20150412 Asien Day 1
Boeing 747-400 vor dem Abflug

So, Apr 12, 2015

FLUG IN EIN UNBEKANNTES LAND

Die Reise nach Fernost beginnt mit Flug LH 710. Das Ziel: Tokio-Narita. Bei der Lektüre der Sonntagszeitung stimme ich mich auf Japan ein.

Abflug am Sonntagmittag. Erfahrungsgemäß geht es da recht ruhig zu am Frankfurter Flughafen. Von Raunheim, wo wir das Auto bei den Schwiegereltern lassen, mit der S-Bahn zum Airport, Ausdruck der Bordkarten und Gepäckaufgabe, durch Security und Passkontrolle zum Gate in handgestoppten 35 Minuten soll uns erst mal jemand nachmachen.

 

Es stellt sich dann auch recht schnell heraus, dass die 25 Euro, die Lufthansa mittlerweile jedem Fluggast abknöpft, der schon vor dem Check-In eine Sitzplatzauswahl treffen will, rausgeschmissenes Geld waren. “In dem Flieger können Sie Tango tanzen”, erfahre ich auf meine Nachfrage, ob die beiden Plätze zwischen uns in der Viererreihe freigeblieben sind. Vielleicht machen wir das ja.

 

Das Boarding verläuft entsprechend zügig. Mehr Arbeit, als Reisende mit kleinen Kindern zuerst aufzurufen, macht sich die Crew am Gate nicht und schickt den ganzen Rest auf einmal in den Flieger. Nicht dass deshalb großartig Gedränge aufkommen würde. Das verspricht, ein angenehmer Flug zu werden. Wir beziehen die Reihe 37. Mit etwas Verspätung hebt die 747-400 mit Ziel Japan ab.

 

Seit Neuestem haben Flugzeuge ja auch Internet. Das sich allerdings über China automatisch abschaltet. Die haben’s da ja nicht so mit der Kommunikationsfreiheit. Vielleicht haben sie auch Angst, man würde Facebook-Posts ausdrucken und als Flugblätter abwerfen. Reinhard Mey jedenfalls irrte. Von wegen grenzenlose Freiheit über den Wolken. Ich finde es ja gar nicht verkehrt, mal für ein paar Stunden offline zu sein. Statt im WWW mache ich mich mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung breit und lese unter anderem einen der bisher besten Artikel zum ins sehr Hässliche abgedrifteten Streit um das rassistische Firmenlogo eines Mainzer Dachdeckers, von einer Japanerin, die in Frankfurt ein Geschäft mit Sushi und französischer Patisserie führt, und über das japanische Konzept von Honne und Tatemae.

 

Ich habe keine Ahnung

 

Honne steht für die wahren Gefühle und Wünsche eines Menschen, die die Japaner nur engen Freunden und der Familie offenbaren. Tatemae ist die Maskerade, die sie in der Öffentlichkeit zur Schau stellen, die freundlich lächelnden, oft eingefroren wirkenden Mienen. Wer Japan verstehen will, müsse dieses Konzept kennen, schreibt Carsten Germis, der fünf Jahre lang als Korrespondent auf der Suche nach dem Geheimnis des japanischen Lächelns war. In drei Tagen in der Hauptstadt werden wir da sicher nur ganz zart an der Oberfläche kratzen.

 

Dass ich so wenig über Land und Leute weiß, unterscheidet diese Reise grundlegend von unseren Amerika-Trips. Von den Vereinigten Staaten habe ich die Kultur, die Geschichte und Literatur studiert, ich habe ein Gefühl für die unterschiedlichen Mentalitäten der Menschen in den verschiedenen Regionen der USA, kann vieles von dem, was an Amerika widersprüchlich erscheint, ganz gut erklären. Für Asien fehlt mir dieser reflektierte Blick fast völlig. Was mich aber auch wieder entspannen lässt. Uns wird es einzig darum gehen, Eindrücke zu sammeln und mitzunehmen. Und wer weiß: Vielleicht inspirieren die uns ja zu weiteren Reisen. Jedenfalls finde ich meine Lektüre sehr schön zur Einstimmung.

 

Das erste japanische Essen

 

Kulinarisch werden wir auf dem Flug auch eingestimmt, nämlich mit einem recht leckeren Katsu Curry, knusprigen Mini-Schweineschnitzeln mit Reis, einer japanischen Soße und eingelegtem roten Rettich. Dass ein geschmacksneutraleres Nahrungsmittel als Grüntee-Nudeln existieren könnte, glaube ich aber nicht. Die gibt es als weitere Beilage. Der dazu gereichte grüne Tee schmeckt wiederum sehr gut. Wobei ich mir nicht ganz sicher bin, ob da nicht vielleicht auch eine leicht fischige Note durchschimmert.

 

Nach dem Essen wird das Licht in der Kabine gedimmt und so getan, als sei es nun Nacht. Mein Körper lässt sich davon kaum austricksen, ich nicke nur zwei Mal für wenige Minuten ein. Dürfte ein langer erster Tag in Tokio werden…

Nützliche Links

Go Tokyo - Offical Tokyo Travel Guide

Japan Guide - die wichtigsten Sehenswürdigkeiten auf einen Blick

Born 4 Travel: Japan 2010 - in Sylwia Buchs Reisebericht kann man sich prima Anregungen holen

Tripadvisor Tokyo Travel Forum - hier gibt es Antworten auf ALLE Fragen

CNN Travel - Going to Tokyo? How to ride the trains and 9 other tips

Narita Access Information - wie kommt man vom Flughafen in die Stadt?

Tokyo Metro - mit den Öffis geht es ganz einfach von A nach B - und nach C auch

Tokyo Cheapo - praktische Tourenvorschläge

Mein Japanbuch - über das Konzept von Honne und Tatemae