20160704 GTA
Passo di Nefelgìu

Mo, Jul 4, 2016

 

RUNTER, RAUF, RUNTER

Mit dem Lago di Vannino wartet am Ende des Tages der nächste türkisblau schimmernde See auf uns - und an seinem Ufer die rustikale Margaroli-Hütte.

Wunderbar ruhig war die Nacht im Rifugio Città di Busto. So stellt man sich die Übernachtung auf einer Berghütte vor. Beim Frühstück können wir jede Menge Murmeltiere beobachten. Sogar bis auf die Terrasse kommen die. Zu niedlich!

 

Wir verabschieden uns vom netten Hüttenteam und dem jungen Paar aus Oldenburg. Sie haben das selbe Ziel wie wir heute, das Rifugio Margaroli am Lago di Vannino. Vielleicht sehen wir uns ja unterwegs. Für den Nachmittag sind Gewitter angekündigt. Hoffentlich schaffen wir es vor denen ins nächste Tal.

 

Statt den Weg des gestrigen Aufstiegs heute wieder runterzugehen, nehmen wir von der Hütte einen schmalen Pfad durch einen steilen Grashang voller Murmeltierbauten. Ein Adler zieht im Tiefflug darüber weg. Ganz so idyllisch wie es scheint, ist das Leben als Nager hier oben also nicht...

Der Trail ist nicht ohne! Es sind einige Partien über Felsen und Schneefelder dabei, auch ein paar Bäche sind zu queren. Die Blütenpracht wird immer schöner je tiefer wir kommen. Schließlich erreichen wir an einer kleinen Seilbahnstation den Lago di Morasco, den Muraschgsee. Das Walserdorf Muraschg ist einst samt Kirchturm darin verschwunden. Der schönere Wanderweg verläuft am rechtem Ufer, wir bleiben aber links, weil wir ein Stück voraus eine Hängebrücke ausmachen, über die wir zu gerne gehen würden. Leider ist sie nicht für die Öffentlichkeit bestimmt, sondern für die Mitarbeiter der hiesigen Wasserkraftindustrie. Also queren wir die Staumauer.

 

Grandioses Panorama auf der Alpe Nefelgiù

 

Wir verlieren etwas die Übersicht über den nun einzuschlagenden Weg. Die GTA-Schilder zeigen in die eine, die Route aus dem Wanderführer in eine andere Richtung. Wir entscheiden uns gegen die Markierungen, verpassen dann aber den Abzweig, der uns vom Seeufer bergan führen soll. Also retour. Der zugewachsene Trampelpfad ist aber auch leicht zu übersehen. Angenehm zu gehen ist er auch nicht. Vor allem steht hier die Luft! Hundert Höhenmeter Anstieg reichen, um schweißgebadet zu sein. Ich bin heilfroh, als wir wieder auf der breiteren GTA sind, auf der ein leichter Wind weht. Und als wir ins Hochtal der Alpe Nefelgiù einbiegen, sind alle Strapazen vergessen. Was für ein grandioses Panorama! Granitgraue, schneebedeckte Gipfel ragen über einer sattgrünen Almfläche auf, durch die ein munterer Gebirgsbach plätschert. Schöner als jedes Kalenderblatt!

 

Das Idyll lädt zu einer Rast ein. Also suchen wir uns einen Platz am Bach, um den Füßen etwas Abkühlung zu gönnen. Erledigt sich jeweils in Sekundenschnelle, denn das Wasser ist eiskalt. Was aber fehlt ist Schatten, und da wir uns bewusst sind, dass die liebe Sonne um die Mittagszeit am meisten Kraft hat, machen wir uns denn doch bald wieder auf die Socken. Der Weg zum Passo di Nefelgiù wird immer steiler und beschwerlicher. Auf eineinhalb Kilometern 450 Höhenmeter zu überwinden, ist wahrlich kein Spaziergang, vor allem, wenn die Markierungen unter Schnee verschwinden und nur noch an sich weglose Grashänge zur Begehung taugen. Aber schlappmachen gilt nicht.

Schließlich erreichen wir den Pass in 2.583 Metern Höhe. 400 Meter tiefer schimmert uns der Lago di Vannino türkisblau entgegen, auch der in einer Mulde etwas höher gelegene kleine Stausee Lago Sruer ist kurz zu sehen. Den bröckeligen Schotterhang auf der anderen Seite bedeckt eine Schneedecke. Die nehmen Johannes und ich schlitternd und mit großen Schritten, während die Damen vorsichtig einen Fuß vor den anderen setzen. Unsere Methode macht auf jeden Fall mehr Spaß!

 

Die Einsamkeit der Berge ist endlich

 

An der Hütte Rifugio E. Margaroli herrscht dann schon ganz schön Betrieb. Mehrere Schulklassen sind auf Ausflug heraufgewandert, machen sich aber bald an den Abmarsch. Auch eine größere Wandergruppe des DAV Summit Club hat bereits Quartier bezogen. Eigentlich hatten wir gehofft, dieser Gruppe aus dem Weg zu gehen. Wir wussten, dass deren Tour auf der GTA einen Tag später als unsere beginnen würde. Aber sie sind heute in einem Rutsch über den Griespass bis hierher gewandert und haben uns so eingeholt. Nun denn, das war's dann wohl mit der Einsamkeit auf den Berghütten...

 

Beim Bier kommen wir mit einem jungen Schweizer ins Gespräch. Der beendet gerade seine Ausbildung zum Vikar, zu der es gehört, 300 Schweizer Franken für einen Ausflug zur Verfügung gestellt zu bekommen. Damit wären wir auch in die Berge gefahren! Dass er kiloweise Schokolade als Proviant mit sich herumträgt, leuchtet uns nicht so ganz ein, aber Hauptsache wir kriegen was ab davon.

 

Die Zimmer im Rifugio Margaroli sind sehr eng, geschlafen wird in dreistöckigen hölzernen Etagenbetten. Sehr gewöhnungsbedürftig sind die Hocktoiletten, die mir noch nie untergekommen sind. Eine heiße Dusche kostet 2 Euro und das warme Wasser ist so schnell verbraucht, dass es kaum zum Einseifen reicht. Aber zu so einer Wanderung gehört ein bisschen Verzicht gewohnten Komforts nun einmal dazu.

 

Zum Abendessen gibt es fast das gleiche wie gestern: Pasta als Vorspeise, Vitello Tonnato mit leckerer Soße, dazu ein deftiger Kartoffelauflauf. Einige Runden Kartenspiel und ein paar Gäser Rotwein später haben wir ausreichend Bettschwere.

 

Wanderung: 12,8 km

Höhenmeter: +887 / -1.157

Unterkunft: Rifugio E. Margaroli (2.197 m)