trick, Plätze am Fenster und am Gang in einer Dreierreihe zu reservieren, nicht wie gewünscht. Der A320 ist rappelvoll und mit in unserer Reihe sitzt ein fülliger junger Mann, dessen Hemd bei der letzten Wäsche anscheinend nur unzureichend getrocknet wurde. Ich reagiere ziemlich empfindlich auf diesen Geruch nach nassem Hund. Es soll ja Leute geben, die den aufgrund einer Genmutation nicht riechen können. Ich wünschte ich wäre einer von ihnen. Großzügig überlassen wir unserem Mitreisenden den Gangplatz und ich drehe die Lüftung auf.


Olfaktorisch auch problematisch ist der Genuss von getrocknetem Fisch als Snack an Bord eines Flugzeugs. Vor allem, wenn dem die Leute direkt hinter einem frönen. Um uns herum eh lauter schnatternde Chinesinnen mittleren Alters. Anscheinend so etwas wie eine Kegelgruppe. Die nächsten viereinhalb Stunden könnten sehr lang werden...


Der Flug ist aber dann eigentlich ganz okay. Ja, die Bestuhlung ist etwas eng, aber dank Kopfhörern, die helfen, die Umsitzenden auszublenden, kriegen wir sogar so etwas wie einen Mittagsschlaf  hin. Ansonsten vertiefe ich mich in meinen Wälzer von Bill Bryson: “Das Jahr 1927”. Ein bislang anscheinend zu unrecht übersehenes Schicksalsjahr in der amerikanischen Geschichte. Ich mag den Stil von Bryson ja sehr gerne.


Willkommen in China


Nach der Landung dockt unser Flieger an ein ohne Anschluss mitten ins Vorfeld gebaute Terminal an. Zum Hauptgebäude geht es per Bus. Beim Aussteigen werden alle Passagiere mit einer Wärmebildkamera gefilmt. Das habe ich auch noch nirgends gesehen. Wer Fieber hat, wird wahrscheinlich gleich in Quarantäne gesteckt. Die Einreise ist aber fix erledigt. Auch für Hong Kong muss man eine Immigration Card ausfüllen, eine Kopie davon bleibt im Pass zusammen mit dem losen Zettel der Aufenthaltserlaubnis. Unser Gepäck ist dann auch schon da, der Zoll interessiert sich nicht dafür - erledigt.


Direkt am Ausgang aus dem Zollbereich kommt man am Ticketschalter für den Airport Express und die Touristeninfo vorbei. Ich frage dort nach, wie wir von der Bahnstation am besten zu unserem Hotel kommen würden und erhalte die befriedigende Antwort, es gebe dort einen kostenlosen Shuttlebus, der die Hotels abklappert und genau neben unserem halten würde. Also kaufe ich zwei Fahrscheine für den Schnellzug zum Gruppensondertarif von 140 HKD (ca. 16 EUR) und fünf Minuten später sind wir auch schon auf dem Weg nach Kowloon, den Stadtteil auf der Festlandseite der ehemaligen britischen Kolonie.


Der erste Eindruck von Hong Kong: Hochhäuser, Hochhäuser und Baustellen von noch mehr Hochhäusern. Die Stadt strahlt eine unmittelbar spürbare Dynamik aus, hier tobt das pralle Leben. Irgendwie erinnert sie uns gleich an New York.


Erstmal amerikanisch essen


Wir beziehen ein geräumiges Zimmer im 13. Stock des Hotels The Salisbury, das zum YMCA gehört und seit 1906 hier residiert. Um uns herum lauter Luxushotels wie das Peninsula, aber uns sollte der Komfort des Salisbury völlig reichen. Die Lage ist außerdem unschlagbar: Zur Promenade von Tsim Sha Tsui, so heißt die Nachbarschaft an der Südspitze von Kowloon, müssen wir nur über die Straße gehen. Die berühmte Star Ferry rüber nach Hong Kong ist keine fünf Minuten entfernt. Außerdem soll es schräg gegenüber eine Filiale unserer Lieblingsrestaurantkette geben, ein Outback Steakhouse. Leider ist das Gebäude aktuell eine Baustelle, aber nur eine Viertelstunde entfernt hat es schon das nächste Restaurant. Na also.


Der erste Weg führt uns aber zum Wasser. Bevor die Sonne untergeht, wollen wir noch einen Blick auf die Skyline von Hong Kong erhaschen. Sehr beeindruckend! Genauso wie der Auflauf an Touristen. Man muss schon aufpassen, nicht ständig einen Selfie-Stick an den Kopf zu bekommen. Eine echte Pest die Dinger. In Asien scheint es die zum Handy direkt dazu zu geben…


Wir laufen dann quer durch Tsim Sha Tsui. Das Dinner im Outback beginnt mit drei Enttäuschungen: Es gibt keine Coconut Shrimps, kein amerikanisches Bier und keine Garlic Mashed Potatoes. Die Steaks sind dafür gewohnt prima, wenn auch ganz schön teuer. Aber wir sind halt in Hong Kong und nicht in Hagerstown, Maryland. Falls es jemand seltsam finden sollte, dass es uns an unserem ersten Abend in China in ein auf australisch getrimmtes amerikanisches Steakhouse zieht: Wacht auf, wir leben in einer globalisierten Welt! Zwei Tische weiter sitzt ein chinesisches Mädchen in einem rosafarbenen Trikot von Real Madrid mit dem Spielernamen Kroos auf dem Rücken. Und das ist kein Witz!


Bunte Lichtchen zum Ende des Tages


Ein Witz ist dafür das als (ich übersetze hier die englischsprachige Beschreibung auf der Tourismus-Website von Hong Kong) einmalig, energetisch, farbenfroh, rhythmisch, aufregend, lebendig und überhaupt voller Symbolik angekündigte Licht- und Laser-Spektakel “Symphony of Light” - wobei ich das Wort “Spektakel” hier nur verwende, weil mir grad nichts, aber auch gar nichts Passendes einfällt. Es blinken ein paar Hochhäuser, eine Handvoll Laserstrahlen werden über den Hafen geschickt, dazu kommt billige Popmusik aus den Lautsprechern. Und während Conny und ich uns noch fragende Blicke zuwerfen, jubelt die Menge um uns herum. Die sollten mal das Feuerwerk beim Nackenheimer Weinfest sehen... Weinen würden die vor Glück, weinen!


Wenn das Ganze dann vorbei ist, also jeden Abend ab 20:12 Uhr, kann man die Skyline in ihrer ganzen leuchtenden Pracht genießen. Das tun wir auch noch eine ganze Weile, bevor wir zurück ins Hotel spazieren. Also das mit uns und Hong Kong könnte was werden…

Unterkunft: The Salisbury YMCA - 152 EUR via amoma.com


Nützliche Links

Discover Hong Kong - das Wichtigste auf einen Blick

Tripadvisor Hong Kong Travel Forum - hier gibt es Antworten auf ALLE Fragen

Lonely Planet - prima Einführung

China Highlights - How to Plan a 3-Day Tour of Hong Kong's Highlights

Hongkong.net - alles zum ÖPNV in Hong Kong

Hong Kong Reisevorbereitung - Sylwia Buchs Website hat praktische Tipps