20150413 Asien Day 2
Blick aus dem Hotelfenster auf Shinkuju

Mo, Apr 13, 2015

OHAYO GOUAIMASU, TOKYO

Auf einen langen Flug folgt ein langer erster Tag in der japanischen Hauptstadt. Den nutzen wir, um uns etwas Orientierung in der riesigen Metropole zu verschaffen. Getrübt wird der erste Eindruck vom strömenden Regen.   

Kurz vor der Landung wird uns ein Frühstück aus Rührei und Bratkartoffeln serviert, dann setzt der Flieger pünktlich um 7:45 Uhr in Narita International auf. Die Einreise nach Japan funktioniert so wie früher in die USA. Bereits im Flieger sollte man zwei Formulare für Passkontrolle und Zoll vollständig ausgefüllt haben. Am Schalter werden noch die Fingerabdrücke genommen sowie ein Foto gemacht, dann ein Abschnitt des Einreiseformulars in den Ausweis getackert und ein Sticker danebengeklebt, der zum 90-tägigen Aufenthalt im Land berechtigt. Die Beamtin entschuldigt sich gleich dafür, dass sie einen Knick in diesen Aufkleber gemacht hat. Ich bin da nachsichtig, das kann den Besten passieren.


Eine halbe Stunde hat das Ganze doch gedauert. Unser Koffer haben es da vor uns in die Halle mit den Gepäckbändern geschafft. Ab durch den Zoll und dann ein Stockwerk tiefer zur Bahn. Bahnfahren in Japan ist eine Wissenschaft für sich. Zumindest bekommt man den Eindruck, wenn man sich vorab informieren will, wie man denn am besten vom ein ganzes Stück von Tokio entfernten Großflughafen in die Stadt kommt. Es gibt gleich mehrere Expresszüge von unterschiedlichen Gesellschaften.


Der erste Stopp: Starbucks


Keisei zum Beispiel betreibt den Schnellzug “Skyline Airport Express”. Zum Roundtrip mit dem kann man sich auch gleich ein Dreitagesticket für die U-Bahn sichern für insgesamt 41 Euro pro Kopf. Das erscheint mir recht sinnvoll, also gebe ich der Dame am Schalter nun halb auf Englisch, halb mit Händen und Füßen zu verstehen, was ich will. Seltsamerweise gibt es dieses Kombi-Angebot nur gegen Bares, so ist ein Teil der Scheine, die Conny gerade am Automaten gezogen hat, direkt wieder weg. Aber wir erhalten die gewünschten Fahrscheine. Nun haben wir noch eine knappe halbe Stunde Zeit bis zur Abfahrt. Die verbringen wir bei Starbucks, wo Cappuccino und Chai Tea Latte auf Japanisch genauso ausgesprochen werden wie daheim.


In den Skyline-Zug steigt man nicht einfach irgendwo ein. Jeder Fahrgast bekommt direkt einen Sitzplatz reserviert und wenn an einer japanischen Bahnsteigkante steht, dass hier die Tür zum Wagen Nummer 2 sein wird, dann kann man sich darauf verlassen, dass der Zug genau so zum Stehen kommt. Sogar gereinigt wird der noch fix. Toll.


Erstaunlich: Wir finden direkt zum Hotel


Durch eine wolkenverhangene braun-grüne Landschaft aus Feldern, Wald und kleinen Vororten mit winzigen Häusern geht die Fahrt bis zum Bahnhof Ueno. Dort haben wir Anschluss an die Tokioter U-Bahn und die Beschilderung ist so logisch und idiotensicher, dass man sich schon sehr anstrengen müsste, hier verloren zu gehen. Aber es gibt viele Schilder in den Bahnhöfen, sehr viele Schilder. Den Buchstaben und die Farbe der gewünschten Linie zu wissen, reicht aber schon zur Orientierung. So kommen wir problemlos durch bis Higashi-Shinkuju, der unserem Hotel Shinkuju Granbell nächstgelegenen Station.


Aus dem Untergrund entstiegen müssen wir feststellen: Es schüttet wie aus Kübeln. Zum Glück haben wir Regenschirme griffbereit, laufen auf Anhieb in die richtige Richtung und erreichen das Hotel in weniger als 5 Minuten. In der Lobby türmen sich schon die Koffer der heute Ab- und Anreisenden. Wir stellen unsere dazu und nehmen nur das Nötigste für einen ersten Stadtbummel mit. Check-In ist leider nicht vor 15 Uhr möglich. Jetzt ist es gerade elf.


Stadtbummel im Regen


Die Nachbarschaft besteht hauptsächlich aus kleinen Hotels, Bars mit mal mehr, mal weniger jugendfreien Angeboten und jeder Menge Restaurants. Um die Uhrzeit ist das Viertel wie ausgestorben. Wir erreichen aber bald Shinjuku-dori, eine der Haupteinkaufsstraßen Tokios mit großen Kaufhäusern wie dem Isetan. Dort finden wir Zuflucht vor dem Regen. Das große Shopping-Fieber bricht bei uns angesichts der Preise nicht gleich aus, aber sehr stylisch sind die Klamotten hier schon. Und wir haben noch nie so viele Verkäufer in einem Laden gesehen wie hier. Im Gegensatz zu ihren amerikanischen KollegInnen üben die sich allerdings in freundlicher Zurückhaltung und so kann man einigermaßen unbehelligt durch die Abteilungen spazieren.


Völlig überfordert sind wir dann vom Angebot in der Lebensmittelabteilung von Isetan. Auf der Fläche eines Großmarkts reiht sich eine Delikatessentheke an die andere, von den feinsten Tortenkreationen bis zu wahrscheinlich allem, was man dem Meer entnehmen und in Teig frittieren oder in Reis und Algen einwickeln kann, gibt es hier nichts, was es nicht gibt. Das Angebot im KaDeWe etwa ist dagegen absolut lächerlich. Woran es allerdings mangelt, sind Sitzgelegenheiten, um die Köstlichkeiten gleich an Ort und Stelle zu genießen. Das macht man in Japan nicht. Meinen kleinen Hunger stille ich daher mit ein paar Tempura-Teilen auf die Hand - nachdem ich diese aus der kunstvollen Verpackung ausgewickelt habe.


Tokio von oben


Draußen gießt es weiter, also beschließen wir, mit der U-Bahn zu den Zwillingstürmen der Tokyo Metropolitan Government Offices zu fahren. Die sind noch nicht ganz in den Wolken verschwunden, also sollte man dort aus dem 45. Stock doch wenigstens ein bisschen was von der Stadt sehen. Eintritt kostet der Besuch der Aussichtsetage keinen, die Sicht durch die tropfnasse Scheibe ist allerdings auch eher mau. Immerhin reicht es, um sich mal so ein bisschen Orientierung zu verschaffen: Dort der 204 Meter hohe, mit seiner Gitterkonstruktion sehr modern anmutende Mode Gakuen Cocoon Tower, da der schon sattgrünes Laub tragende Park um den Meiji-Schrein, dort das an amerikanische Art Deco-Hochhäuser erinnernde NTT Docomo Yoyogi Building, das nur aussieht wie in den 1930er Jahren gebaut, tatsächlich aber erst 2000 eröffnet wurde und mit 272 Metern bis zur Antennenspitze der zweithöchste Uhrenturm der Welt ist - hinter einem fast doppelt so hohen Gebäude in Mekka.


Schließlich wagen wir uns nochmal nach draußen und bummeln durch das neonbunte Viertel Richtung Shinjuku Station, flüchten dann aber vor Regen und Wind wieder in ein Kaufhaus mit einer wahnsinnig gut sortierten Gourmetabteilung, dem Keio, und kaufen uns dort noch ein paar Backwaren, die wir mit ins Hotel nehmen.


Ein Zimmer voller Rätsel


Durchnässt und völlig erledigt beziehen wir ein kleines Zimmer mit großer Aussicht im elften Stock das Boutique-Hotels und richten uns so gut es geht mit zwei Schubladen und vier Kleiderbügeln ein. Anscheinend wird hier nicht erwartet, dass der Gast seinen Koffer auspackt. Vor Rätsel stellt uns auch die Klospülung, ein mit Knöpfen und Schriftzeichen übersäter Kasten an der Wand der Toilette. Also wird alles ausprobiert und wir sind uns einig: Klobrillen sollten überall auf der Welt beheizt werden. Und an die Dusche zur Sitzung könnte man sich wahrscheinlich auch gewöhnen.


Ansonsten ist unser Akku für heute leergelaufen. Wir dösen ein wenig, ich raffe mich nochmal zum Schreiben dieser Zeilen auf, aber raus in den Regen wollen wir heute Abend auf keinen Fall mehr. Mit einem Asahi-Bier aus dem Automaten schaue ich noch ein bisschen auf die Lichter von Shinjuku. Oyasuminasai - gute Nacht.

Unterkunft: Shinjuku Granbell Hotel - 150 EUR via booking.com


Nützliche Links

Go Tokyo - Offical Tokyo Travel Guide

Japan Guide - die wichtigsten Sehenswürdigkeiten auf einen Blick

Born 4 Travel: Japan 2010 - in Sylwia Buchs Reisebericht kann man sich prima Anregungen holen

Tripadvisor Tokyo Travel Forum - hier gibt es Antworten auf ALLE Fragen

CNN Travel - Going to Tokyo? How to ride the trains and 9 other tips

Narita Access Information - wie kommt man vom Flughafen in die Stadt?

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