20160703 GTA
Griespass

So, Jul 3, 2016

 

AUF URALTEM SAUMWEG INS PIEMONT

In Italien kommt die Sonne raus. Das Ziel: Die Hütte Città di Busto unweit des Stausees Lago del Sabbione vor der Kulisse der Lepontinischen Alpen gelegen.

Der Blick ins Internet sorgt gleich morgens für gute Laune. Die Nationalmannschaft hat am Abend den Italien-Fluch besiegt. 6:5 im Elfmeterschießen. Whoop, whoop! Da laufen einige Gäste recht kleinlaut zum Frühstück ein...

 

Nach einer Katzenwäsche (einmal Duschen kostet 5 Franken auf der Capanna Corno-Gries, die spare ich mir), Frühstück und dem Packen des Rucksacks verabschieden wir uns von den netten Gastgebern und machen uns auf den Weg durch die Schneefelder. Die werden, ebenso wie die Wolken, immer dichter. Irgendwann schaue ich sicherheitshalber mal auf die GPS-App und stelle fest, dass wir längst vom Wege abgekommen sind. Das ist hier oben aber kein all zu großes Problem. Im schlimmsten Fall stünden wir wohl irgendwann am Ufer des Griessees. Dank technischer Unterstützung finden wir die Route über den Pass.

Übergang nach Italien

 

Der Griespass, 2.479 Meter hoch, ist ein uralter Saumweg über den südlichen Alpenhauptkamm. Schon in der Bronze- und später in der Römerzeit wurde er genutzt. Im Mittelalter wanderten die Walser vom Oberwallis über den Pass ins 1422 dem Herzogtum Mailand zugeschlagene Pomatt und gründeten dort Dörfer, in denen noch heute das Walserdeutsch gesprochen wird.

 

Der Nebel reißt auf und gibt den Blick frei auf die grüne Wiese der Bettelmatt tief unter uns. Gegenüber ist schon das Rifugio Città di Busto zu sehen, unser Tagesziel. Auch den noch von Eisschollen überzogenen Griessee, einen Stausee, der von den Resten des Griesgletschers gespeist wird, geben die Wolken frei. Ein bisschen fehl am Platze wirkt das Windrad neben der Staumauer. Es handelt sich um die höchstgelegene Windkraftanlage Europas. Ob es die nun unbedingt gebraucht hätte, sei mal dahingestellt.

 

Wir sind völlig begeistert von der Bergwelt, die sich uns hier darbietet. Nur der Wind ist auf der Höhe recht unangenehm. Der legt sich aber beim Abstieg durch blühende Wiesen und an zahlreichen Wasserfällen vorbei.

 

Auf der Bettelmatt herrscht reger Wanderverkehr. Ganze Großfamilien sind unterwegs und peilen sicher ein Mittagessen auf der Berghütte an. Keiner ihrer Rucksäcke lässt darauf schließen, dass die Leute als Fernwanderer unterwegs sind, das dürften alles Tagestouristen sein. Ein Stück weiter unten, an der Staumauer des Lago di Morasco, parken jede Menge Autos.

 

Aufstieg zur zweiten Hütte

 

Nach einer kurzen Rast schließen wir uns dem Treck zum Rifugio an. 350 Höhenmeter sind zu überwinden, keine all zu große Herausforderung, auch wenn die Sonne nun ganz gut einheizt. Gegen halb zwei erreichen wir die Hütte Città di Busto. Wir melden uns an, bekommen ein gemütliches Zimmer mit Stockbetten gezeigt, das wir für uns allein haben werden, und gönnen uns dann erstmal Kaffee und Kuchen in der Sonne.

 

Am Nachmittag unternehmen Johannes und ich noch eine kleine Wanderung zur Staumauer des Lago del Sabbione. Es sind zwar nur etwas über zwei Kilometer Wegstrecke, aber die haben es durchaus in sich, denn im steilen Hang sind einige Schneefelder zu queren, dazu ist der Weg ziemlich steinschlaggefährdet. Jeweils um die 100 Höhenmeter im Auf- und Abstieg kommen auf einfacher Strecke zusammen.

 

Hinter dem See ragen einige imposante Gipfel der Lepontinischen Alpen auf. Das 3.235 Meter hohe Ofenhorn trägt eine dicke Schneekappe. Der Hohsandgletscher an dessen Hängen ist einfach nur eine riesengroße Schneefläche. Aus allen Richtungen fließen Wasserfälle, teils über Leitungen, in den See, dessen Oberfläche noch weitgehend aus Eis besteht. Ziemlich bizarr.

In der Tundra-ähnlichen Landschaft nahe der Hütte können wir dann auf dem Rückweg einige Murmeltiere beobachten. Scheint eine größere Kolonie zu sein. Drollige Tiere sind das!

 

Zum Abendessen gehört Città di Busto dann fast uns allein. Nur ein junges Paar aus Oldenburg ist ebenfalls zu Gast. Mit den beiden kommen wir bald ins Gespräch. Das Essen ist sehr lecker und die Flasche Rotwein, die ich mir mit Johannes teile, trägt ihren Teil zur ausgelassenen Stimmung bei, die in einigen Kartenspiel-Runden ihren Höhenpunkt findet. Zufrieden über diesen gelungenen Tag fallen wir in die Betten.

 

Wanderung: 13,2 km (inkl. Abstecher zum Lago del Sabbione)

Höhenmeter: +723 / -575

Unterkunft: Rifugio Città di Busto (2.480 m)